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Marktlage

Vogelgrippe: Ist die Weihnachtsgans in Gefahr?

Gans
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Redaktion Wochenblatt
am Mittwoch, 07.12.2022 - 18:35

An den Festtagen gehört die Weihnachtsgans traditionell dazu. Doch gestiegene Futterkosten lassen 2022 die Preise stark steigen.

München - Für viele Familien gehört sie zu den Festtagen einfach dazu: Die Weihnachtsgans. Doch in diesem Jahr ist die Weihnachtsgans ein teures Vergnügen. Gestiegene Nebenkosten und dazu die Vogelgrippe treiben den Gänsepreis im Jahr 2022 in nichtgekannte Höhen. Das Angebot an Gänsefleisch ist heuer knapp und Verbraucher müssen deshalb deutlich mehr für die Weihnachtsgans bezahlen.

Die Gänsemäster spüren die hohen Futterkosten, die ebenfalls die Preise für Gänse verteuern. Und dann ist da noch eine weitere Frage: Wie verhalten sich die Verbraucher? Werden sie bei den stark gestiegenen Preisen dennoch zugreifen? „Wir rechnen damit, dass es dieses Jahr 25 bis 30 Prozent weniger deutsche Gänse auf dem Markt geben wird“, erklärt Dieter Oltmann. Er ist der Geschäftsführer des Landesverbandes der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW). Allein in diesem Sommer seien in Deutschland wegen der Geflügelpest 40 000 Gänse getötet worden, sagte Oltmann.

Eine Sorge hat er: Die Kundinnen und Kunden könnten angesichts der hohen Preise für heimische Frischware eher zu Tiefkühlwahre oder günstigerer Frischware aus Osteuropa greifen. Geflügelzüchterin Iris Tapphorn aus dem niedersächsischen Brockdorf schätzt gegenüber dem Fachportal „Land und Forst“, dass aufgrund des kleinen Gänseangebots und der gestiegenen Futterkosten der Kilopreis für frische Gänse um 3 Euro bis 5 Euro angehoben wird. „Das reicht aber gerade mal, um die Kosten zu decken. Von einem Gewinn ist dabei noch nicht die Rede“, schilderte die Züchterin.

Gänsemäster spüren die hohen Futterkosten

Experten zufolge dürfte die Festgans im Hofladen bis zu 35 Prozent teurer werden als im Vorjahr. Auch der Großhandel rufe drastisch gestiegene Preise auf. Im Großhandel soll der Kilogrammpreis einer gefrorenen deutschen Gans sogar zwischen 50 und 80 Prozent zulegen, wie der Landesverband der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW) mitteilte. Bei frischen Gänsen aus Deutschland sei in diesem Jahr mit Kilopreisen zwischen 17 und 20 Euro zu rechnen, heißt es vom Bundesverbandes Bäuerliche Gänsehaltung.

Wie sieht es im Süden Deutschlands aus? Das Wochenblatt hat beim Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft und auf Gänsemastbetrieben nachgefragt. „Bayern ist im Moment nicht direkt von der Geflügelpest betroffen – abgesehen von einem Ausbruch vor kurzem im unterfränkischen Landkreis Miltenberg. Dort war ein Kleinbetrieb mit Enten betroffen. Das hatte aber keine Auswirkung auf umliegende Höfe“, erklärt Annika Nottensteiner, Geschäftsführerin Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft.

Gänsepreise steigen stark an

Einfluss auf die Gänsemast hatte aber sehr wohl die allgemeine Produktionskostensteigerung, die die Geflügelexpertin auf rund 30 % schätzt. Auf dieser Basis geht Nottensteiner davon aus, dass sich die letztjährigen Gänsepreise aus konventioneller Produktion von 13,5 bis 18 €/kg Schlachtgewicht in diesem Jahr auf 18 bis 25 €/kg steigern werden.

Nach Angaben des Bundesverbandes Bäuerliche Gänsehaltung (BBG) kommen 80 Prozent der in Deutschland zu Weihnachten verkauften Gänse aus Polen und Ungarn. Unbedingt notwendig ist aus Sicht von Züchterin Iris Tapphorn eine Kennzeichnungspflicht für alle Produkte aus Gänsefleisch. „Der Verbraucher muss auf einen Blick erkennen können, ob er eine osteuropäische Gans aus einer Qualhaltung für das Familienfest kauft oder eine deutsche, artgerecht gehaltene Gans aus Weidehaltung auf seinem Teller landet.“ Aufgrund der höheren Tierwohlstandards hätten die hiesigen Erzeuger auch erheblich höhere Aufwendungen.

Was kostet eine Gans für Weihnachten 2022?

In Deutschland müssen die Käufer einer Weihnachtsgans in diesem Jahr mit einem Preis von 17 bis 20 Euro pro Kilogramm rechnen. Das sagt BBG-Vorsitzender Lorenz Eskildsen.

Landwirtin Iris Tapphorn verlangt 19,50 Euro pro Kilogramm. Wie sie dem "Deutschlandfunk" sagte, kosten vier Kilogramm Gänsefleisch damit rund 80 Euro, für eine sechs Kilogramm schwere Gans werden damit rund 120 Euro fällig. Wie Tapphorn dem Sender sagte, sei die Nachfrage nach Gänsen trotz der Preissteigerung weiterhin hoch.

Mit Material von Philipp Seitz, Florian Maucher, Kristina Wienand/Land und Forst, AgE