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Ackerbaustrategie: Opposition zerpflückt Klöckners Papier

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 26.08.2021 - 09:00

Über Witz, konzeptionsarmes Stückwerk bis Pflaster statt Hilfe, reicht die Kritik. Strategie sieht 12 Maßnahmen vor. Zustimmung aus CDU-Kreisen.

Aussaat-Gerste-Mulchsaat

An der Ackerbaustrategie 2035, die Bundesagrarministerin Julia Klöckner heute (25.8.) vorstellte, lässt die Opposition kein gutes Haar.

„Klöckners Strategie, um mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft zur erreichen, ist ein Witz“, meint Friedrich Ostendorff, Agrarsprecher der Grünen im Bundestag. Nach endlosen Ankündigungen komme ihre Ackerbaustrategie nun völlig substanzlos daher. „Es ist eine Ideensammlung ohne Verbindlichkeit und ohne schnell wirksame Maßnahmen, kritisiert der Grüne.

Für die Grüne bedeutet laut Ostendorff Klimaschutz auch Ernährungssicherheit. Gesunde Böden mit mehr Humus stehen bei den Grünen ganz oben in der Agenda. „Bäuerinnen und Bauern sollten sich aktiv am Klimaschutz beteiligen können. Wer beispielsweise Moore wiedervernässt und Grünland erhält, sollte mehr Agrarfördergelder erhalten."

    Für Tackmann konzeptionsarmes Papier

    Zu einem ähnlichen Schluss wie Grünen kommt Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke. Sie sieht in Klöckners Papier „ein konzeptionsarmes Stückwerk aus einzelnen Maßnahmen ohne verbindliche Zielvorgaben, ohne Zeit- und Fahrplan zur Implementierung“.

    Dass diese Ackerbaustrategie letztendlich im Alleingang des Landwirtschaftsministeriums ohne Einigung mit anderen Ministerien veröffentlicht wurde, zeigt laut Tackmann die fehlende Ernsthaftigkeit dieses Vorhabens, das doch eigentlich hohe Priorität verdient hätte. Schließlich gehöre Ackerbau zu den wesentlichen Grundlagen des Ernährungssystems und müsse endlich als zentrale strategische Zukunftsfrage ernst genommen werden. Sie wirft Klöckner vor, mit dem Papier nur“ ihre politische Bilanz am Ende einer Legislatur scheinverschönern“ zu wollen.

      Unterstützung von CDU-Fraktion

      Stegemann Albert-CDU-CSU-Bundestagsfraktion

      Anders als die Opposition wertet Albert Stegemann, Agrarsprecher der Union im Bundestag. Seiner Meinung nach müssen Landwirte umfassende Möglichkeiten erhalten, um ihre Ernten vor dem Hintergrund des Klimawandels weiter absichern zu können. Dazu gehöre neben passgenauen, bezahlbaren Versicherungslösungen auch der Einsatz von neuen Züchtungstechniken.

      "Denn damit können wir Pflanzen anbauen, die dem Klimastress trotzen und unsere Ernährung nachhaltig sichern können. Hier brauchen wir keine ideologischen Diskussionen, sondern sachbezogene und wissenschaftsbasierende Lösungen,“ fordert Stegemann.

      BUND sieht nur Pflaster statt Hilfe

      Enttäuscht über das Papier ist auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Klöckner biete damit nur "Pflaster statt Hilfe" an, so die Kritik. Die Ministerin habe zwar auf die Folgen der Klimakrise reagiert und eine angepasste Ackerbaustrategie vorgelegt.

      „Doch die Änderungen greifen angesichts der dramatischen Lage viel zu kurz“, so BUND-Vorsitzender Olaf Bandt. Er vermisst nicht nur die fehlende Ressortabstimmung, sondern auch konkrete Aussagen zur Umsetzung und Finanzierung. Er sieht die in der Strategie genannten neuen Gentechnikverfahren als eine industriefreundliche Scheinlösung, deren Wirkung nicht belegt ist.

        Produktivität sichern und Böden schonen als Ziele

        Ziel der Ackerbaustrategie ist es laut Bundesagrarministerium (BMEL), die Produktivität in der Landwirtschaft weiter zu sichern und gleichzeitig den Boden und damit das Klima zu schonen. Hierzu hat das BMEL gemeinsam mit der Wissenschaft zwölf Handlungsfelder identifiziert. Für jedes Handlungsfeld sind Maßnahmen zur Umsetzung beschrieben, die gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten diskutiert wurden – 1.000 Praktiker hatten sich eingebracht. Insgesamt sind es über 60 Einzelmaßnahmen, mit denen Ernte- und Einkommenssicherung zusammengebracht wird mit Ressourcen- und Klimaschutz.

        Die Strategie will das BMEL im fünfjährigen Turnus bewertent und bei Bedarf anpassen.

        Die zwölf Handlungsfelder:

        1. Stärkung des Bodenschutzes und der Bodenfruchtbarkeit, etwa indem der Aufbau von Humus gefördert wird.
        2. Die Kulturpflanzenvielfalt wird erhöht, indem Fruchtfolgen erweitert werden: Nicht nur Weizen, Mais und Gerste, sondern auch Dinkel, Hafer, Soja, Erbsen oder Bohnen.
        3. Die Düngeeffizienz wird erhöht, indem Landwirte noch bedarfsgerechter und passgenauer düngen.
        4. Mehr integrierter Pflanzenschutz, etwa durch spezielle Fruchtfolgen.
        5. Stärkung der Züchtung von klimaangepassten und widerstandsfähigen Pflanzen.
        6. Vorantreiben der Digitalisierung in der Landwirtschaft.
        7. Die Biodiversität wird gestärkt, etwa durch breitere Fruchtfolgen, mehr Bäume, Hecken oder Blühstreifen auf den Feldern.
        8. Entwicklung klimaangepasster Anbaukonzepte und
        9. Ausbau des Klimaschutzes. Die Anpassung an den Klimawandel geschieht unter anderem durch eine entsprechende Arten- und Sortenwahl und veränderte Anbausysteme. Auch die Optimierung der Bodenbearbeitung gehört dazu, etwa durch die ganzjährige Bedeckung des Bodens durch Pflanzen oder Mulch.
        10. Stärkung der Bildung und Beratung.
        11. Mehr Wertschätzung für Landwirtinnen und Landwirte.
        12. Politische und finanzielle Begleitung der Ackerbaustrategie.
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