Schweinekrise+++aktualisiert+++

Schweinefleisch: Discounter wollen auf 5D umstellen

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 02.12.2021 - 08:00

Nach Aldi will auch Lidl bei Frischfleisch auf ausschließlich deutsche Herkunft setzen. Agrarministerin Kaniber verlangt faire Preise auch für Bauern.

Lidl-Markt-Discounter

Der Druck der Schweinebauern und der Politik auf die Discounter scheint zu wirken. Erst Aldi, und jetzt auch Lidl. So haben Aldi Nord und Süd Nord und Süd am Dienstag (30.11.) angekündigt, bis zum vierten Quartal 2022 bei konventionellem Schweinefrischfleisch das Sortiment konsequent auf „5xD“ umzustellen.

Am Dienstagabend (30.11.) haben laut Verbändebündnis Agrardialog auch Lidl-Vertreter anlässlich der Podiumsdiskussion „Lidl im Dialog – gemeinsam für mehr Tierwohl“ eröffnet, beginnend ab Januar 2022 das gesamte Sortiment an Frischfleisch und Verarbeitungsware der Marke Metzgerfrisch flächendeckend auf die Herkunft „5xD“ umzustellen. Der Umstellungsprozess bei Lidl soll bereits Ende des ersten Quartals 2022 abgeschlossen sein. Inzwischen hat das Lidl offiziell bestätigt.

Kaniber: Mehr Tierwohl nur vor Ort machbar

Rampe mit Ferkel

Nach Ansicht von Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber kommt man beim Tierwohl nur weiter, wenn man die Schweinefleischerzeugung vor Ort halten kann. Niemandem sei geholfen, wenn Bayerns Landwirtinnen und Landwirte das Handtuch werfen und das Fleisch in Ländern produziert wird, in denen man keinen Einfluss auf das Tierwohl habe. "Wir müssen unsere heimische Qualitätsware schützen und die Standards selbst definieren und kontrollieren," ist Kaniber überzeugt.

"In Bayern haben wir das Qualitäts- und Herkunftssicherungsprogramm „Geprüfte Qualität – Bayern“ – sozusagen „5B“, das nachvollziehbar und mit einem staatlich geprüften Kontrollsystem die regionale Herkunft direkt am Produkt erkennbar macht," argumentiert die Ministerin. Dies führe zu einem Mehrwert für Erzeuger und Verbraucher – gerade auch in schwierigen Situationen. Der LEH hat laut Kaniber mit Bayerns Qualitätsfleisch die Möglichkeit, regionale Produkte glaubwürdig zu kennzeichnen und Zusatzanforderungen für die Bauern entsprechend zu honorieren. Kaniber verlangt aber, dass faire Marktpreise des LEH über die Verarbeitungsunternehmen auch beim Erzeuger ankommen. "Nur dann wird 5D auch wirklich funktionieren", so die Agrarministerin.

Verpflichtende Haltungskennzeichung gefordert

Zugleich will der Discounter die Erkenntnisse aus dem Dialog nutzen, um einen Fahrplan für mehr Tierwohl zu entwickeln und diesen konsequent mit allen Teilnehmern der Wertschöpfungskette umsetzen. Parallel dazu will Lidl auch bei der neuen Regierung für Unterstützung werben.

Einer der wesentlichen Konsenspunkte des Dialogs ist die klare Notwendigkeit einer verpflichtenden Haltungs- und Herkunftskennzeichnung über alle Vertriebskanäle hinweg. Das Ziel einer Haltungskennzeichnung hat auch die künftige Ampel-Regierung in ihrem Koalitionsvertrag formuliert. Die Kennzeichnung werde die Nachfrage nach deutschen, tierischen Erzeugnissen aus höheren Tierwohlstandards auch zukünftig deutlich steigern und trage dem Wunsch der Verbraucher nach mehr Transparenz Rechnung, so der Discounter. Des Weiteren ist ein Abbau der genehmigungsrechtlichen Hemmnisse für den Umbau von Ställen erforderlich sowie die gezielte Förderung durch die Politik.

Agrardialog erwartet nun kostendeckende Preise

Die Repräsentanten der Arbeitsgruppe Schwein im Agrardialog begrüßen diese Schritte außerordentlich. Seit Anfang des Jahres 2021 arbeiten Vertreter der deutschen Landwirtschaft Schweinehalter und Marktexperten - innerhalb der Diskussions- und Verhandlungsplattform Agrardialog gemeinsam mit Vertretern des Lebensmitteleinzelhandels, einzelnen Schlachtunternehmen und Verarbeitern unter Moderation der DLG an Lösungen, die es allen Teilnehmern der Wertschöpfungskette Schweineproduktion ermöglicht, wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Das Bekenntnis zur Produktherkunft ist nach Meinung des Verbändebündnisses jedoch nur ein erster Schritt. Ein essentieller nächster Schritt sei die faire und mindestens kostendeckende vollkostenbasierte Bezahlung der Produkte. Die Produktionskosten, insbesondere Futter- und Energiekosten, seien explosionsartig gestiegen und ein Ende dieser Entwicklung sei nicht in Sicht, heißt es dazu in einer Pressemitteilung.

Zudem fordert die Arbeitsgruppe Schwein neben diesem Bekenntnis des Lebensmitteleinzelhandels zu 5 x D, dass sich auch der Großhandel, die Großverbraucher und der Gastronomiebereich zeitnah und verbindlich für regionale deutsche Produkte entscheiden.

Klöckner: Heimische Ware passt nicht zu Schleuderpreisen

Klöckner-FairplayfürBauern

Auch die scheidende Bundesagrarministerin Julia Klöckner erwartet weitere Schritte. Dass sich nun immer mehr Handelskette dem ,5D-Standard‘ verpflichten, begrüßt sie. „Wirklich Wirkung entfalten kann das jedoch nur, wenn diese Richtschnur auch für verarbeitete Fleischprodukte maßgeblich ist,“ so Klöckner. Ihrer Ansicht nach ist Regionalität ist relevant.

Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher achten beim Einkauf darauf. Deshalb habe sie stets dafür geworben, dass der Handel das als Qualitätskriterium bei der Bewerbung von Fleischprodukten herausstellt. Laut Klöckner müssen sich heimische Herkunft und Schleuderpreise ausschließen.

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