Verschwendung

500 000 Tonnen Lebensmittelabfälle

BLW-Redaktion
am Donnerstag, 04.03.2021 - 10:41

Thünen-Institut hat erstmals die Lebensmittelabfälle für den gesamten deutschen Lebensmitteleinzelhandel ermittelt.

Brot Müll

Im Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland werden jährlich rund 500 000 t Lebensmittel als Abfall aussortiert. Das haben Wissenschaftler des Thünen-Instituts zusammen mit 13 Handelsunternahmen ermittelt.

Einbezogen wurden dafür nicht nur Daten aus dem organisierten Einzelhandel, also Supermärkte, Discounter und Verbrauchermärkte, sondern auch andere Einzelhändler wie Drogeriemärkte, Bäckereien, Fleischereien, Onlinehandel, Wochenmärkte oder Tankstellen.

In Supermärkten, Discountern und Verbrauchermärkten fallen 290 000 t an, bei den anderen Einzelhändlern kommen noch einmal 210 000 Tonnen hinzu.

Die Berechnungen, die im Rahmen des Projekts „Dialogforum Groß- und Einzelhandel zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung“ durchgeführt wurden, basieren auf freiwillig bereitgestellten Daten zu Umsatzverlusten aus dem Jahr 2019.

„Wir konnten mit Buchführungsergebnissen großer Unternehmen verschiedener Betriebstypen und mit Umsatzzahlen des gesamten Sektors arbeiten“, sagt Projektleiter Dr. Thomas Schmidt vom Braunschweiger Thünen-Institut für Marktanalyse. „Daher ist die Hochrechnung der Verluste an Lebensmitteln im deutschen Lebensmitteleinzelhandel von sehr hoher Datenqualität.“

Höchste Verluste bei Brot- und Backwaren

Auch wenn die Zahl von 500 000 t sehr hoch erscheint, entfällt auf den Einzelhandel nur ein Anteil von ca. 4 % am gesamten Aufkommen von Lebensmittelabfällen.

Mit Abstand am meisten Abfälle entstehen in den Privathaushalten (52 % nach Berechnungen der Baseline 2015).

Aufgrund von noch einzelnen Datenlücken kann derzeit nur abgeschätzt werden, wie viel von den Abfällen tatsächlich auf den Müll wandert und wie viel gespendet wird (z.B. an Tafeln) oder in andere Verwertungsschienen kommt (z.B. Verarbeitung zu Tierfutter). Expertenschätzungen gehen davon aus, dass rund 30 % der Verluste gespendet werden.

Die Umsatzverluste im Einzelhandel sind bei Brot- und Backwaren mit ca. 6 % am höchsten, gefolgt von der Kategorie Obst und Gemüse mit ca. 4,3 %. Diese beiden Produktkategorien enthalten vor allem schnell verderbliche Produkte. Bei Tiefkühlkost, Getränken und Trockensortimenten sind die Umsatzverluste mit 0,3 % viel geringer, da diese Produkte in der Regel länger lagerfähig sind.

Die Ergebnisse für das Jahr 2019 liegen nun als Thünen Working Paper vor.

Mit Material von Pressemitteilung aus dem Thünen-Institut