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Welternährung

285 Millionen Menschen weltweit hungern

Hunger
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Donnerstag, 27.01.2022 - 08:57

Die Zahl der Menschen, die akut von Hunger betroffen sind, ist in den letzten zwei Jahren massiv gestiegen.

Der Direktor des UN-Welternährungsprogramms (World Food Programme - WFP), David Beasley, hat am Mittwoch im Bundestag vor einer Hungersnot in mehreren Ländern gewarnt.

Die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen hätten die Hungersituation drastisch verschärft. Die Zahl der Menschen, die akut von Hunger betroffen seien, sei in den letzten zwei Jahren massiv gestiegen. Hätten vor Ausbruch der Pandemie weltweit noch 135 Millionen Menschen Hunger gelitten, seien es nun 285 Millionen Menschen, berichtete Beasly. 45 Millionen davon litten sogar unter extremen Hunger. In 43 Staaten der Erde, darunter Afghanistan, Äthiopien, Jemen und Staaten in der Sahelzone wie Niger und Burkina Faso, drohten Hungersnöte und damit auch eine neue Massenmigration, warnte Beasly.

Corona, Kriege und Klimawandel als Ursachen

Grund für die gegenwärtige Situation seien aber nicht allein das Corona-Virus und die ökonomischen Folgen der Pandemie wie etwa zusammengebrochene Lieferketten, so der WFP-Direktor, sondern auch die weltweit zunehmenden Konflikte, Krisen und Klimakatastrophen. Doch die Pandemie habe die Vereinten Nationen ohne Frage bei der Erreichung der Entwicklungshilfe-Ziele zurückgeworfen und Erfolge im Kampf gegen den Hunger zunichte gemacht.

Es sei aber dennoch möglich, die Regionen zu stabilisieren, wenn genügend Finanzmittel zur Verfügung stünden, erklärte Beasly. Aktuell fehlten dem WFP aber bis zu sechs Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 5,3 Milliarden Euro, um Nothilfe zu leisten. Beasley verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass Deutschland als nach den USA zweitgrößter Geber des WFP, weitere Unterstützung leiste. In der Vergangenheit habe sich Deutschland als verlässlicher Partner erwiesen und zuletzt seine Zahlungen an das Welternährungsprogramm deutlich erhöht.

Programme zur Ernte- und Landverbesserung nötig

Um den Hunger zu überwinden und größere Migrationsbewegungen zu verhindern, brauche es insbesondere Hilfe bei der Anpassung an Klimaveränderungen. Dazu sei aber ein anderer Ansatz gefragt, so Beasly. Humanitäre Hilfe und Entwicklungsprojekte wie bisher getrennt zu betrachten, sei nicht mehr zielführend. Partner wie Deutschland und die USA hätten verstanden, dass es einer effektiveren, strategisch angelegten Hilfe bedürfe, sagte der WFP-Direktor.

Mit ihrer Unterstützung habe das WFP so etwa begonnen, Ernteprogramme und Programme zur Landverbesserung zu entwickeln. Diese zeigten messbaren Erfolg: In der Sahel-Region etwa hätten durch Landverbesserungsmaßnahmen und Schulspeisungen Migrationsbewegungen abgenommen.