Wettbewerb

Zuckermarkt - bittersüßer Beigeschmack

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Wolfgang Piller
Wolfgang Piller
am Freitag, 18.10.2019 - 09:12

Die Reformen, denen sich die Zuckerbranche in den letzten Jahren unterwerfen musste, könnten als Lehrbeispiel in die Geschichte eingehen.

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Leider nicht als positives, sondern als eines zur Abschreckung. Als eines, wie man eine gesunde Branche todsicher in den Abgrund stürzt. Das verkürzte Motto dafür lautet: Wir lassen den Markt mit seinen Kräften wirken – aber nicht für alle gleich!

Der zentrale Punkt ist natürlich das Ende der Marktordnung vor zwei Jahren, wogegen sich die Branche nicht wehren konnte. Ein geregelter, manche sagten ein abgeschotteter Markt, passte einfach nicht mehr in unser Wirtschaftssystem, ein freier schon.

Die Idee dahinter ist: Der freie Markt sorgt dafür, dass Europas Zucker dort erzeugt wird, wo dies kostengünstig und wettbewerbskräftig passieren kann. Wo nicht, wird die Zuckererzeugung eingestellt werden. Das Problem: Der freie Markt kann nur wirken, wenn seine Regeln für alle gleich sind. Und das sind sie nicht, weder in Europa, schon gleich nicht in der Welt.

Denn die EU ist und bleibt ein Verbund der Nationalstaaten und auch die EU-Politiker müssen sich den Wählern zu Hause stellen. Also fördern einige Staaten nach wie vor ihre Rübenbauern und ihre Zuckerfabriken „on Top“, auch und vor allem weil diese eben am Markt nicht bestehen könnten. Das aber erschwert all den anderen das Leben, die ohne Förderung zurecht kommen müssen.

Dass dazu die deutschen Bauern zählen, versteht sich irgendwie von selbst. Die sind auch im Anbau benachteiligt, ein Beispiel: Das Verbot der winzigen Mengen an Neonics in den Beizen führt hierzulande zu einem ungeheuren Aufwand in der Insektenabwehr, den sich die Rübenbauern in Nachbarländern immer noch sparen können. Bleibt eines: Mindestens einen Teil der Misere der Rübenbranche hat die Politik verursacht und sich dann schnell vom Acker gemacht. Sie sollte nun umso schneller genau dorthin wieder zurückkehren und ihre Arbeit erledigen.