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Wolfsmonitoring

20 Prozent mehr Wolfsrudel

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 02.12.2021 - 15:57

Aktuelle Statistik zeigt deutlichen einen Zuwachs des Wolfsbestands in Deutschland, auch für Bayern.

Wolfsrudel

Der Wolfsbestand und die Probleme mit den Beutetieren nehmen in Deutschland weiter zu. Im Monitoringjahr 2020/2021 gab es 157 Wolfsrudel, 27 Wolfspaare und 19 sesshafte Einzelwölfe in Deutschland. Danach soll die Zahl der erwachsenen Wölfe zwischen 403 und 429 Tieren liegen. In Bayern wurden 4 Rudel, ein Paar und 3 Einzeltiere registriert. Das ist in Bayern ein Rudel und 1 Territorium mehr als vor einem Jahr. Erst vor eine Woche fand eine emotionale Debatte zum Wolf im Bayerischen Landtag statt.

Damit hat die Zahl der Rudel um fast 20 % gegenüber dem vergangenen Monitoringjahr 2019/2020 zugelegt. Damals wurden offiziell 131 Rudel, 45 Paare und neun Einzelwölfe nachgewiesen. Nach Angaben des Bund Naturschutzes Bayern (BN) beträgt das durchschnittliche jährliches Wachstum der Wolfspopulation 27,5 % in den vergangenen zehn Jahren. 2010/2011 gab es in Deutschland nur 7 Rudel, 7 Paare und 6 Einzeltiere.

„Die amtlich geprüften Daten aus den Ländern zur Anzahl der Territorien und zu den Vorkommen zeigen: der Wolfsbestand in Deutschland nimmt zu“, stellt BfN-Präsidentin Sabine Riewenherm fest.

Die amtlichen bestätigten deutschen Wolfszahlen haben das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) jetzt in Abstimmung mit den Ländern veröffentlicht.

Jeder 30. Wolf lebt in Bayern

In Bayern gab es im Monitoringjahr 2020/21 13 territoriale Wölfe in acht Territorien. Außerdem einige wenige umherziehende Wölfe, die laut BN aber schwer zu erfassen sind. Im vergangenen Monitoringjahr waren es 11 territoriale Wölfe, vor fünf Jahren vier.

Damit lebt jeder dreißigste deutsche Wolf in Bayern: Wolfsrudel und –paare gibt es im Norden und Osten Bayerns: Zwei Rudel (also erwachsene Wölfe mit Welpen) im Bayerischen Wald und je eines im Veldensteiner und Mantelner Forst sowie ein Wolfspaar auf den Truppenübungsplatz (TÜP) Grafenwöhr. Einzelne territoriale Wölfe gibt es darüber hinaus im Altmühltal, auf dem TÜP Hohenfels und im Oberallgäu. Letzterer ist der einzige territoriale Wolf in Südbayern.

In 2021 wurden bisher soweit bekannt 36 Tiere bei fünf Ereignissen gerissen, darunter Schafe und vor allem Muffel-, Dam- und Rotwild.

Martin Geilhufe, BN-Landesbeauftragter hält die Rufe aus Teilen der Staatsregierung angesichts der noch wenigen Wölfe in Bayern fehl am Platz. Er verweist auf die Notwendigkeit des Herdenschutzes. Mit Forderungen zu Alibi-Aktivitäten wie Bejagung und Bestandsregulierungen punkten nach Geilhufes Ansicht manche Politiker vielleicht bei den Tierhaltern. Sie erweckten so aber die falsche Hoffnung, mit einer Bejagung lasse sich die Gefahr für die Weidetiere durch den Wolf managen. „Diese Politiker sind somit mitverantwortlich für das böse Erwachen, das den Weidetierhaltern droht, wenn diese deswegen auf Herdenschutzmaßnahmen verzichten“, warnt Geilhufe. Vor kurzem hatte sich Leopold Herz (Freie Wähler) für den Abschuss ausgesprochen.

Vor allem der Nordosten Deutschlands betroffen

Das bundesweite Wolfsvorkommen konzentriert sich wie in den Vorjahren auf das Gebiet von Sachsen in nordwestlicher Richtung über Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen. Weitere Wolfsterritorien wurden in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen nachgewiesen. Die meisten Wolfsrudel leben im Wolfsjahr 2020/2021 in Brandenburg (49), gefolgt von Niedersachsen (35) und Sachsen (29).

Die Anzahl aufgefundener toter Wölfe (Totfunde) lag bei 138 Tieren, davon sind 107 durch Verkehrsunfälle gestorben. Bei 13 Wölfen war die Todesursache natürlichen Ursprungs, neun Wölfe wurden illegal getötet, bei fünf Wölfen war die Todesursache nicht zu ermitteln und vier Wölfe wurden aufgrund von Managementmaßnahmen im Monitoringjahr 2020/2021 entnommen.

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