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Wirtschaftlichkeit

Zuckerrübenanbauer machen sich Sorgen um Zukunft

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Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Freitag, 19.06.2020 - 14:11

Die Zahl der Betriebe, die Zuckerrüben anbauen, ist im vergangenen Jahrzehnt um über 20 Prozent geschrumpft und belief sich zuletzt auf gut 25 000.

Frankfurt a. M. - Extrem niedrige Zuckerpreise bei steigenden Kosten und Wettbewerbsverzerrungen auf dem EU- und Weltmarkt zu Lasten der deutschen Zuckerwirtschaft machen den Anbau von Zuckerrüben hierzulande für immer weniger Landwirte attraktiv.

Der Industrieverband Agrar e. V., weist noch auf eine weiteres Problem hin:Durch die absehbar immer schlechtere Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln zur Kontrolle von Schädlingen, Pilzen und Unkräutern trüben sich die Perspektiven für den heimischen Zuckerrübenanbau weiter ein.

Die Zahl der Wirkstoffe entscheidet

Eine Projektgruppe des IVA hatte dazu Datensätze aus der Zulassungsliste des für Pflanzenschutzmittel zuständigen Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ausgewertet und ermittelt, wie viele unterschiedliche Pflanzenschutz-Wirkstoffe und Wirkmechanismen im Rübenanbau verfügbar sind und künftig zur Verfügung stehen werden. Für ein wirksames Resistenzmanagement gilt als unverzichtbar, dass mindestens drei verschiedene Mechanismen zur Verfügung stehen, damit die Landwirte die Produkte variieren können.

Doch diese Mindestanforderung wird im Zuckerrübenanbau in vielen Bereichen kaum noch zu erfüllen sein. Bei den Spritzanwendungen mit Insektiziden sind künftig zwar noch fünf Wirkstoffe verfügbar, von denen aber vier denselben Wirkmechanismus haben; zur insektiziden Saatgutbehandlung ist nur noch ein Wirkstoff genehmigt.

Fungizide und Herbizide

Bei den Fungiziden zur Spritzanwendung stehen sechs Wirkstoffe und drei Mechanismen zur Verfügung, darunter zwei biologische Mittel mit geringerer Wirksamkeit; nur bei der fungiziden Saatgutbehandlung ist das Minimum von drei Mechanismen noch gegeben. Den zunehmende Wirkstoffverlust betrachtet der Industrieverband auch deshalb als problematisch, weil die reale Gefahr einer Resistenzbildung gegenüber den verbleibenden Wirkstoffen besteht.

Etwas besser sieht es auf den ersten Blick bei den Herbiziden aus: Insgesamt stehen zur Unkrautkontrolle in der Zuckerrübe noch 16 Wirkstoffe mit sieben verschiedenen Wirkmechanismen zur Verfügung. Das klingt zunächst nach einer komfortablen Wirkstoffpalette, allerdings fallen gerade in diesem Jahr wieder zwei Wirkstoffe weg, die eine wichtige Rolle in der Herbizid-Strategie vieler Anbauer spielten.