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Versorgungsbilanz

Welt erntet 2022/23 weniger Getreide und die Lager schmelzen

Weizen
aiz
am Montag, 24.10.2022 - 13:43

Der internationale Getreiderat geht trotz einer guten Ernte von einem Lagerabbau aus. Die EU hat wenig Weizen und Mais.

Der internationale Getreiderat IGC in London beließ in seinem Monatsreport GMR zu den weltweiten Getreidebilanzen am Donnerstag die gesamte Getreideernte der Welt 2022/23 unverändert zum Vormonat bei 2,256 Mrd. t.

Das ist um 1,5% weniger als im Jahr zuvor, aber immer noch die zweitgrößte Ernte der Geschichte. Der Großteil des Produktionsrückgangs entfällt auf eine um 4,2% kleinere Maiserzeugung - vor allem in der Ukraine, der EU und den USA.

Steigende Maiseinfuhren der EU

Die EU muss ihr extrem knappes Maisangebot zum einen in der Verfütterung teilweise durch den Ersatz mit dem in der Union ebenfalls knappen Weizen kompensieren und zum anderen ihre Maiseinfuhren vom Weltmarkt stark hinauffahren. Allerdings kann ihr Hauptlieferant, die Ukraine, kriegsbedingt aus der Ernte 2022 zwischen einem Viertel und einem Drittel weniger Mais exportieren als aus der vorjährigen.

Die weltweite Weizenproduktion steigt entgegen dem Rückgang beim Mais im Jahresabstand um 1,3%, auch die von Gerste und Hafer legt zu. Ungewöhnliche Einbrüche des Getreideverbrauchs für Tierfütterung um 2,3% und industrielle Verwertung um 0,5% führen zu einem Rückgang des gesamten Getreideverbrauchs der Welt gegenüber 2021/22 um 1,0%. Da wegen des Bestandsabbaus auch im Vorjahr das Getreideangebot auf der Welt mit minus 1,3% oder um 37 Mio. t stärker abfällt als der Verbrauch um 22 Mio. t, schrumpfen 2022/23 die globalen Getreidereserven neuerlich - das sechste Jahr in Folge - um 2,5% auf gut ein Viertel des Jahresbedarfs.

Bei Exporteuren und in der EU enge Weizenreserven

In der unveränderten Schätzung des IGC für die Gesamt-Getreideproduktion wird eine Reduktion der Maismenge zum Vormonat von höheren Erwartungen in die Gerstenerzeugung ausgeglichen. Die Weizenprognose bleibt bei Produktion mit 792 Mio. t und Endlagern von 286 Mio. t gegenüber September unverändert. Zum Vorbericht um 1 Mio. t reduzierte Überlager aus dem Vorjahr gleichen sich mit 1 Mio. t geringerer Verbrauchsschätzung für das laufende Wirtschaftsjahr aus.

Die Weizenreserven der Welt wachsen im Jahresvergleich um 8 Mio. t auf nunmehr gut 36% des Bedarfs. Fast die Hälfte davon hortet allerdings fernab des Marktgeschehens China, während nur ein knappes Viertel der Weizenreserven bei der für die Weltversorgung wichtigen Gruppe der Exporteure (Argentinien, Australien, EU, Kanada, Kasachstan, Russland, Ukraine und USA) und gar nur 4% davon in der EU liegen.
 
Die Union wird demnach 2022 mit 133,3 Mio. t um 5 Mio. t weniger Weizen geerntet haben als 2021. Sie muss aber gleichzeitig mit 4,1 Mio. t mehr Weizenexport (36,6 Mio. t) auf den eng versorgten Weltmarkt zur Sicherung der Welternährung einspringen und 1,6 Mio. t mehr Weizen als im Vorjahr für die Eigenversorgung aufbringen, um vor allem für die Verfütterung den Einbruch ihrer Maisernte um fast ein Viertel ein Stück weit zu kompensieren. Die Weizenreserven der Union gehen im Jahresverlauf um 30% auf 11,7 Mio. t zurück - sie reichen damit für knapp 11% des jährlichen Eigenverbrauchs und gar nur für 8%, rechnet man den Export zum Eigenbedarf dazu.

EU muss 26% ihres Maisverbrauchs importieren

Die EU ist Nettoimporteur von Mais, 2022/23 wird sie 20,5 Mio. t - 26% ihres Verbrauchs und um 3,8 Mio. t mehr als in der Vorsaison - vom Weltmarkt einführen müssen. Wichtiger Maislieferant der Union war bisher die Ukraine. Deren Maisernte bricht aber 2022 kriegsbedingt ebenfalls stark - von 42,1 Mio. t um 29% auf 29,9 Mio. t - ein, womit auch ihr Exportpotenzial nahezu ebenso stark auf 17,0 Mio. t schrumpft.

IGC-Preisindex: Mais legt vor allem wegen Behinderung von US-Exporten zu

Weniger mit der Knappheit in der EU und den Ausfällen in der Ukraine zusammenhängend als mit Behinderungen auf der wichtigen Wasserstraße des Mississippi für die Maisexporte aus den USA, stieg der Preisindex des Rates für Mais im abgelaufenen Monat um 3,9% (+16,3% zum Vorjahr).

Die Weizenpreise hielten sich mit einem leichten Minus von 0,5% (+6,3% zum Vorjahr) seit September im Großen und Ganzen stabil, wobei Preisverlusten in der EU und in den USA Gewinne am Schwarzem Meer und bei den Exporteuren der Südhalbkugel gegenüberstanden. Sojabohnen verloren ebenso leicht um 0,9% (+14,3% zum Vorjahr), woraus sich ein IGC erhobener um 0,1% im Monatsabstand schwächerer Gesamtindex von Getreide- und Ölsaatenpreisen (GOI) ergibt. Im Jahresabstand steht aber eine Steigerung der Getreide- und Ölsaatenpreise von 10,5% zu Buche.

Positive Sojabohnen-Versorgungsbilanz - Produktion und Lager steigen

Eine positive Bilanz mit einem Bestandsaufbau um 17% weist der IGC für die Welt bei Sojabohnen aus. Die Produktion kann sich demnach 2022/23 von ihrem Einbruch im Vorjahr um knapp 9% erholen. Der Verbrauch legt um fast 4% zu, bleibt aber um 8 Mio. t unter der Erzeugung von 386 Mio. t.
 
Die Londoner Experten schätzen die globale Sojaernte nunmehr 1 Mio. t kleiner als vor Monatsfrist, das Angebot aber wegen nach oben revidierten Anfangsbeständen um 1 Mio. t größer, sodass auch die Endlagerprognose um 1 Mio. t steigt. Die Ernteprognose sinkt für die USA und fällt für Brasilien höher aus. Der Sojaweltmarkt ist davon geprägt, dass einer Gruppe importabhängiger Regionen, wie China, Südostasien oder die EU, die 166,5 Mio. t oder 43% der Welterzeugung der Sojabohne zukaufen müssen, eine kleine Gruppe, etwa mit den USA, Brasilien und Argentinien, gegenübersteht, die für diese Mengen aufkommt. Der IGC prognostiziert 2022/23 einen Anstieg der weltweiten Sojaimporte um fast 7%, wobei es China als weltgrößter Importeur (96,3 Mio. t oder 58% aller Sojakäufe am Weltmarkt) auf gut 6% Wachstum bringen soll.