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Ackerbau

Versorgungsengpässe nicht auszuschließen

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Redaktion Wochenblatt
am Dienstag, 22.03.2022 - 12:35

Hohe Preise und knappe Düngemittel: Raiffeisenverband legt erste Ernteschätzung für 2022 vor.

Braugerste

Unterbrochene Lieferketten, massive Preissteigerungen bei Energie und Düngemitteln: „Der russische Überfall auf die Ukraine stellt die Landwirtschaft in dieser Vegetationsperiode vor neue Herausforderungen“, erklärt der Getreidemarktexperte des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV) Guido Seedler.

Durch die gegen Russland verhängten Finanzsanktionen kann der Export von Düngemitteln nach Europa nicht mehr abgewickelt werden. Dies belastet den Markt in erheblichem Maße, da Russland 20 % der weltweiten Kalidünger sowie nennenswerte Mengen an Stickstoffdüngern liefert.

„Teilweise kostet Dünger heute vier Mal so viel wie noch vor einem Jahr. Die Preise bei Stickstoffdünger haben die 1000-Euro-Marke überschritten“, ergänzt Seedler. Versorgungsengpässe können nach Einschätzung des DRV gegenwärtig nicht mehr ausgeschlossen werden. Dies hätte negative Auswirkungen auf Erntemengen und -qualitäten.

Spitzenergebnisse kaum noch zu erreichen

Derzeit geht der DRV von einer durchschnittlichen Ernte 2022 aus. Beim Getreide werden 43,2 Mio. t (+2,5 %) prognostiziert. Damit würde die Erntemenge wie in den vergangenen drei Jahren nur leicht über der prognostizierten Nachfrage liegen.

„Frühere Spitzenergebnisse von bis zu 50 Millionen Tonnen dürften selbst in Jahren mit optimalen Witterungsbedingungen kaum noch zu erreichen sein“, betont der DRV-Getreidemarktexperte. Die Einschränkungen bei der Düngung und im Pflanzenschutz machen sich bemerkbar. Außerdem geht der Getreideanteil in der Fruchtfolge zurück und die Landwirtschaft setzt auf längere Fruchtfolgen.

Selbstversorgung könnte sinken

Die durch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab dem Jahr 2023 vorgesehene verpflichtende Flächenstilllegung in Höhe von 4 %, könnte den Selbstversorgungsgrad bei Getreide in Deutschland auf unter 100 % sinken lassen.

In Deutschland wären knapp 500 000 ha Ackerfläche betroffen, auf der rechnerisch 3,5 Mio. t Getreide geerntet werden könnten. Der DRV hält diese Regelung für verfehlt. „Gemeinsames Ziel muss es sein, zukünftig mehr Menge nachhaltiger zu erzeugen,“ ergänzt Seedler.

Beim Winterraps erwartet der DRV eine Erntemenge von 3,9 Mio. t (+11,6 %). Diese erfreuliche Entwicklung ist in erster Linie auf eine deutlich angestiegene Anbaufläche zurückzuführen (+9 %).

Aussaatflächen im Wandel

Die Getreide- und Rapsbestände sind laut DRV insgesamt ohne größere Schäden durch den Winter gekommen. Allerdings weisen sie aufgrund der milden Temperaturen in den vergangenen Monaten eine geringe Frosthärte auf. Dadurch erhöht sich die Gefahr von Schäden durch Spätfröste.

Die Aussaatflächen von Sommergerste (+9 %) dürften spürbar zu Lasten von Hafer (-12 %) ansteigen. „Grund für diese Entwicklung ist unter anderem das attraktive Preisniveau bei der Braugerste“, so Seedler.

Die Anbauflächen für Sommerweizen und Körnermais dürften sich auf Vorjahresniveau bewegen. Die Bodenbearbeitung für die Frühjahrsaussaat ist aufgrund der teilweise hohen Bodenfeuchtigkeit und niedriger Nachttemperaturen in vielen Teilen Deutschlands erst in der vergangenen Woche in nennenswertem Umfang gestartet.

Mit Material von Deutscher Raiffeisenverband