Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Transport

Trockenheit könnte Schifffahrt auf dem Rhein stoppen

Niedrigwasser-Duerre-Rhein_imago0165060534h
Norbert Lehmann
am Donnerstag, 11.08.2022 - 08:03

Der sinkende Pegel des Rheins könnte den Schiffstransport von Getreide, Dünger und Diesel in wenigen Tagen unterbrechen.

Wenn es nicht bald ausgiebig regnet, ist für die Fracht-Schifffahrt auf Europas wichtigster Wasserstraße auf halbem Wege Schluss. Dann werden die Frachtschiffe mit Getreide, Kohle und Öl eine Engstelle am Mittelrhein nicht mehr passieren können: In Kaub bei Koblenz dürfte der Pegel bis Montag (15.8.) auf 34 cm fallen, prognostiziert die Wasserstraßen- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes. Bis zu einem Wasserstand von etwa 30 bis 35 cm am Pegel Kaub können flachgehende Binnenschiffe die Strecke noch passieren. Bastian Klein von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) sagt dazu: „Wir gehen den Vorhersagen zufolge Richtung 30 Zentimeter bis Anfang nächster Woche am Pegel Kaub. Tendenziell kommt die Rheinschifffahrt in diesem Bereich dann zum Erliegen.“

Lieferungen rheinaufwärts kommen bei ZG Raiffeisen nicht mehr an

Das hätte gravierende Konsequenzen für die Logistik. Nicht nur die Industrie, auch die Landwirtschaft ist auf die Transportkapazitäten auf dem Rhein angewiesen. Futter- und Düngemittel, Kraftstoffe und Maschinen werden mit Frachtern den Fluss hinauf und hinab transportiert. Entlang der Ufer und in den Binnenhäfen sind viele Agrarhändler und Verarbeitungsbetriebe angesiedelt wie zum Beispiel Futtermühlen. Schon der bisher sehr niedrige Pegelstand bedeutet für diese Unternehmen eine Verteuerung der Logistik und Lieferengpässe. „Betriebsmittelanlieferungen rheinaufwärts erreichen uns bereits seit einiger Zeit nicht mehr“, berichtet die Zentralgenossenschaft ZG Raiffeisen in Karlsruhe gegenüber agrarheute. Dank vorsorglicher Bevorratung verfüge die ZG aktuell aber über ausreichend Ware für den Handel.

RWZ Köln spürt die Auswirkungen des Niedrigwassers

Lieferungen von Getreide und Düngemitteln habe die ZG Raiffeisen frühzeitig und verstärkt auf Lkw umgestellt, um die Binnenschiffsproblematik abfedern zu können, erläutert eine Sprecherin der Genossenschaft am Oberrhein. Auch weiter rheinabwärts ist das Niedrigwasser für den Agrarhandel ein Thema. „Wir spüren die Auswirkungen der reduzierten Frachtkapazitäten auf dem Rhein“, bestätigt eine Sprecherin der RWZ Rhein-Main eG in Köln gegenüber agrarheute. Die Lage sei angespannt, bisher „schaffen wir es aber, die Aufgaben in Transport und Logistik zu erfüllen.“

Transport per Schiff wird unwirtschaftlich

Die Binnenschifffahrt kämpft bereits seit Wochen mit den sinkenden Pegeln. Die Frachter fahren mit erheblich reduzierter Ladung, um an den Flachstellen der Fahrrinne nicht aufzusetzen. Das erhöht die Transportkosten pro Tonne Ladung. „Der Wasserstraßentransport ist aktuell sehr teuer und ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr wirtschaftlich“, sagt BfG-Experte Klein.

Entwarnung ist vorerst nicht in Sicht

Eigentlich beginnt die klassische Zeit der Niedrigwasser erst im Spätsommer und Herbst. So wurden im Dürrejahr 2018 am Pegel Kaub am 22. Oktober nur 25 cm gemessen. In diesem Jahr werden kritische Tiefstände schon früher erreicht. Bis Anfang nächster Woche sollen die Wasserstände weiter fallen. Für Ende nächster Woche seien dann Niederschläge vorausgesagt, sagt Klein. Entwarnung bedeutet das jedoch nicht. „Da ist dann wieder mit einem Anstieg, jedoch keinem Ende der Niedrigwassersituation zu rechnen.“