Bildung für Kinder

Alltagskompetenz in der Schule

Schule
Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Mittwoch, 15.01.2020 - 14:37

Das bayerische Kabinett hat diese Woche die Einführung einer Projektwoche „Alltagskompetenz und Lebensökonomie“ beschlossen. Damit sind die Landfrauen sehr zufrieden – doch es bleiben Verbesserungsmöglichkeiten.

Über sieben Jahre hat es gedauert, am Montag haben die Landfrauen im Bayerischen Bauernverband ihr Ziel endlich erreicht: „Alltagskompetenz und Lebensökonomie“ werden stärker im Unterricht an bayerischen Schulen verankert. An diesem Tag hat das Kabinett nämlich beschlossen, das Konzept „Schule fürs Leben“ ab dem Schuljahr 2020/2021 in den Lehrplänen umzusetzen. Zwar nicht in Form eines eigenen Schulfaches, wie ursprünglich gefordert, aber immerhin in jeweils einer eigenen verpflichtenden Projektwoche an den Grund- bzw. weiterführenden Schulen.
Erfreut über den Beschluss zeigte sich auch Kultusminister Michael Piazolo (FW). Bei einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei erklärte er, dass die Umsetzung in Form einer Projektwoche mehr Stunden bedeute als manches Schulfach. Der Unterricht werde hier nämlich nicht block- sondern tageweise erfolgen.

Landfrauen unterstützen das Projekt

Nach Ansicht der Landfrauen im Bayerischen Bauernverband  gewinnen mit dem Konzept ´Schule fürs Leben´ vor allem die Schülerinnen und Schüler. Sie lernen zukünftig noch mehr für ihren Alltag“, sagt Landesbäuerin Anneliese Göller.

„Junge Menschen wollen wissen, wofür sie bestimmte Inhalte lernen, was diese ihnen bringen. Themen, die einen Bezug zum eigenen Leben haben und durch Profis in ihrem Fach praxisnah vermittelt werden, geben Inhalten eine andere Bedeutung“, ist sich die Landesbäuerin sicher.

Was genau soll passieren?

Durch Einbeziehung externer Experten und von Besuchen außerhalb der Schulen setzt man laut Piazolo auf modernste pädagogische Modelle und signalisiert außerdem, dass akademische und berufliche Bildung gleichwertig seien. Am Ende würden die Schülerinnern und Schüler sogar ein eigenes Zertifikat erhalten, das sie bei Bewerbungen nutzen könnten.
Konkret würden bei den Projektwochen die Handlungsfelder Ernährung, Gesundheit, selbstbestimmtes Verbraucherverhalten, Umweltverhalten und Haushaltsführung abgedeckt.

Die Schulen könnten die Inhalte hier eigenverantwortlich umsetzen, würden aber Unterstützung durch Projektvorschläge und Modulskizzen erhalten. Die Lehrerinnen und Lehrer würden ein entsprechendes Fortbildungsprogramm erhalten. Außerdem könnten sie etablierte Programme wie „Erlebnis Bauernhof“, „Landfrauen machen Schule“, „Wissen wie‘s wächst und schmeckt“, „Partnerschule Verbraucherbildung“ und „Umweltschule in Europa“ nutzen. Die Inhalte aus den einzelnen Fachlehrplänen im LehrplanPLUS würden zu einem eigenen Lehrplan für Alltagskompetenz und Lebensökonomie zusammengeführt. Das gesamte Projekt werde zudem evaluiert und bei Bedarf auch ausgebaut.

Wofür reicht das Geld?

Offen bleibt zunächst, ob die verfügbaren Mittel ausreichen. Piazolo sagte, dass im aktuellen Nachtragshaushalt 1,8 Mio. € eingestellt seien. Bei einer aktuellen Stunde im Landtagsplenum Mitte Dezember hatte Matthias Fischbach (FDP) kritisiert, dass die vorgesehenen Gelder nicht ausreichten – es würden nämlich nur rund 400 € pro Schule zur Verfügung stehen. Doch Piazolo betonte auf der Pressekonferenz, dass diese Gelder nur der Anfang seien. Für den nächsten Doppelhaushalt gebe es bereits eine entsprechende Verpflichtungsermächtigung. Auch würden wohl nicht alle Schulen in Bayern bereits im ersten Jahr die Projektwoche umsetzen.

Kritisch gegenüber der Kabinetts­entscheidung zeigte sich auch Simone Strohmayr, bildungspolitische Sprecherin der Landtags-SPD. Eine Projektwoche reiche nicht für die Vermittlung von Inhalten zu Alltagskunde und Lebensökonomie aus. Stattdessen müssten sie dauerhaft und fächerübergreifend behandelt werden, etwa in dem die Schüler unter Aufsicht einer Hauswirtschaftskraft in die Zubereitung des Mittagessens eingebunden würden.
Die Landfrauen im Bayerischen Bauernverband gehen davon aus, dass für rund 5000 Grundschulklassen sowie 5000 Klassen an weiterführenden Schulen jeweils rund 1000 € für die Durchführung der Projektwoche benötigt würden.

Landesbäuerin Anneliese Göller sieht in dem neuen Konzept dennoch einen „wichtigen Meilenstein, mit dem wir Erfahrungen sammeln können“. Sie betont, dass das Projekt ausbaufähig sei und dass eine Aufstockung auf den Umfang eines Schulfachs von 35 Stunden in jedem Schuljahr möglich sei.