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Lebensmittelpreise

Verbraucher sparen bei Lebensmitteln – Aldi senkt den Butterpreis

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Norbert Lehmann
am Donnerstag, 02.06.2022 - 15:13

Die Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel brechen ein. Die Verbraucher knausern. Der Discounter Aldi setzt ein Signal.

Der Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel ist im April 2022 gegenüber dem Vormonat real um 7,7 Prozent zurückgegangen. Das hat das Statistische Bundesamt (Destatis) ermittelt. Es ist der größte Umsatzeinbruch im Vergleich zu einem Vormonat seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1994. Die Wiesbadener Statistiker vermuten die deutlich höheren Lebensmittelpreise als Ursache. Die Verbraucher versuchen, durch Kaufzurückhaltung die extreme Teuerung teilweise abzufangen. Auch im Vergleich zum Vorjahr ging der Umsatz mit Lebensmitteln im Einzelhandel inflationsbereinigt deutlich zurück, und zwar um 6,5 Prozent.

Verbraucher achten verstärkt auf den Preis

Experten gehen davon aus, dass die Verbraucher aufgrund der rasch steigenden Lebensmittelpreise vermehrt zu Handelsmarken greifen. Die Discounter dürften von der Entwicklung zu mehr Preissensibilität profitieren, nachdem die Corona-Pandemie eher den Supermärkten in die Hände gespielt hatte, weil die Kunden möglichst alle Einkäufe in einem Geschäft erledigen wollten. Jetzt geht es wieder in erster Linie um den Preis.

Aldi macht die Butter billiger

Aldi hat auf das veränderte Verbraucherverhalten heute reagiert. Der Discounter senkte den Preis für 250 Gramm Butter seiner Eigenmarke Milsani um 10 Cent auf 2,19 Euro. Das ist ein deutliches Signal – sowohl an die Verbraucher als auch an die Konkurrenz. Seit Anfang des Jahres war der Butterpreis mehrfach deutlich gestiegen von 1,65 Euro im Januar bis auf 2,29 Euro im Mai. Mit der Rücknahme des Ladenpreises für Markenbutter der Eigenmarke stemmt sich Aldi gegen die nach wie vor sehr festen Milchpreise.

Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher haben auch die Spargel- und Erdbeerbauern in diesem Jahr schmerzlich erfahren. Die Kunden kauften im Lebensmitteleinzelhandel vor allem Grundnahrungsmittel und No-Name-Produkte. Einige Landwirte zogen daraus Konsequenzen und häckselten einen Teil ihrer Erdbeerfelder oder nahmen Spargelkulturen vorzeitig aus der Produktion.

Das Schlimmste kommt erst noch

Nach einer Studie der Kreditversicherer von Allianz Trade kommt das Schlimmste aber erst noch auf die europäischen Haushalte zu. Nach Einschätzung der Marktexperten spiegeln die Preise im Lebensmitteleinzelhandel bei Weitem noch nicht den Anstieg der Preise für Agrarrohstoffe in den letzten 18 Monaten wider. Die Hersteller von Lebensmitteln und Getränken in der Euro-Zone hätten ihre Preise seit Anfang 2021 um durchschnittlich 14 % erhöht. Die stärksten Preissteigerungen verzeichnete Allianz Trade bei Produkten des täglichen Bedarfs, darunter Öle und Fette (+53 %), Mehle (+28 %) und Nudeln (+19 %). Im Gegensatz dazu zogen die Preise im Lebensmitteleinzelhandel nur um 6 % an.

Das kosten die teureren Lebensmitteln die Verbraucher

Damit haben die Einzelhändler laut Allianz Trade noch nicht einmal die Hälfte der höheren Erzeugerpreise für Lebensmittel auf die Ladenpreise umgelegt. Die Marktforscher schätzen, dass der Handel mit einer gewissen Verzögerung etwa drei Viertel der Preissteigerung an die Verbraucher weitergeben wird. Unter dieser Voraussetzung könnte die Lebensmittelinflation den europäischen Durchschnittsverbraucher im Vergleich zu 2021 rund 243 Euro mehr für den gleichen Warenkorb an Lebensmitteln kosten.