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Lebensmittelhandel

Agrardialog will nicht bei Zentralstelle unterschlüpfen

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 07.10.2021 - 15:21

Das Verbändebündnis Agrardialog bedauert den Ausstieg des Handels aus den Gesprächen, will aber nicht Mitglied bei der Zentralen Koordinationsstelle werden.

Bauerndemonstration-Aldi-Zentrallager

Nach Informationen des Wochenblatts will das Verbändebündnis Agrardialog nicht unter das Dach der Zentralen Koordinationsstelle Handel und Landwirtschaft (ZKHL). Das machten Vertreter des Bündnisses gegenüber dem Wochenblatt deutlich. Offenbar hat ein Ende September stattgefundenes Informationsgespräch mit der ZKHL die Vertreter des Agrardialogs nicht überzeugt.

LsV-Deutschland Sprecher Anthony Robert-Lee fürchtet wie BDM-Vorsitzender Stefan Mann, dass innerhalb der ZKHL keine Diskussion auf Augenhöhe mehr möglich seien. Das ließe die vorgesehene Struktur nicht zu. Zudem bemängeln die beiden, dass die ZKHL erste Ergebnisse der Handelsgespräche erst in zwei Jahren in Aussicht stelle. „Diese Zeit haben wir Bauern nicht mehr“, so Robert-Lee. „Jeden Tag sterben 7 Betriebe.“

Aufgekommen ist die Diskussion um die Integration, weil der bisherige Verhandlungspartner Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) in die ZKHL eingetreten ist, um die Gespräche mit der Landwirtschaft zu bündeln. Der Handelsverband regte an, den Agrardialog dort zu integrieren, was auch die ZKHL, bei der auch Deutscher Bauern- und Raiffeisenverband, Gründungsmitglieder sind, anstrebt.

Guhl: In ZKHL sitzen Ausbeuter und Monopolisten unter sich

Die Interessenorganisation Freie Bauern bezeichnen den Rückzug des Lebensmitteleinzelhandels aus dem Agrardialog als „feige Flucht vor der Verantwortung“ bezeichnet. „Nach acht Monaten konstruktiver Zusammenarbeit und Ergebnissen, die die Stellung der heimischen Landwirtschaft in der Wertschöpfungskette deutlich verbessert hätten, scheuen die Konzerne die praktische Umsetzung der Vorschläge“, bedauert Peter Guhl, Freie Bauern. Er hat in der Arbeitsgruppe Milch am Agrardialog mitgewirkt.

Indem die großen Handelsketten die Weiterführung dieser Arbeit jetzt in die Hände des mit der Ernährungsindustrie eng verflochtenen Bauernverbandes legen, sei die Hoffnung auf eine angemessene Bezahlung landwirtschaftlicher Produkte zur Illusion geworden, kritisiert der 56jährige Milchviehhalter. „In der neuen Koordinationszentrale Handel und Landwirtschaft sitzen die Ausbeuter und Monopolisten unter sich,“ kritisiert Guhl.

Suche nach neuem Gesprächsformat

Der BDM-Vorsitzende Mann und auch ein Sprecher des Handelsverbands bestätigen aber, dass im Oktober noch weitere Gesprächstermine anvisiert seien. „Ziel sei, ein neues Gesprächsformat zu finden, an denen alle auf Augenhöhe sich beteiligen können“, so Mann.

Sollte dies nicht gelingen, denken Vertreter des Agrardialogs auch daran, andere Gesprächspartien aus der Politik und Verbraucherschutzverbände an den Tisch holen zu wollen. Ob erneute Bauerndemonstrationen vor den Zentrallägern drohten, ließen sie jedoch offen.

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