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Tierwohl

Schweineschlachter wollen Tierwohl-Zuschlag nicht zahlen

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 09.07.2021 - 17:54

Weil sich Tierwohlfleisch derzeit schwer verkaufen lässt, erhalten Schweinemäster teilweise den vereinbarten Zuschlag nicht. Für die ISN eine Sauerei.

Schweineschlachtung-Schlachtbetrieb

Der aktuelle Druck am Schweinemarkt wirkt sich auch negativ auf die Nachfrage nach ITW-Schweinen aus. ITW- Schweine werden teilweise von den Schlachtunternehmen nicht angenommen oder ITW-Zuschläge von 5,28 €/Schwein kommen nicht so wie angekündigt bei den Schweinehaltern an, wie einige Beschwerden von ISN-Mitgliedern aus den letzten Tagen zeigen. Laut ISN sind davon vor allem Schweinehalter betroffen, die in den vergangenen Monaten keinen schriftlichen Liefervertrag mit ihrem Schlachtbetrieb abgeschlossen haben.

Seit dem 1. Juli gilt bei der Initiative Tierwohl ein neues Finanzierungsmodell. Bis zum 30. Juni 2021 hatten die für ITW zugelassenen Mastbetriebe das Tierwohlentgelt noch aus dem Fonds erhalten. Seit Juli erhalten Mäster in der neuen Programmphase einen von der ITW definierten Tierwohlaufpreis. Dieser Preisaufschlag auf den Marktpreis kommt direkt von den teilnehmenden Schlachtunternehmen bzw. ihren Vermarktern, aktuell 5,28 €/Mastschwein.

Für ISN ein Treppenwitz

Die ISN kritisiert, dass es beim Umsetzen des neuen ITW-Bezahlungssystems zu derartigen Gemengelagen kommt. Die Schlachtbetriebe und der LEH müsssen solch unsägliche Handelspraktiken unverzüglich abstellen, fordert die Interessengemeinschaft. Schweine, die unter ITW-Bedingungen erzeugt wurden, müssen laut ISN auch mit dem vereinbarten ITW-Aufschlag bezahlt werden, auch vertragsfreie ITW-Schweine.

Für ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack ist das Verhalten der Schlachtbranche ein Treppenwitz. Noch vor wenigen Tagen habe die Handelsseite großspurig und medienwirksam die Zielmarken für die Haltungsstufen 3 und 4 verkündet und jetzt saufe der Tierwohlmotor schon bei der Umsetzung der Stufe 2 ab. „Wer morgen 3 und 4 will, der muss heute 1 und 2 ordentlich bezahlen“, verlangt Staack weiter.