Barrieren

Die Menschen in Kontakt bringen

Gespräch
Thumbnail
Sepp Kellerer
am Donnerstag, 26.09.2019 - 11:53

Wo die Menschen miteinander ins Gespräch kommen, schwindet die Anonymität.

Thumbnail

Die Verbraucher, die Gesellschaft, die Medien – alles eine undefinierte wenig greifbare Masse, zu der die Landwirtschaft keinen Zugang bekommt. Und mit ziemlicher Sicherheit geht es den Verbrauchern, der Gesellschaft, den Medien mit der Landwirtschaft genauso.

Eigentlich ist die Lösung ja ganz einfach. Wir brauchen uns nur vor Augen zu führen, dass hinter all diesen eher technokratischen Begriffen Menschen stehen, und Menschen sind greifbar. Überall dort, wo es gelingt, die Anonymität zu überwinden, wo die Menschen miteinander in Kontakt kommen – besser gesagt ins Gespräch kommen – werden Gräben zugeschüttet, wird Verständnis füreinander aufgebaut.

Was also soll das „eigentlich“ am Beginn des letzten Absatzes? Nun ja, die Zahl der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft und der Fischerei nimmt weiter ab. Im zweiten Vierteljahr 2019 waren es noch 1,4 Prozent der Bevölkerung in Deutschland.

Das Gespräch suchen mit den übrigen Menschen wäre somit für die Bäuerinnen und die Bauern ein Full-time-job. Ich möchte jetzt aber nicht schwärzer malen, als es unbedingt notwendig ist. Es ist schon bewundernswert, was die Bäuerinnen und Bauern mit Tagen des offenen Hofes, einem Bauernherbst, einem Milchweg oder einem Kartoffelfest alles auf die Beine stellen. Ich bin mir sicher, dass diese Aktivitäten, die Bauernmärkte und die Hofläden Wirkung zeigen bei den Menschen, die auf dem Land leben.

Schwieriger wird es in der Stadt, wo die Distanz noch größer ist. Auch dort ist die Landwirtschaft – nein, sind die Bäuerinnen und Bauern – präsent, etwa mit den Bauernmarktmeilen in Nürnberg und dieses Wochenende in München, oder mit dem Zentrallandwirtschaftsfest im September nächstes Jahr.

Ein wichtiger Ansatzpunkt für ein Gespräch, für den Kontakt sind da die regionalen Produkte direkt vom Hof, wo doch die Städter üblicherweise nur den Supermarkt kennen. Vielleicht ergeben sich gerade daraus neue Chancen.

Die Menschen bestellen generell immer mehr Waren übers Internet und auch der Onlinehandel mit Lebensmitteln wächst, im ersten Vierteljahr 2019 um 11,2 Prozent. Auf diesem Weg kommt man heraus aus der Anonymität des Supermarktes, die Lebensmittel kriegen ein Gesicht. Aber auch wer sich mit solchen Gedanken trägt, muss genau kalkulieren und die Risiken abwägen.