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Landespolitik

Aiwanger will Bauern nicht „in der Tinte sitzen lassen“

Alexandra Königer
Alexandra Königer
am Donnerstag, 31.10.2019 - 08:37

Der Chef der Freien Wähler griff auf der Landesversammlung die schlechte Stimmung auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben auf.

Freie Wähler

Veitshöchheim - Handeln statt reden – für FW-Chef Hubert Aiwanger trifft dieses Motto vorwiegend auf die Freien Wähler zu – im Gegensatz zu anderen Parteien. In der Praxis wollte er das bei der FW-Landesversammlung in Veitshöchheim so untermauern: Für jeden Besucher gab es einen von 350 Vogelnistkästen. „Das ist praktizierter Naturschutz, so ist für den Artenschutz mehr passiert, als wenn sich Klimademonstranten auf die Straße setzen und Autos blockieren“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident. Zwar gebe es „Zukunftssorgen, die wir auch teilen, aber wir suchen Auswege und wollen dabei Arbeitsplätze nicht gefährden“.

Wir gehen nicht in den Keller, um zu sterben

„Zukunftspessimismus rüberzubringen“, will er dabei vermeiden. „Wir schauen positiv nach vorne und gehen nicht in den Keller runter, um zu sterben.“ Zwar seien Themen wie Klima-, Natur- und Tierschutz den FW nicht egal, in vielen Fällen gebe es Korrekturbedarf, aber die Antwort darauf dürfe nicht sein, Angst zu machen.

Beispiel Nationalpark: Flächen unter Schutz zu stellen, sei eine „Schnapsidee von Grünen und anderen Parteien“. Der beste Schutz sei stattdessen, die Wälder zu bewirtschaften und zu nutzen. Auch die schlechte Stimmung auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben griff der FW-Chef auf: „Wir stellen uns schützend vor die bäuerliche Landwirtschaft. Wir können eine ganze Berufssparte nicht einfach in der Tinte sitzen lassen.“ Als positives Beispiel nannte er den Stopp der Biotopkartierung durch seinen Parteikollegen, Umweltminister Thorsten Glauber.

Beim Thema Alltagskompetenz im Schulunterricht, einer langjährigen Forderung der Landfrauen, griff Aiwanger den Koalitionspartner CSU scharf an: „Andere haben immer während der Wahlen Unterschriften gesammelt und nach den Wahlen wieder entsorgt. Jetzt können sie nicht anders, weil wir dabei sind.“ Geplant sei, die „Alltagstauglichkeit unserer Jugend voranzubringen“, dazu gebe es konkrete Modelle, „die jetzt umgesetzt werden“. Kultusminister Michael Piazolo (FW) erklärte auf Nachfrage: Künftig sollen sich Schüler praxisnäher mit Themenfeldern wie Ernährung, Gesundheitsvorsorge und Verbraucherverhalten auseinandersetzen. „Unsere Überlegungen gehen in die Richtung, entsprechende Projekttage einzuführen und gegebenenfalls auch Zertifikate auszustellen“, erklärte Piazolo. Gespräche zu den Details würden noch laufen.