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Ernährungssicherung

Welternährung: Die Lage spitzt sich dramatisch zu

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 02.06.2022 - 12:37

Zahl der Hungernden steigt zügig an. Die Ukraine wird als Agrarexporteur ab Sommer ausfallen. Die wichtigsten Fakten auf einen Blick.

Ukraine-Flagge-Getreide

Der Krieg in der Ukraine führt nicht nur dort zu unsäglichem Leid, sondern verstärkt weltweit die Hungerkrise. Die Schätzungen sind aber sehr unterschiedlich. Das räumt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Union ein.

Nach ersten Prognosen der FAO könnten die Folgen des Krieges kurzfristig zu einem zusätzlichen Anstieg der unterernährten Menschen um 8 bis 13 Millionen Menschen führen. Je nach Dauer und Intensität des Konflikts kann diese Zahl mittelfristig aber auch deutlich höher ausfallen.

Die FAO hat bereits in ihrem Welternährungsbericht für 2020 die Zahl der Hungernden Menschen auf 720 bis 811 Millionen geschätzt. Dies ist bereits ein massiver Anstieg seit 2019, als die Organisation noch von rund 690 Millionen ausging. Den Anstieg sieht der Bund vor allem bedingt durch die COVID-19 Pandemie.

 

Nach Schätzungen des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) könnte die Krise zu einem Anstieg der akut Hungernden um bis zu 47 Millionen Menschen führen. Dabei wären die Regionen Asien/Pazifik und Afrika in etwa gleich betroffen, allerdings bei einer prekäreren Ausgangslage in Afrika. Eine Hungersnot in Ostafrika, der Sahelzone und dem Nahen Osten kann nach Einschätzung der Regierung im Sommer drohen, wenn Ernten vor Ort und in der Ukraine ausfallen, weil nicht ausgesät wurde oder der Dünger knapp ist.

Gleichzeitig reichen die Lagerkapazitäten importierender Länder etwas bis Sommer. Hinzu kommen Ernteeinbußen durch anhaltende Dürren. Dies bedrohe auch die politische Stabilität, heißt es in der Antwort an die Union.

Neben der kurzfristigen Krisenreaktion bleibt aus Sicht der Ampelregierung damit der Umbau der Agrar- und Ernährungssysteme hin zu mehr Nachhaltigkeit und Resilienz wichtig. Bisher scheinen in den Entwicklungs- und Schwellenländern noch keine gravierenden Versorgungsengpässe bei Weizen, Mais und Sonnenblumenöl zu bestehen.

Ukraine fällt als Agrarexporteur wohl aus

Der Ausfall der Ukraine als Agrarexporteur gelte „als wahrscheinlich“, zudem könnte auch die fehlende Verfügbarkeit von Lebensmitteln und Düngemitteln aus anderen Regionen der Welt global zu Hungersnöten und Destabilisierung von Ländern führen, vermutet die Bundesregierung. Sie verweist darauf, dass die Ukraine als einer der führenden Exporteure von Getreide und Ölsaaten gelte.

Hier die wichtigsten Fakten auf einem Blick.

Erzeugung in der Ukraine /Fünfjahresmittel).

  • 71,6 Mio. t Getreide, davon 33,6 Mio. t Mais, 28 Mio. t Weizen und 8,7 Mio. t Gerste,
  • 22,4 Mio. t Ölsaaten, davon 15,3 Mio. t Sonnenblumensaat, 4 Mio. t Soja und 2,9 Mio. t Raps.

Anteil der Exporte

  • 35 % Exporte der wichtigsten Agrarwaren nach Nord-Afrika und in den Mittleren Osten,
  • 30 bis 35 Prozent nach Süd- und Südostasien und
  • ca. 35 bis 40 Prozent nach Europa.

(Quelle: Ukrainische Angaben)

Wer waren die wichtigsten Handelspartner?

Bei Getreide (Fünfjahresmittel):

  • 22 % EU,
  • 14 % China
  • 12% Ägypten
  • 6% Indonesien
  • 5% Türkei
  • jeweils 3% Iran, Tunesien, Marokko, Libyen, Israel und Saudi-Arabien.

Bei Ölsaaten und Eiweißpflanzen (Fünfjahresmittel):

  • 62% EU,
  • 9% Türkei,
  • 8% Vereinigtes Königreich,
  •  7% Belarus,
  • 5% Pakistan.

Wie hoch fällt der Anteil Deutschlands an den Gesamtausfuhren der Ukraine aus?

  • 25 % Ölsaaten und Eiweißpflanzen,
  • 6 %  Getreide.

(jeweils Fünfjahresmittel)

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