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Schweinemarkt

Schweinepreis: Heidl schlägt Alarm

Josef koch
Josef Koch
am Mittwoch, 18.11.2020 - 17:19

Erneut gehen die Schweinepreise auf den Höfen zurück, an der Theke aber nicht. "Wer kassiert hier ab?" fragt BBV-Präsident Heidl.

Mastschweine-Stallbucht

Den Schweinehaltern in Bayern und ganz Deutschland droht im Schraubstock zwischen Schlacht-Stau und Preisverfall langsam die Luft auszugehen. Bauernpräsident Heidl ist angesichts des erneuten Preisrutsches auf dem Schlachtschweinemarkt in dieser Woche alarmiert. Morgen wollen Landwirte die Antworten der Vermarkter abholen, die sie vergangenen Mittwoch überreicht haben. Molkereien haben Milchviehhaltern indes schon eine Abfuhr erteilt.

Nach wochenlangem Niedrigpreisniveau von 1,27 €/kg SG ist der VEZG-Preis am 18.11. um weitere 8 Cent auf 1,19 €/kg SG gefallen. Das ist das tiefste Niveau seit Januar 2011. Damals stand der Markt wegen des Dioxinskandal um kontaminierte Futtermittel unter Druck. Entsprechend werden auch Ferkel- und Sauenpreise nachgeben.

„Die Situation unserer Ferkelerzeuger und Schweinemäster ist dramatisch. Wir brauchen jetzt dringend Unterstützung von der Politik und auch von den Marktpartnern! Sonst gehen in noch mehr Ställen der regionalen Schweinehalter die Lichter aus. Und ohne Schweinehalter gibt es kein heimisches Schweinefleisch.“

Handelsspanne deutlich ausgeweitet

Corona und die Afrikanische Schweinepest machen dem Schweinemarkt ohne Zweifel zu schaffen und führen laut Heidl leider auch zu Absatzrückgängen in bestimmten Bereichen. Der Verkaufspreis im Lebensmitteleinzelhandel ist aber seit dem Frühjahr weitgehend stabil und zum steigt zum Teil sogar, während die Erzeugerpreise sich im gleichen Zeitraum nun fast halbiert haben. Damit ist die Spanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreis deutlich gewachsen

. „Da muss ich den Finger schon in die Wunde legen und fragen: Wer verdient an dieser Krise? Irgendjemand in der Wertschöpfungskette macht sich hier auf Kosten der Bauern die Taschen voll!“, kritisiert Heidl.

Er fordert von den Schlachtunternehmen und dem Lebensmitteleinzelhandel, diesen unfairen Umgang mit den Schweinehaltern als Handelspartnern sofort zu beenden und den Erzeugern endlich wieder einen Preis zu zahlen, der dem hochwertigen Lebensmittel Schweinefleisch angemessen ist.

Runder Tisch bei Müllergruppe geplant

Bauernpräsident Walter Heidl ist seit Wochen Richtung Politik, Schlachtunternehmen und Lebensmitteleinzelhandel aktiv. Unter anderem hat es am Wochenende einen Austausch mit der Müller-Gruppe über Möglichkeiten der Krisenbewältigung am Schweinemarkt gegeben.

Einig waren sich die Teilnehmer, dass ohne eine gesunde und funktionierende Landwirtschaft die gesamte Wertschöpfungskette zusammenbrechen würde. Daher sei ein Regionalpakt für eine nachhaltige Stabilisierung  und Sicherung in der Schweine- wie auch der Rinderhaltung in Süddeutschland nötig. Dazu sollen in Kürze unter anderem Gespräche der Müller-Gruppe gemeinsam mit den Vertretern der Bauernverbände aus Baden-Württemberg und Bayern mit dem Top Management des Lebensmitteleinzelhandels geführt werden.