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Anbindehaltung

Ampelkoalition: Zukunft der Kombihaltung noch offen

Alexandra Königer
Alexandra Königer
am Donnerstag, 20.01.2022 - 07:05

Politiker im Alpenraum warnen vor „Massensterben“ kleinbäuerlicher Betriebe.

Die Scherben, die Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) nach ihrer unpräzisen Regierungserklärung in Sachen Ausstieg aus der Anbindehaltung mühsam zusammengekehrt hat, fallen den Bauern jetzt wieder vor die Füße. Diesmal sorgt die Ampelkoalition in Berlin für Verunsicherung.

Im Koalitionsvertrag schreibt die neue Regierung, „die Anbindehaltung spätestens in zehn Jahren beenden“ zu wollen. Wieder stehen die Milchviehhalter vor der Frage: Ist nur die ganzjährige Anbindehaltung gemeint oder auch die Kombihaltung?

Brief an Özdemir

Die Ankündigung im Koalitionsvertrag treibt auch den Landrat von Garmisch-Partenkirchen, Anton Speer (Freie Wähler), um. Er hat einen Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) geschrieben, in dem er um Klarstellung bittet und vor dem Ende der Kombihaltung warnt. Unterstützung bekommt er vom FW-Fraktionschef im Bayerischen Landtag, Florian Streibl.

Beide haben Özdemir ins Werdenfelser Land eingeladen, damit er sich „vor Ort ein Bild über die kleinbäuerlichen Strukturen in der hiesigen Landwirtschaft machen kann, um einen Eindruck davon zu gewinnen, wie sehr die familiengeführten bäuerlichen Betriebe das Tierwohl ernst nehmen“. Vertreter und Fachleute aus Landwirtschaft, Naturschutz und Tierschutz in Landkreisen des Alpenraums seien gemeinsam in großer Sorge und drängten auf schnellste Klärung, ob die Kombinationshaltung sicher vom geplanten Verbot ausgenommen ist, schreibt Speer. Ansonsten drohe ein „Massensterben bei den kleinstrukturierten Betrieben, die ihre Milchkühe täglich auf die Weide bringen“.

Bundeslandwirtschaftsministerium bedingt sich noch Zeit aus

Streibl und Speer werden sich wie die Bauern noch gedulden müssen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium erklärt auf Nachfrage: Zu den Details wie der Kombihaltung könne man zum jetzigen Zeitpunkt keine Einzelheiten nennen. Klarheit gibt es nur für die ganzjährigen Anbindehalter. „Die dauerhafte Anbindehaltung muss aus tierschutzfachlicher Sicht auslaufen“, erklärt das Ministerium. Ziel müsse sein, vollständig aus dieser Haltungsform auszusteigen.

Der Ausstieg aus der Anbindehaltung müsse „verhältnismäßig für alle Beteiligten gestaltet werden“. Dazu zähle auch eine angemessene Übergangszeit. Für den DBV-Präsidenten Joachim Rukwied ist der Ausstieg binnen zehn Jahren ein „realistisches Zeitfenster“, wie er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte. Langfristig gesehen habe die ganzjährige Anbindehaltung weder für das Tier noch für den Bauern eine Zukunftsperspektive. Auch er rief aber dazu auf, solche Betriebe zu erhalten, die ihre Tiere nur in den Wintermonaten anbinden und im Sommer „auf die Alm schicken“. Dafür brauche es eine gesonderte Lösung.

Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) lehnt ein Verbot der Anbindehaltung, das auch die Kombihaltung umfassen würde, ab. „Auch Betriebe mit ganzjähriger Anbindehaltung brauchen keine gesetzlichen Verbote, sondern Angebote, wie der Betrieb weiterentwickelt werden kann“, erklärte sie. Nur so könne ein Strukturbruch verhindert werden.