EU-Agrarpolitik

Abgeordnete für EU-weites Verbot von Kastenstand und Käfigen

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 15.04.2021 - 14:16

1,4 Mio. Unterschriften gegen Kastenstände und Käfige überzeugen offenbar viele EU-Parlamentarier zuzustimmen.

Schweine

Im Europaparlament findet eine der erfolgreichsten europäischen Bürgerinitiativen (EBI) „End the Cage Age“ mit 1,4 Mio. Unterschriften eine positive Resonanz. Alleine knapp 475.000 Deutsche beteiligten sich, während in Österreich 20.000 unterzeichneten. Daneben fand die Petition in den Niederlanden, Italien, Frankreich und Spanien viele Unterstützer.

Die Initiative haben unter anderem der EU-Agrar- und Petitionsausschuss behandelt. EBI fordert ein Ende der Käfighaltung für Legehennen, Kaninchen, Junghennen, Masthähnchen, Legetiere, Wachteln, Enten und Gänse. Ebenso sollen Abferkelbuchten für Sauen verboten werden. Und so weit noch nicht geschehen, die Kastenhaltung von Sauen und Einzelboxen für Kälber. Derzeit werden rund 180 Mio. Legehennen, 10 Mio. Sauen und 12 Mio. Kälber werden in der EU in Käfigen gehalten, erläuterte die Bürgerinitiative. Sie verlangt auch ein Importverbot von Käfigeiern aus Drittländern.

EU-Verbraucherkommissarin Stella Kyriakides schließt sich den Forderungen der Bürgerinitiative an. "Wir werden handeln", sicherte die Kommissarin während der Anhörung zu. Sie kündigte für 2023 einen Vorschlag für die Überarbeitung der bestehenden EU-Tierschutzrichtlinie 98/95/EG an. Ein Auslaufen der Käfighaltung stünde bei der Verbesserung des Tierschutzes oben auf der Prioritätenliste der EU-Kommission, erklärte Kyriakides.

Importverbot für Käfigeier nöitg

Allerdings warnen die EU-Parlamentarier davor, dass ein fehlender Außenschutz ein Käfigverbot in der EU unterlaufen könne. Wenn die Lebensmittelindustrie weiterhin auf Flüssigeier aus Brasilien zurückgreife, mache ein Käfigverbot in der EU keinen Sinn, erklärte die deutsche Abgeordnete Ulrike Müller von den Liberalen.

Nach Einschätzung der Bürgerinitiative sind nach den WTO-Regeln Importverbote aus ethischen Gründen möglich. Die EU-Kommission sagte zu, auch sie werde sich darum kümmern, damit ein fehlender Außenschutz Tierschutzmaßnahmen in der EU nicht unterlaufe.

Der deutsche EU-Abgeordnete Martin Häusling (Grüne) sieht im verheerenden Stallbrand kürzlich in einer industriellen Schweinezuchtanlage in Mecklenburg-Vorpommern, bei dem zehntausende Schweine qualvoll verbrannt sind, dass es auch bei anderen Nutztieren massive Defizite in der Haltungsform gebe.

Auch Mastbullen müssen seiner Meinung nach beispielsweise mit nicht einmal 3 m² Platz auskommen. Für Puten und Kaninchen gibt es auf europäischer Ebene dagegen noch nicht einmal eine Haltungsverordnung.

Er hält den Umbau der Tierhaltung in Europa „mehr als überfällig“. Dabei müssen Landwirte aber gezielt unterstützt werden und angehobenen Standards auch gleichermaßen von Importen eingefordert werden.

 

Österreich: ÖVP und Grüne im Gleichklang

Bernhuber-Schmiedtbauer

Die beiden Europaabgeordneten des österreichischen Bauernbunds, Simone Schmiedtbauer und Alexander Bernhuber fordern, was in Österreich selbstverständlich sei, müsse auch europaweit gängige Praxis werden: Schluss mit der Käfighaltung bei Geflügel und Vorrang für das Tierwohl.  

Für Schmiedtbauer fehlt jedoch der nächste logische Schritt: eine strikte, transparente Herkunfts- und Haltungskennzeichnung von Eiern in verarbeiteten Produkten und ein Käfigeier-Importstopp von außerhalb der EU. Bernhuber sieht Österreich als Vorzeigeland wenn es um das Wohl der Tiere geht. „Mit dem Pakt für mehr Tierwohl schaffen wir noch bessere Bedingungen für Tierschutz. Darauf kann die Europäische Union aufbauen", sagt Alexander Bernhuber, Jungbauer und Mitglied im Petitionsausschuss.

Sarah Wiener, EU-Abgeordnete der Grünen, sieht im Verbot der Käfig- und Kastenstandshaltung, die Chance einen „viel zu hohen Antibiotika-Einsatz“ zu verringern. Laut der „Vom Hof auf den Tisch“-Strategie der EU-Kommission soll er bis 2030 um die Hälfte sinken. „Mehr Platz, mehr Auslauf und die Deckung sozialer Bedürfnisse bedeuten mehr Gesundheit, weniger Stress und mehr Lebensqualität für die Tiere und letztlich auch für uns,“ ist Wiener überzeugt. Ihr Parteikollege Thomas Waitz unterstützt ein Verbot der Käfighaltung in der EU bis 2027, „damit die österreichische Landwirtschaft mit ihren hohen Tierschutzstandards eine Chance auf einen fairen europäischen Wettbewerb hat.“