Schweinemarkt

Schweine: Noch immer zu wenig Schlachtkapazitäten

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 22.10.2020 - 14:53

Auf dem Branchengipfel hat die Politik Hilfe versprochen. Doch der Rückstau bei den Schlachtungen löst sich nicht auf.

Ferkel-Gedränge-Strohschweine

Wöchentlich fehlen noch immer mindestens 80.000 Schlachtungen in Deutschland, damit der bestehende Überhang von aktuell rund 480.000 Schlachtschweinen nicht noch größer wird, schätzt die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). Weiterhin gibt es ein erhebliches Defizit an Schlachtungen. Mehrere Maßnahmen wurden angekündigt, wie die Schlachterlaubnis an Sonn- und Feiertagen. Bei der Umsetzung in die Praxis hakt es laut ISN jedoch noch deutlich.

Die Verzögerungen bei diesem drängenden Thema empfindet die ISN als ein Schlag ins Gesicht der Schweinehalter! Es dürfe nicht sein, dass man sich in den Behörden hinter Formalismus und vorgeschobenen Positionen zurückzögen und die Bereitschaft der Schlachtbetriebe zu einer Ausweitung der Kapazitäten zunichte mache.

So verlangt ISN, dass die niedersächsische Sozialministerin Dr. Carola Reimann endlich tätig werden und für eine schnelle Erteilung der notwendigen Genehmigungen sorgen müsse.

Niedersachsens Schlachthöfe warten auf Ausnahmegenehmigungen

Die ISN hat in den vergangenen Wochen zusammen mit verschiedenen anderen Organisationen alles dafür getan, um für Entlastungen beim immer weiter anwachsenden Stau von Schlachtschweinen und Ferkeln in den Schweinebetrieben in Deutschland zu sorgen. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast hatte bereits angekündigt, für eine Genehmigung von Sonntags- und Feiertagsarbeit auf den Schlachtbetrieben in Niedersachsen zu sorgen.

Wie sich nun jedoch zeigt, hakt es bei der Umsetzung in die Praxis aber noch erheblich. Nach einem Bericht der Nordwest-Zeitung haben verschiedene Schlachtunternehmen in Niedersachsen noch keine Zusage für die Genehmigung von Sonntagsarbeit und auch noch nicht für den Reformationstag am Samstag nächster Woche, der unter anderem in Niedersachsen ein Feiertag ist, erhalten. Den Gewerbeaufsichtsämtern fehle dazu noch die Direktive durch das Sozialministerium in Hannover.

   

 

Sögel und Emstek nur bei 50 Prozent

Laut Interessensgemeinschaft versuchen viele Unternehmen derzeit, trotz der aktuellen Schwierigkeiten wegen  des Corona-Infektionsschutzes und der eingeschränkten Verfügbarkeit von Personal die Schlachtungen auszuweiten. Mit einer Verlängerung der jeweiligen Schichten bzw. zusätzlichen Schlachtungen an Sonntagen oder Feiertagen wollen diese Betriebe einen Beitrag zur Entzerrung des Schweinestaus leisten. Dazu zählen zum Beispiel Müller-Fleisch, Westfleisch, Böseler Goldschmaus oder auch Tönnies.

Zumindest konnten die in den vergangenen Wochen von Corona-Infektionen bei Mitarbeitern betroffenen Schlachtstandorte in Sögel und Emstek ihren Betrieb inzwischen wieder auf ca. 50% der normalen Kapazitäten hochfahren. Hierbei darf es nach Meinung von ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack aber nicht bleiben. "Die Schlachtstandorte müssen wieder komplett hochgefahren werden."