Veranstaltung

Solidarität, um Krisen abzufedern

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Lorenz Märtl
am Dienstag, 11.09.2018 - 13:31

Milchplattform diskutiert über Risikomanagement und Lieferverträge

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Die anhaltende Trockenheit, die daraus resultierende schlechte Ernte und die Futterknappheit bereiten der Landwirtschaft große Sorgen, die im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung der Milchplattform e.V. im Gasthof Löhner in Diepersdorf standen. Das sorgt auch für einen Rückgang der Milchleistung und beeinflusst die Qualität, erörterte Vorsitzender Reinhard Endres. Dies bekräftigte auch BBV-Milchreferent Johann Schmaus, der eine spürbare Reduzierung des Rohstoffaufkommens erwartet. Dies bedeute steigende Preise am Spotmilchmarkt und leicht steigende Preise für Industrierahm.

Die Entwicklung der Marktlage sei aber in der ersten Hälfte 2018 vor dem Hintergrund der großen Milchmengen zu Jahresbeginn stabiler als erwartet gewesen. Er zeigte sich überzeugt, dass sich die zweigeteilte Preisentwicklung bei Milcheiweiß und Milchfett fortsetzen wird. Die weitere Entwicklung sei auch stark abhängig von der Produktion, wobei die witterungsbedingte Trockenheit und die niedrigen Inhaltsstoffe der angelieferten Rohmilch sowie die weitere Grundversorgung mit Futtermitteln wichtige Faktoren bleiben. So wie sich die aktuelle Situation darstelle sei im Jahresmittel mit einer Milchpreisspanne von 33,5 bis 35,6 ct /kg zu rechnen.
In seinem Rückblick auf das Jahr 2017 zeigte Schmaus auf, dass das Milchaufkommen in Deutschland zum zweiten Mal in Folge stagnierte, während die Milchmenge in der Europäischen Union um 2,1 % zunahm. 2018 werde die Milchmenge weltweit voraussichtlich um rund 2 % auf etwa 829 Mio. t steigen, wobei das starke Wachstum vor allem in Asien zu verzeichnen sei.

Vernünftiges Risikomanagement

Vor dem Hintergrund der kontroversen öffentlichen Diskussionen um geforderte Entschädigungshilfen für die dürregeschädigte Landwirtschaft wurde deutlich, dass man jetzt die Chance ergreifen müsse, den Betrieben ein vernünftiges Risikomanagement in Form einer steuerfreien Risikorücklage zu ermöglichen.
Allerdings – und darauf verwies BBV-Milchpräsident Günther Felßner – dürfe man die Preisgeschichte nicht vernachlässigen. „Wie reagieren wir als Vermarkter, wenn jetzt weniger Milch angeliefert wird?“ Gerade in dieser Situation brauche man die Solidarität von Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel. „Wir brauchen eine schnellstmögliche Erhöhung der Regalpreise bei den Milchprodukten, um diese krisenhafte Situation der Landwirte abzufedern“, sagte Felßner. Wenn das jeder mittrage, dann habe keiner einen Verlust. Jetzt müsse man Dinge, die nachhaltig sind, verankern und langfristig sichern.
In diesem Zusammenhang verwies ein Diskussionsteilnehmer darauf, dass erste Molkereien bereits angekündigt hätten, die Milch aus Freilaufställen und der Anbindehaltung getrennt erfassen zu wollen, und das mit Preisunterschieden bis zu 4 ct/kg Milch. Hier vertrete der BBV eine klare Position erwiderte Günther Felßner: Ablehnung eines gesetzlichen Verbots der ganzjährigen Anbindehaltung wie auch einer Befristung von der Marktseite. Und dahinter, so sein Appell, müsse man geschlossen stehen.

Molkereien wollen Risiko mindern

Herbert Maier, Vorsitzender der Bayern MEG, verwies auf die Tatsache, dass angesichts der extrem auseinandergehenden Fett- und Eiweißverwertung immer mehr Molkereien Schwierigkeiten bekommen. Weil das natürliche Gefüge aus dem Rahmen falle, habe man zurzeit ganz viele Preisgespräche. Molkereien würden Verträge kündigen um das Risiko zu minimieren und bei Bedarf freie Milch zukaufen. Wenn nur eine Molkerei das mache, sei es kein Problem, aber das würden derzeit viele machen.
Ein weiterer wichtiger Punkt war die entschädigungslose Milchmengenkürzung im Krisenfall. Wenn dies gewollt sei, so Milchplattform-Vorsitzender Reinhard Endres, dann müsse dies europaweit geschehen, was aber kaum durchsetzbar sei. Solche Pläne würden nur unnötig für Verunsicherung sorgen und deswegen sollte man sie schnellstens ad acta legen.
Ebenso skeptisch sieht Endres die Festlegung von Milchmenge und Preis im Milchkaufvertrag. BBV-Milchpräsident Günther Felßner appellierte flexibel zu bleiben. Die Art der Mengensteuerung über den Preis sei eine Möglichkeit.
Höhere Milchpreise, so Felßners Auffassung, bekomme man nur dann, wenn das Management einer Molkerei mehr unter Erfolgsdruck gesetzt werde. Das Splitten der Milchmenge der Milcherzeugergemeinschaften auf verschiedene Verträge, an die sich der einzelne Milcherzeuger dann anschließen könne, sei eine Möglichkeit. Je nach dem habe er dann nach eigener Entscheidung seine Produktionsmengen abgesichert.