Lebensmitteleinzelhandel

Schweinefleisch aus Haltungsstufe 1: Kaufland steigt sofort aus

Kaufland
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Donnerstag, 01.07.2021 - 10:12

Kaufland will ab sofort nach gesetzlichem Mindeststandards erzeugtes frisches Schweinefleisch auslisten. Ausgenommen sich Innereien und Filet. Offen ist, wie die Erzeuger damit zurechtkommen können.

Neckarsulm - „Unser Ziel ist es, die Haltungsbedingungen unserer Nutztiere langfristig und flächendeckend zu verbessern. Das erreicht man nicht durch Absichtsbekundungen, sondern indem man konkrete Maßnahmen umsetzt und mit der gesamten Prozesskette zusammenarbeitet. Es muss ein nachhaltiges und beständiges System für alle Beteiligten etabliert werden“, sagt Stefan Rauschen, Geschäftsführer Einkauf Frische bei Kaufland.   

Kaufland habe sich bereits 2019 das Ziel gesetzt, die Haltungsform Stufe 2 als Mindeststandard zu etablieren, erklärt das Unternehmen. Für Geflügelfleisch sie dieser Schritt bereits 2019 erfolgt. Seit 2019 gebe es außerdem Fleisch von Schwein, Pute und Hähnchen an den Frischetheken bei Kaufland ausschließlich aus der Haltungsform Stufe 3 „Außenklima“. Auch im SB-Bereich werde seit 2019 bundesweit Schweinefleisch der Haltungsform Stufe 3 angeboten. Im Mai 2020 habe das Unternehmen dann als erster Lebensmittelhändler bundesweit SB-Wurstwaren nach Haltungsform Stufe 3 unter der Eigenmarke K-Classic gelistet.

Nächstes Ziel sei es, nun die Kooperationen mit Vertragslandwirten für Schweinefleisch sowie das Angebot an Frischgeflügel aus Haltungsform Stufe 3 und 4 bis 2023 zu verdoppeln.

Überbietungswettbewerb auf dem Rücken der Bauern

Die heutige Ankündigung von Kaufland und Lidl, Schweinefleisch der Haltungsstufe 1 sofort bzw. bis Ende des Jahres aus dem Sortiment zu nehmen, berachtet der agrarpolitische Sprecher der CSU im Bundestag, Artur Auernhammer, kritisch: "„Nach der Ankündigung von Aldi und Rewe letzte Woche bei Frischfleisch schrittweise auf Ware der Haltungsformen 1 und 2 zu verzichten, scheint es nun erwartungsgemäß im Lebensmitteleinzelhandel zu einem Überbietungswettbewerb zu kommen. Leidtragende dabei sind unsere Bäuerinnen und Bauern."

Denn Umbaumaßnahmen und Investitionen könnten nicht von heute auf morgen getätigt werden. Hierfür brauche es ein Konzept, wie es die Borchert-Kommission in der zu Ende gegangenen Wahlperiode erarbeitet hat und das es nach der nächsten Bundestagswahl umzusetzen gilt. Anderenfalls würden viele – insbesondere kleine Betriebe – auf der Strecke bleiben.