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Ackerbau: Wettlauf der Strategien

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Simon Michel-Berger Portrait 2019
Simon Michel-Berger
am Donnerstag, 19.12.2019 - 15:28

Kurz bevor das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) seine vielfach angekündigte Ackerbaustrategie vorstellt, kommt ihm das Bundesumweltministerium (BMU) mit einem eigenen Papier zuvor.

Berlin  - Seit Monaten arbeitet man im BMEL an einer Ackerbaustrategie. Schon im Berliner Koalitionsvertrag wird darauf Bezug genommen. Verschiedene Entwürfe liegen dem Wochenblatt seit September des Jahres vor. Und jetzt das: Genau eine Woche vor der offiziellen Vorstellung des Papiers am 19. Dezember kam das BMU dem BMEL zuvor und stellt ein eigenes Eckpunktepapier für eine Ackerbaustrategie vor – erarbeitet unter anderem von Umweltbundesamt, Bundesamt für Naturschutz sowie dem Deutschen Verband für Landschaftspflege.

Darin kritisieren die Autoren einen „Ackerbau nach Rezept“, etwa nach festem Spritz- und Düngeplan, der weder Standorte noch Pflanzenentwicklung oder Schädlingsauftreten angemessen berücksichtige. Landwirte müssten mehr in Bodenfruchtbarkeit investieren und auf vielfältigere Fruchtfolgen setzen. Die ansonsten entstehenden negativen Folgen für die Umwelt führten die Landwirte in eine Akzeptanzkrise. Um das gesellschaftliche Vertrauen wiederzugewinnen brauche es eine Neuausrichtung auf einen „nachhaltigen Ackerbau“.

Gefordert sei jedoch nicht nur die Landwirtschaft. Verbraucher sollten mehr für nachhaltige Lebensmittel bezahlen, der Handel entsprechende Produkte gezielt vermarkten und Schulen und Medien dahingehend informieren. Die Politik müsse geeignete Rahmenbedingungen schaffen und etwa die Agrarförderung an ökologische Kriterien binden. Nationales Förderrecht solle die Ausweitung des Ökolandbaus stärker unterstützen. Um die Transparenz zu steigern, brauche es ein verpflichtendes staatliches Nachhaltigkeitslabel. Schließlich müsse durch Ordnungsrecht sichergestellt werden, dass landwirtschaftliche Umweltkosten nicht wie bisher von der betrieblichen auf die gesellschaftliche Ebene verlagert werden könnten.