Tierwohl

Antibiotika: EU-Ausschuss lehnt Kommissionsvorschlag ab

Josef Koch
Josef Koch
am Dienstag, 13.07.2021 - 10:11

Der EU-Gesundheitsausschuss lehnte einen EU-Vorschlag zu Reserveantibiotika in der Tierhaltung ab. Die Grünen freut dies. Im Herbst stimmt das Parlament ab.

Antibiotika-Rind-Tierarzt

Erfreut ist der grüne EU-Abgeordnete Martin Häusling, weil der Umwelt- und Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments heute (13.7.) sein Veto gegen den Kommissionsvorschlag zur Regelung der Reserveantibiotika in der Tierhaltung eingelegt hat. Diese werden in der Humanmedizin und bei Tieren eingesetzt. Aufgrund von wachsender Resistenzbildung, verlieren sie so zunehmend ihre Wirkung bei Notfällen im Humanbereich.

Nach Häuslings Auffassung enthält der EU-Vorschlag erhebliche Schlupflöcher, die der Ernsthaftigkeit der Antibiotikaresistenzen nicht gerecht werden. In der neuen EU-Tierarzneimittel-Verordnung müsse ihr Einsatz bei Tieren deshalb streng geregelt werden, so Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen.

Grüne gegen Einsatz in Gruppenhaltung

Der Vorschlag der Europäischen Kommission würde es weiterhin möglich machen, Reserveantibiotika auch in der Gruppenbehandlung einzusetzen, wenn das Tierwohl gefährdet ist. Das heißt, auch gesunde Tiere erhalten nach Einschätzung Häuslings „vorsorglich“ Antibiotika, zumeist über die Tränkeanlage, da es in den Großställen schwierig bis unmöglich sei, kranke Tiere zu separieren.

Die Grünen wollen die Behandlung mit Rerserveantibiotika nur bei Einzeltieren zulassen, und bestimmten Bedingungen. So soll zum Beispiel eine klinische Diagnose einer schweren, lebensbedrohlichen Krankheit vorliegen oder keine alternative Behandlung möglich sein. Ebenso verlangt Häusling eine Antibiotika-Empfindlichkeitsprüfung (Antibiogramm).

Voraussichtlich im September findet die Abstimmung im Europäischen Parlament statt.