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Klimaschutz+++aktualisiert+++

Aktionsprogramm Klimaschutz: Das plant Umweltministerin Lemke

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 05.09.2022 - 10:00

Bauernverband kritisiert Waldstilllegung und Moorvernässung. Umweltverbände wollen Direktzahlungen umwidmen. Lemke startet Beteiligungsverfahren.

Lemke-Steffi

Wie zu erwarten, sind die Meinungen zum Entwurf des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) von Bundesumweltministerin Steffi Lemke zwischen Bauern- und Umweltverbänden gespalten. Ziel von Lemkes Programm ist es, Ökosysteme zu stärken, wiederherzustellen und zu bewahren, damit sie gleichzeitig Klimaschützer und Lebensraum für Pflanzen und Tiere bleiben.

„Ich möchte die Natur stark machen, damit sie uns gegen die Klimakrise hilft“, begründet sie das Aktionsprogramm, das sie Ende August vorstellte.

Beteiligungsverfahren gestartet

Ab heute (5.9.) hat Lemke das Online-Beteiligungsverfahren gestartet. Bis zum 28. Oktober können alle Interessierten ihre Anregungen einbringen. Für den Beteiligungsprozess steht eine Online-Dialog-Plattform des Bundesumweltministeriums zur Verfügung.

Die Umweltministerin erhofft sich von Verwaltungen, Verbänden und interessierten Bürgerinnen und Bürger Ideen und Vorschläge, für die Umsetzung des Aktionsprogramms. Die im Beteiligungsverfahren eingehenden Hinweise werden ausgewertet und der Entwurf des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz auf dieser Basis weiterentwickelt.

Jährlich sollen 10.000 ha erstaufgeforstet werden

Bis 2026 stellt die Bundesregierung hierfür vier Milliarden Euro für den Natürlichen Klimaschutz bereit. Kernpunkte sind Wälder stillzulegen sowie bis 2030 jährlich 10 000 ha Erstaufforstungen durchzuführen und mehr klimafitte Wälder zu schaffen.

Gleichzeitig sollen Moore wiedervernässt werden, und die landwirtschaftliche Nutzung darauf zu verdrängen. Alternative Bewirtschaftungsformen wie Paludikulturen will der Bund künftig stärker unterstützen. Ebenso sollen Flussauen wiederhergestellt werden. Mit einem neuen Programm „KlimaWildnis“ will die grüne Umweltministerin sollen auch kleinere Flächen im Wald, in Mooren und Auen aus der Produktion nehmen. Insgesamt umfasst das Programm 64 Maßnahmen.

Laut Bundesumweltministerium setzten entwässerte Moorböden setzten im Jahr 2020 circa 53 Mio. t Kohlendioxidäquivalente frei, was einem Anteil von 7,5 % aller Treibhausgasemissionen in Deutschland ausmacht.

Hemmerling: Land aktiv nutzen statt stilllegen

Nach Ansicht von Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes gelingt natürlicher Klimaschutz nur mit einer nachhaltigen Nutzung von Feld und Wald. „Wir brauchen mehr Photosynthese auf den Flächen, um zusätzlich Kohlenstoff binden zu können. Mehr Stilllegungen in der Land- und Forstwirtschaft sind also kontraproduktiv,“ warnt Hemmerling. Aus seiner Sicht lassen die Anforderungen bei der Kohlenstoffbindung sowie bei der Versorgung mit Nahrungs- und Futtermitteln, nachwachsenden Rohstoffen und erneuerbaren Energien einen solchen Ansatz nicht zu. Der Bauernverband fordert Biodiversitätsziele in eine aktive Landnutzung zu integrieren. Dies sei auch notwendig, weil die Rechte der privaten Grundeigentümer zu respektieren sind.

Mehr finanzielle Anreize nötig

Die Familienbetriebe Land und Forst erwarte von Lemke deutlich stärkere finanzielle Anreize, um das Potenzial von Acker und Wäldern zu heben, gleichzeitig für Nahrungsmittel, Rohstoffe und Klimaschutz zu sorgen. Für Max v. Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst, sind ökologische Maßnahmen sind dann am wirkungsvollsten, wenn die Flächeneigentümer und -bewirtschafter sie aus eigenem Antrieb umsetzen und sie sich auch ökonomisch rechnen. „Das Aktionsprogramm muss sich in diese Richtung weiterentwickeln,“ so der Vorsitzende.

Kein Freibrief für Lemke

Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), kündigt an, das Aktionsprogramm kritisch zu begleiten und beim Umsetzen aktiv zu unterstützen. Zwar setze das Umweltministerium „endlich“ das Wiederherstellen von bedrohten Lebensräumen in Gang, ab die Natur allein könne es nicht richten. „Ein Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz ist kein Freibrief. Es entbindet nicht von der notwendigen Aufgabe, für weniger Treibhausgase im Verkehr, in der Industrie oder der Gebäudewirtschaft zu sorgen“, so der BUND-Vorsitzende.

WWF will Agrargelder umwidmen

Dem WWF Deutschland bereitet der kurze Finanzierungszeitraum von drei Jahren Sorge. Für den Klimaschutz notwendige Flächen müssten aber dauerhaft gesichert werden. Die Umweltorganisation will dabei stärker Agrargelder aus der Gemeinsamen europäischen Agrarpolitik (GAP) und der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) umwidmen. So sollten Direktzahlungen und Agrarumweltprogramme stärker auf den natürlichen Klimaschutz angepasst werden.