Tiergesundheit

Antibiotika: Häusling kritisiert Unterschriftenkampagne der Tierärzte

Josef Koch
Josef Koch
am Dienstag, 10.08.2021 - 10:31

Der EU-Abgeordnete wirft Tierärzten Desinformation vor. Diese befürchten ein weitreichende Verbot, wenn das Parlament abstimmt.

Häusling-Martin-EU-Parlament

Nach Meinung von Martin Häusling, Agrarsprecher der Grünen im EU-Parlament, geht die vom Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) gestartete Unterschriftenkampagne gegen ein Antibiotikaverbot vollständig an dem vorbei, was im Umwelt- und im Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlamentes beschlossen wurde.

„Tatsächlich wollen die Ausschussmehrheiten den Einsatz von Reserveantibiotika in der Tiermast begrenzen, also in Ställen der Massentierhaltung. Es geht nicht um Tiere in Einzelhaltung, wie dies fälscherweise in einer Presseerklärung des bpt dargestellt wird“, so Häusling

Jährlich sterben laut Häusling 33.000 Menschen in Europa an fehlender Wirksamkeit von Antibiotika. Um der weiteren Verschärfung dieser medizinischen Entwicklung vorzubeugen, sollen Reserveantibiotika (critical important antibiotics/ letzte Behandlungsreserve) dem Menschen vorbehalten bleiben. Der Auftrag des Parlamentes an die Europäische Kommission laute daher, den seit Jahren auf viel zu hohem Niveau verabreichten Mengen an Reserveantibiotika wirksame Grenzen zu setzen, stellt der EU-Abgeordnete klar.

Nach Auffassung Häuslings sind die Haltungsbedingungen in der Tiermast endlich zu verbessern und die Verschwendung von medizinisch wertvollen Ressourcen zu beenden. „Die Probleme der Tiermast können nicht mit hohen Mengen an Antibiotika geheilt werden. Dieses System der Fleischproduktion ist überholt und muss dringend reformiert werden.“

Tierärzte warnen vor weitreichendem Verbot

Vor einem weitrechenden Verbot des Antibiotikaeinsatzes bei Tieren hat der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) nochmals gewarnt. Laut bpt wird das Europaparlament am 8. September darüber abstimmen, welche Antibiotika künftig den Menschen vorbehalten sein sollen.

Dabei sei ein komplettes Anwendungsverbot von Fluorchinolonen, Cephalosporinen der dritten und vierten Generation, Polymyxinen und Makroliden in der Tiermedizin zu befürchten. Davon wären dem Verband zufolge entgegen den Aussagen in dem Entschließungsantrag, der dem Parlament vorliegt, nicht nur landwirtschaftliche Nutztiere, sondern alle Tierarten betroffen, mit dramatischen Auswirkungen für die Therapie von Tieren.

Unterschriftenaktion in Praxen und Online

Der bpt hat deshalb in seinen Mitgliedspraxen eine Unterschriftenaktion gegen solch ein weitreichendes Verbot gestartet, an der sich alle Tierhalter beteiligen sollen. Die Unterschriften sollen vor der Abstimmung an die deutschen Abgeordneten im Europaparlament übergeben werden. Damit will der Verband nach eigenen Angaben ein starkes politisches Zeichen setzen und deutlich machen, dass er das geplante Anwendungsverbot bestimmter Antibiotika bei Tieren für tierschutzwidrig hält, weil viele Krankheiten dann nicht mehr oder nicht mehr adäquat behandelt werden könnten. Nachgewiesenermaßen stammten laut bpt nur etwa 5 % der Antibiotikaresistenzen aus der Tierhaltung.

„Deshalb macht es wenig Sinn, den Antibiotikaeinsatz bei Tieren immer weiter zu reglementieren, anstatt dort genauer hinzuschauen, wo Antibiotika inflationär eingesetzt werden und Resistenzen in der Masse wirklich entstehen“, betonte Moder. Parallel zur Unterschriftenkampagne werde eine Online-Petition bei „www.change.org“ unterstützt, mit der über Social-Media-Kanäle auch Tierhalter erreicht werden sollten, die im Aktionszeitraum nicht in die Tierarztpraxen zur Unterschrift kommen würden.

Mit Material von AgE