Europäischer Markt

Schweine: Spanien schlachtet mehr

Schlachthof
Rainer Königer Portrait 2019
Rainer Königer
am Montag, 15.03.2021 - 05:20

In den meldepflichtigen Schlachthäusern der EU sind 2020 geringfügig mehr Schweine zerlegt worden als 2019.

Wie aus vorläufigen Daten des Statistischen Amts der EU (Eurostat) hervorgeht, nahm die Zahl der geschlachteten Schweine um 405 900 Stück (0,2 %) auf 244,23 Mio. Tiere zu. Grundlage für diese Daten sind Meldungen aus 26 Mitgliedstaaten; Daten aus Griechenland fehlen noch.

Weil die Schweine im Mittel rund 1 kg schwerer an die Schlachtbetriebe geliefert wurden, ging die Fleischerzeugung mit 1,2 % auf 22,96 Mio. t stärker nach oben als die Zahl der verarbeiteten Tiere. Damit wurde die bisherige Rekordmarke aus dem Jahr 2018 um 123 000 t übertroffen.

Spanien liegt vorne

Das Schlachtaufkommen in den einzelnen EU-Staaten entwickelte sich sehr unterschiedlich. So wies Spanien mit einem Zuwachs von 3,48 Mio. Stück (6,6 %) auf 56,46 Mio. Schweine mit Abstand den größten Anstieg auf. Damit hat Spanien Deutschland nicht nur beim Schweinebestand, sondern erstmals auch bei den Schlachtungen überholt – hierzulande sank das Aufkommen um 3,5 % auf 53,21 Mio. Stück. Lediglich bei der Schweinefleischerzeugung hatte die Bundesrepublik mit 5,10 Mio. t noch leicht die Nase vorn.
Ein überdurchschnittliches Wachstum von 4,0 % auf 11,15 Mio. Schweine am Haken wies laut Eurostat auch Belgien auf. Dies dürfte in Zusammenhang mit der zeitweisen Unterbrechung des Verkaufs von Schlachtschweinen nach Deutschland in Zeiten coronabedingter Betriebsschließungen stehen. Mehr zu tun hatten auch die dänischen Fleischhersteller, denn die Anlieferung schlachtreifer Tiere nahm um 2,6 % auf 17,28 Mio. Stück zu. Neben dem größeren Schweinebestand dürfte hierfür auch die teilweise gestörte Lebendausfuhr nach Deutschland eine Rolle gespielt haben.

Nicht überall Zuwächse

In gut der Hälfte, nämlich in 14 von 26 EU-Ländern mit Daten, wurden im vergangenen Jahr weniger Schweine als 2019 geschlachtet. Unter anderem war das in Polen der Fall, wo das Aufkommen um 2,2 % auf 20,87 Mio. Stück sank. Noch stärker fiel das Minus mit 7,6 % auf 10,61 Mio. Schweine in Italien aus, wobei Corona-Folgen den Ferkel- und Schlachtschweineimport behinderten. Die dortige Schweinefleischerzeugung ging um gut 12 % zurück.

Insgesamt weniger Schweine wurden auch an die französischen Schlachtbetriebe geliefert, doch sorgten dort höhere Schlachtgewichte für eine im Vorjahresvergleich recht stabile Fleischerzeugung. Dies war in mehreren osteuropäischen Mitgliedstaaten wie der Slowakei, Rumänien und Slowenien nicht der Fall, wo das Schweinefleischaufkommen zwischen 2,9 % und 4,0 % unter dem Vorjahresniveau blieb. In Lettland ging die Erzeugung mit 8,7 % noch stärker zurück, und Bulgarien bildete mit einem Einbruch von 18,8 % das Schlusslicht in der EU. In diesem Land findet jedoch ein gewisser Teil der Schlachtungen nicht in meldepflichtigen Unternehmen statt; laut Schätzung handelt es sich dabei jährlich um rund 70.000 Schweine.