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Erneuerbare Energie

Agri-PV: Hier muss Habeck noch nachbessern

Habeck-Robert
Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 14.10.2022 - 11:04

Bauernverband und Wissenschaftler fordern eine Technologieprämie und Lockerungen im Baurecht.

Agri-PV-Obstbau

Das Potenzial der Technologie ist groß: Würden die in Deutschland bis 2030 geplanten Freiflächenanlagen von 80.000 Hektar zur Hälfte als hoch aufgeständerte Agri-PV errichtet, könnten damit im Durchschnitt circa 30 Terawattstunden Strom jährlich erzeugt werden.

„Agri-PV kann zukünftig sicherlich ein wichtiger Baustein für die Energiewende werden. Viele Landwirtinnen und Landwirte sehen in Agri-PV eine gute Möglichkeit, erneuerbare Energien mit Landwirtschaft zu vereinen“, sagt Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands (DBV).

Die Politik müsse aber Rahmenbedingungen schaffen, die auch kleinere Agri-PV-Anlagen wirtschaftlich attraktiv machen und den Landwirtschaftsbetrieben ermöglichen, sie selbst zu betreiben.

Technologieprämie nötig

Der DBV, das Fraunhofer ISE und die Hochschule Kehl empfehlen daher in einem gemeinsamen Positionspapier, dass auch hoch aufgeständerte Agri-PV-Anlagen, die nach dem EEG nicht ausschreibungspflichtig sind, die Technologieprämie von 1,2 Cent/kWh erhalten können.

Von der Ausschreibungspflicht befreit sind derzeit grundsätzlich Anlagen mit weniger als 1 Megawatt (MW) Nennleistung, im Falle von Bürgerenergiegesellschaften liegt die Grenze sogar bei 6 Megawatt Nennleistung.Für diese kleinen Anlagen gibt es somit keinen Zuschlag. 1 MW entspricht bei Agri-PV etwa 0,7 ha im Obstanbau.

Insbesondere kleine Anlagen ermöglichen, dass Landwirtschaftsbetriebe selbst Eigentümer und Betreiber der Anlagen sein können. Die notwendigen Investitionen können von ihnen leichter gestemmt werden, heißt es im Positionspapier.

Kleinere Anlagen sollten privilegiert sein

Ein weiteres Hindernis für das Ausschöpfen des vollen Potenzials von Agri-PV stellt die unklare Rechtslage bei Genehmigungsverfahren dar.

Da Agri-PV-Anlagen im Außenraum gebaut werden, ist in aller Regel die Aufstellung eines Bebauungsplans durch die örtliche Kommune notwendig. Oft muss hierfür zunächst der Flächennutzungsplan geändert werden.

"Diese Verfahren nehmen enorm viel Zeit in Anspruch und verzögen damit den Markthochlauf der Agri-PV“, sagt Prof. Dr. Michael Frey, Professor für Rechts- und Kommunalwissenschaften an der Hochschule Kehl. Er bedauert, dass der Gesetzgeber im Baugesetzbuch bisher kein Vorrang für Agri-PV verankert hat, wie beim EEG 2022.

Um den Ausbau von Erneuerbaren Energien voranzubringen, empfehlen der DBV, das Fraunhofer ISE und die Hochschule Kehl, kleinere Anlagen, die in einem räumlich-funktionalen Zusammenhang zum landwirtschaftlichen Betrieb stehen oder der gartenbaulichen Erzeugung dienen, zu privilegieren.

Diese Art von Anlagen ist für eine Vielzahl von landwirtschaftlichen Betrieben attraktiv, um den schnellen Einstieg in Agri-PV zu realisieren.

Eigene Ausschreibungen für Agri-PV wären besser

Für große hoch aufgeständerte Agri-PV-Anlagen besteht in EEG-Regelausschreibungen des zukünftig zusätzlich ein Anspruch auf eine Prämie von 1,2 Cent pro Kilowattstunde, um die Mehrkosten für die aufwändigere Unterkonstruktion zu berücksichtigen.

„Wir begrüßen eine spezielle Förderung hoch aufgeständerter Anlagen, weil diese besondere Synergien versprechen, wie Schutz vor Hagel, Starkregen oder auch zu viel Sonne“, sagt Dr. Harry Wirth vom Fraunhofer ISE.

Zweifel bestehen jedoch an der Effizienz und Zielgenauigkeit einer fixen Prämie. Die aktuell stark schwankenden Stahlpreise machen es laut Fraunhofer ISE praktisch unmöglich, die Mehrkosten für die Unterkonstruktion hoch aufgeständerter Anlagen exakt vorherzusagen. Grobe Abschätzungen deuten aber auf Kostensteigerungen 40 bis 50 % Mehrkosten gegenüber klassischen Freiflächenanlagen hin.

Laut Wirth wären deshalb eigene Zuschlagsvolumina für hoch aufgeständerte Agri-PV geeigneter als eine fixe Prämie in EEG-Ausschreibungen. Dadurch könne eine Überförderung vermieden und ein nennenswerter Ausbau hoch aufgeständerter Agri-PV-Anlagen sichergestellt werden.

Anspruch auf 85% der Direktzahlungen

In der im Januar 2023 in Kraft tretenden Novelle des im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat der Bund bereits wichtige Rahmenbedingungen für den zukünftigen Markthochlauf der Agri-Photovoltaik auf den Weg gebracht. So ist es zukünftig möglich, in EEG-Regelausschreibungen eine Einspeisevergütung für Strom aus PV-Anlagen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen zu erhalten. Gleichzeitig soll bezüglich der EU-Direktzahlungen ab 2023 ein gesetzlicher Anspruch auf 85 Prozent der flächenbezogenen Zahlungen bestehen.

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