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Tierwohl

Anbindehaltung: Nur knapp 2% wollen umbauen

Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 22.02.2022 - 08:36

Ministerium hofft Beratungsquote in den kommenden Monaten steigern zu können. Corona-Pandemie als Grund für Zurückhaltung.

Anbindehaltung

Zufrieden ist Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber mit dem Verlauf der Beratungsinitiative für Betriebe mit ganzjähriger Anbindehaltung. Im Herbst letzten Jahres startete sie die erneute Beratungsinitiative. Nach Angaben des Ministeriums wurden mit den ersten Gruppenberatungen und Informationsveranstaltungen bislang über 3.000 der insgesamt 10.000 betroffenen Betriebe erreicht.

Lediglich 560 Milchviehhalter oder knapp 6 % haben in einer gezielten Einzelberatung konkrete Ideen und Vorschläge zur Weiterentwicklung des eigenen Betriebs eingeholt. Von diesen haben knapp 150 Rinderhalter (1,5%) nach der Einzelberatung nun eine Spezialberatung für Stallneu- oder Umbauten in Anspruch genommen.

Bahnt sich hier etwa ein Strukturbruch an, wovor der Bayerische Bauernverband kürzlich warnte? Über keine Informationen verfügt das Ministerium, für welchen Weg sich die übrigen 2440 Betriebe entschieden haben, die das Beratungsangebot der Landwirtschaftsämter genutzt haben. Jede Familie werde ihren individuellen Weg gehen, heißt es dazu aus dem Ministerium auf Nachfrage des Wochenblatts.

 Kaniber räumt ein, ihr sei klar, dass nicht jeder Betrieb die Möglichkeit habe, direkt einen neuen Laufstall zu bauen. „Daher bekennen wir uns in Bayern auch ganz klar zur Kombihaltung. Diese Form der Tierhaltung kann für manche Betriebe eine Alternative zur ganzjährigen Anbindehaltung sein. Hierzu muss sich auch die Bundesregierung klar bekennen“, so die Ministerin. Mit jedem dieser Betriebe wird laut Ministerium in einem gemeinsamen Gespräch ein Plan für die zukünftige Betriebsentwicklung erarbeitet. Dabei gehen die Möglichkeiten vom Stallneu- bzw. umbau, über andere Tierhaltungsverfahren bis hin zum Auf- und Ausbau von Einkommensalternativen.

Nach Auffassung von Kaniber hat die Corona-Pandemie die angelaufene Beratungsinitiative definitiv erschwert. Dennoch hält sie es für einen wichtigen Schritt, bereits 30 Prozent der Betriebe erreicht zu haben. So zeigten die Entwicklungen der letzten Wochen, dass nicht nur die neue Bundesregierung, sondern auch der Lebensmitteleinzelhandel den Druck auf die Milchviehbetriebe mit ganzjähriger Anbindehaltung erhöht.

Bayern hält im Gegensatz zur neuen Bundesregierung nichts von Verboten. Diese will in knapp zehn Jahren die Anbindehaltung verbieten, lässt aber offen, ob damit auch die Kombihaltung gemeint ist. Mit Beratung und Förderung versucht Bayern, den Betrieben einen erfolgreichen und individuellen Weg in die Zukunft aufzuweisen. „Dieser Weg scheint uns recht zu geben und nur so kann man einem möglichen Strukturbruch effektiv begegnen“, ist Kaniber überzeugt.

Dennoch haben sich bisher rund 70 % der Betriebe mit ganzjähriger Anbindehaltung keine staatliche Beratung in Anspruch genommen. Ob sie sich schon für die Aufgabe der Milchviehhaltung entscheiden haben, ist ungewiss. Allerdings gibt sich das Agrarministerium zuversichtlich, die Beratungsquote noch deutlich steigern zu können.

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