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EU-Agrarreform

Agrarreform: Naturland fordert radikalen Kurswechsel

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 10.03.2022 - 15:34

Präsident Hubert Heigl verlangt, nur für Ökobauern Auflagen wie Stilllegungspflicht für Direktzahlungen auszusetzen.

Hackstriegel_Getreide_Ökolandbau

Naturland fordert einen radikalen Kurswechsel bei der Reform der europäischen Agrarförderung (GAP). „Die GAP-Reform muss zumindest in Teilen auf Eis gelegt werden, sonst rücken sämtliche Ausbauziele für den Öko-Landbau in weite Ferne“, forderte Naturland Präsident Hubert Heigl auf der digitalen Landesmitgliederversammlung des Öko-Verbands in Bayern.

Statt eine ohnehin verfehlte Reform unter diesen Umständen durchzuziehen, als sei nichts geschehen, brauche es zumindest in Teilen einen radikalen Kurswechsel. „Die sogenannte Konditionalität muss für Bio-Betriebe ausgesetzt werden. Stattdessen muss wieder das bewährte Prinzip ‚Green by definition‘ gelten, das Bio-Betriebe von solchen zusätzlichen Anforderungen ausnimmt“, verlangte der Naturland-Präsident. Das würde für Bio-Betriebe tatsächliche Verbesserungen bringen, ohne zusätzliche Kosten zu verursachen.

So müssten Biobauern beispielsweise keine 4 % ihrer Flächen brachliegen lassen (GLÖZ 8). Auch vorgesehene Fruchtfolgeauflagen (GLÖZ 7) oder 3m-Mindestabstand zu Gewässern (GLÖZ 4) würden dann nicht für die Betriebe greifen.

Die Umweltziele, die mit der Konditionalität (GLÖZ-Standards) verfolgt werden, sind laut Naturland beim Öko-Landbau aber bereits in die grundsätzlich umweltschonendere Wirtschaftsweise integriert. „Umweltschutz findet beim Öko-Landbau auf der gesamten Fläche statt, nicht nur auf einzelnen Randstreifen“, sagte Heigl.

Heigl: Green Deal-Ziele beibehalten

Hubert Heigl-LVOE Bayern

Heigl wandte sich zugleich gegen Forderungen aus Teilen der Politik und der konventionellen Landwirtschaft, vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine nun den Green Deal der EU-Kommission auszusetzen. „Wir dürfen nicht eine Krise gegen die andere ausspielen. Die Klimakrise und der Verlust der Artenvielfalt gehen unvermindert weiter und bedrohen unser aller Lebensgrundlagen. Deshalb können wir unsere Ernährungssouveränität nur sichern, wenn wir die Landwirtschaft umbauen“, betonte der Naturland Präsident.

Dennoch könne man nun nicht einfach zur agrarpolitischen Tagesordnung übergehen. „Die völlig verkorkste GAP-Reform, für die noch die alte Bundesregierung die Verantwortung trägt, bringt auch so schon wenig für die Umwelt und stattdessen massive Nachteile ausgerechnet für die Bio-Betriebe. Diese Situation wird nun zusätzlich verschärft durch die massiven Verwerfungen auf den Agrarmärkten, die wir derzeit erleben. Die Folge wird sein, dass sehr viel weniger Betriebe auf Bio umstellen“, warnte Heigl.

Komplett neu ab 2027

Das teilweise Aussetzen der GAP-Reform kann aus Sicht des Naturland Präsidenten allerdings nur eine Übergangslösung sein. Parallel müsse mit Hochdruck an einer grundlegenden Reform der europäischen Agrarförderung für die Zeit ab 2027 gearbeitet werden.

Heigl plädiert für ein einfaches Stufen-Modell treten, das alle Betriebe abhängig von ihrer Umweltleistungen einordnet – mit Bio als höchster Stufe und Leitbild einer umwelt- und klimagerechten Landwirtschaft.

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