Kommentar

Über den eigenen Schatten springen

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Rainer Königer Portrait 2019
Rainer Königer
am Donnerstag, 20.12.2018 - 11:30

Bei der Milch brennt es schon wieder. Diesmal geht es nicht um Quotendiskussionen sondern um die Anbindehaltung.

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Bei der Milch brennt es schon wieder. Diesmal geht es nicht um Quotendiskussionen und akute Milchkrisen. Diesmal geht es um nichts anderes, als um die Hälfte der bayerischen Milchviehhalter. Die rund 15 000 Anbindehalter – in Worten fünfzehntausend – sind unter Druck. Die gesellschaftliche Tierwohlhetzjagd schlägt auf die Betriebe durch. Es drohen unter anderem Preisabschläge. Anbindehaltung ist aber nicht gleich Anbindehaltung. Um den Druck zu lindern, soll jetzt eine Definition für die Kombinationshaltung aufgelegt werden. Eine gute Idee. Doch wer setzt sie um? Und da wären wir wieder beim Grundproblem in der Milchbranche. Es gibt Befindlichkeiten, Rivalitäten, die Angst vor Machtverlust und herrschaftliche Ansprüche auf die Deutungshoheit. So wird das nichts. Die Devise muss heißen: Zurück zur Praxis, zurück zur Basis. Die Anbindehalter brauchen Klarheit. Mit schwammigen Formulierungen ist ihnen nicht geholfen. Wenn von „sozioökonomischen Aspekten“ die Rede ist, muss benannt werden, was das heißen soll. Wenn von „Sonderregelungen für Kleinbetriebe“ die Rede ist, muss festgelegt werden, wie viele Tiere ein Kleinbetrieb maximal haben darf.

Es gibt viel zu tun und der Teufel steckt im Detail. Es ist Zeit, die Sache anzupacken. Geht der Streit in der Branche weiter, wird es keine Gewinner geben. Vergleicht man das Geschehen mit einem Hahnenkampf, wird es zwar gerupfte Hauptdarsteller geben, die echten Verlierer sitzen aber kopfschüttelnd im Kuhstall.

Vielleicht mag auch der ein oder andere Landwirt bereits auf die Flächen des benachbarten Anbindehalters schielen und sagen: „Wenn Du aufhörst, dann denk doch an mich.“ Vielleicht schaffen wir es, jetzt wo Weihnachten ist, nicht nur an uns selbst zu denken. In diesem Sinne: Ein frohes Fest!