Interessensausgleich

Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft geht an den Start

Berlin
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 08.09.2021 - 15:48

Handel, Landwirtschaft und Verarbeitung haben eine gemeinsame Plattform gegründet. Sie soll einen gerechteren Interessensausgleich zwischen den Marktbeteiligten ermöglichen.

Ziel der Koordinationsstelle ist, eine bessere Zusammenarbeit innerhalb der Lebensmittelkette. Der Gründung der „Zentralen Koordination Handel-Landwirtschaft“ (ZKHL) vorausgegangen waren Bauernproteste im vergangenen Winter, die zu einer gemeinsamen Erklärung der Marktbeteiligten vom 1. März 2021 führten. In ihr wurde der Grundstein für die heute in Berlin aus der Taufe gehobenen Institution gelegt.

Neben den drei Initiatoren, dem Deutschen Bauernverband, dem Deutschen Raiffeisenverband und dem Handelsverband Deutschland, zählen fünf weitere Verbände und Organisationen zu den Gründungsmitgliedern: Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels, die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse, die Handelsvereinigung für Marktwirtschaft, der Verein information.medien.agrar und das Wirtschaftswissenschaftliche Institut der Agrarwirtschaft.

Dialogplattform für konfliktträchtige Themen

„Die ZKHL ist offen für die Mitgliedschaft weiterer Organisationen aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft“, erklärt Dr. Hermann-Josef Nienhoff, Geschäftsführer der Koordinationszentrale und langjähriger QS-Geschäftsführer. Die ZKHL versteht sich laut Nienhoff als Forum für diejenigen, die eine wirksame Verbesserung in der Zusammenarbeit der Lebensmittelkette anstreben. Gemeinsam erzielte Effizienzgewinne und höhere Wertschöpfung sollen allen Marktbeteiligten zugutekommen.

Für die Landwirtschaft soll die Zentrale einen entscheidenden Beitrag zur Zukunftssicherung leisten. Die Integration des Agrardialogs ist vorgesehen. Für die ZKHL stehen die Bereiche im Vordergrund, die Landwirte, Verarbeiter und Lebensmittelhandel gemeinsam verantworten und auf die sie Einfluss nehmen können. Die Koordinationszentrale, die ihre Aktivitäten über einen Vorstand, einen Steuerungskreis und die Mitgliederversammlung organisiert, hat sich vier Ziele gesetzt:

  1. Die Installation einer Dialogplattform für konfliktträchtige Themen.
  2. Die Festlegung von Handlungsoptionen bei der Standardsetzung in der Lebensmittelkette.
  3. Die Erarbeitung eines Lebensmittelkodex für die Zusammenarbeit in der Kette.
  4. Die Schaffung einer neutralen Schlichtungsstelle.

Bessere Verständigung in der Lebensmittelkette

„In der aktuellen Situation ist eine Verbesserung der Verständigung in der Lebensmittelkette auf wirtschaftlicher Ebene alternativlos“, betont Nienhoff. „Alle Gründungsmitglieder sind sich bewusst, dass wir keine schnellen Lösungen erwarten dürfen. Wir sind aber sicher, dass die ZKHL eine echte Chance für alle ist."

Die ZKHL, ihre Gremien und Mitglieder bekennen sich zu den Grundregeln marktwirtschaftlichen Handelns und des Wettbewerbsrechts. Die erarbeiteten Lösungen sollen für alle Beteiligten wirtschaftlich vertretbar sein und die gesellschaftlichen Anforderungen berücksichtigen.