Tierwohl

Ampel-Koalition: Das sagen Ökobauern und Tierschützer

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 26.11.2021 - 10:30

Gute Ansätze im Koalitionsvertrag, aber teilweise noch Verbesserungen nötig beim Umbau der Tierhaltung, so die Einschätzung.

Ökoschweine-Ferkel-Outdoor

Der Koalitionsvertrag der Ampel-Parteien stößt bei Öko- und Umweltverbänden auf ein überwiegend positives Echo. Allerdings gibt es auch Verbesserungswünsche, vor allem beim Umbau der Tierhaltung.

Naturland begrüßt die Pläne der Ampelkoalition zur Einführung einer verbindlichen Haltungskennzeichnung ab 2022. „Dass die verpflichtende Haltungskennzeichnung so prominent im Koalitionsvertrag steht, ist auch ein Erfolg unserer Kampagne #wirzeigenHaltung gemeinsam mit der Tierschutzorganisation Provieh“, sagte der Naturland Präsident Hubert Heigl. Bei der Umsetzung komme es nun auf die Details an. Heigl verlangt nicht nur die verpflichtende Kennzeichnung von Fleisch und Wurst, sondern auch für alle anderen tierischen Lebensmittel. Außerdem muss sie laut Naturland-Präsident vierstufig aufgebaut sein, mit einer eigenen Stufe für ökologisch und besonders artgerecht erzeugte Produkte.

Bei der geplanten Finanzierung des Umbaus verlangt der Naturland Präsident nicht nur den Handel, sondern auch die landwirtschaftlichen Betriebe von unnötiger Bürokratie zu verschonen. „Entscheidend wird sein, dass das Geld wirklich in den Ställen ankommt, in die Bäuerinnen und Bauern in mehr Tierwohl investieren“, betont Heigl.

BÖLW: Machen und nicht nur Wagen

Nach Einschätzung des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) wagt die Ampel mit 30 % Bio bis 2030 mehr Fortschritt. „Aus wagen muss jetzt machen werden,“ erwartet Tina Andres, BÖLW-Vorstandsvorsitzende.

Dazu muss die künftige Regierung nach Auffassung von Peter Röhrig, geschäftsführender BÖLW-Vorstand, jetzt auch mindestens 30 % Umbaupower überall dort investieren, wo es nötig ist: 30 %bei Investitionen in den Umbau von Höfen und Unternehmen, 30 % Bio in der Gemeinschaftsverpflegung, 30 % bei Forschung und Ausbildung, 30 % der Personalkapazität in den relevanten Ministerien und Behörden.

Für Kai Niebert, Präsident des Umweltdachverbands Deutscher Naturschutzring (DNR), sind der Umbau der Nutztierhaltung, die Reduzierung des „Pestizideinsatzes“, der Ausbau des Ökolandbaus sowie die ambitionierte Umsetzung der EU-Agrarpolitik in Deutschland wichtige Signale für eine längst überfällige Transformation. Nun gelte es, die gesetzten Überschriften mit konkreten Maßnahmen und Instrumenten zu unterfüttern.

Tierrschützer auf Wolke 7

Der Deutsche Tierschutzbund kann sein Glück kaum fassen. Die Tierschützer fühlen sich auf Wolke 7. „Der Koalitionsvertrag zeigt die Bereitschaft, unsere Forderungen umzusetzen und dem Tierschutz einen politischen Stellenwert einzuräumen, den die Vorgängerregierung konsequent verweigert hat“, heißt es in einem Statement.

Neue politische Wege im Tierschutz will der Verband „gern vertrauensvoll, aber konstruktiv-kritisch begleiten und unterstützen“. Aus Sicht des Verbandes müssen die gesteckten Ziele in den kommenden vier Jahren zügig angegangen werden. Der Schutz der Tiere müsse politisch klar über die Nutzung der Tiere gestellt werden, auch in der Landwirtschaft.

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