Agrarpolitik

Agrarhandel warnt künftige Regierung vor Nahrungsmittelengpässen

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 05.11.2021 - 17:59

Die hohen Energie- und Düngerpreise gefährden Ertragssicherheit und verteuern Lebensmittel. Davor warnt die deutsche Agrarwirtschaft. Sie erwartet Gegenmaßnahmen der künftigen Regierung.

Olaf Scholz

Eine Verbändegemeinschaft der Agrarwirtschaft warnt die künftige Regierung davor, dass der dramatische Anstieg der Energie- und Düngerpreise zwangsläufig zu höheren Lebensmittelpreisen führen werde, falls die künftigen Koalitionäre nicht die richtigen Weichen stellen. Der Bundesverband Agrarhandel e. V. und der Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse e. V. haben sich daher gemeinsam mit acht weiteren Verbänden der Agrarwirtschaft an die Verhandler der Ampel-Koalition gewandt. Die Verbände forderten die Politiker auf, in den laufenden Koalitionsverhandlungen der Bezahlbarkeit von Energieversorgung eine hohe Priorität einzuräumen.

Die Produktion von Düngemitteln beispielsweise sei sehr energieintensiv, so das Bündnis. Die gestiegenen Energiepreise wirken sich auf die gesamte Lebensmittel-Wertschöpfungskette aus. Die Folgen auf die Verbraucherpreise werden durch die exorbitant gestiegenen Düngemittelpreise noch verstärkt, heißt es in dem Schreiben. Einige Industrieunternehmen haben bereits angekündigt, die Düngemittelproduktion zu drosseln, da diese aktuell wirtschaftlich nicht mehr möglich ist. Können die Kulturpflanzen aufgrund ungenügender Verfügbarkeit nicht im notwendigen Maß mit Nährstoffen versorgt werden, drohen laut der deutsche Agrarwirtschaft Ernteeinbußen.

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Gefahr der Abwanderung

Die Verbände wiesen darauf hin, dass die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Agrarwirtschaft auch durch einige nationale und europäische Gesetzgebungsverfahren in der Energiepolitik gefährdet wird. So fehlen beispielsweise in der BEHG-Carbon-Leakage-Verordnung zahlreiche Branchen in der Liste der begünstigten Sektoren. Aus Sicht der Verbände muss diese Liste grundlegend überprüft und erweitert werden. 

Im Bereich der Agrar- und Ernährungswirtschaft bestehe die Gefahr der Abwanderung ins Ausland, gerade von Bio-Betrieben, die ohnehin über weitere Strecken handeln, so die Verbändegemeinschaft. Auch bei der Änderung der Leitlinien für staatliche Beihilfen für Klima, Umweltschutz und Energie sollen die beihilfeberechtigten Branchen und die Beihilfehöhen massiv reduziert werden. Viele Unternehmen, die damit aus der besonderen Ausgleichsregelung des EEG fallen, würden damit im internationalen Wettbewerb schlechter gestellt.

Darüber hinaus sieht die Neufassung der EU-Energiebesteuerungsrichtlinie eine höhere Mindestbesteuerung für fossile Brennstoffe vor. Dadurch ist laut den Agrarhandelsverbänden mit weiter steigenden Kosten zu rechnen, vor allem, weil Gas noch geraume Zeit als Brückentechnologie unverzichtbar bleiben werde.

Die Unternehmen der Agrarbranche erwarten von der künftigen Regierung, dass sie daher betriebswirtschaftlich sinnvolle Spielräume und Planungssicherheit schafft. Nur so sei es möglich, die Produktion qualitativ hochwertiger Lebensmittel in Deutschland auch in Zukunft sicherzustellen.

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