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Holzmarkt

Schieflage auf dem Holzmarkt

Harvester-Heideck_LF
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 11.05.2021 - 16:20

Die Waldbauern kommen auf keinen grünen Zweig, während Sägewerke und Verarbeiter mit Umsatzrekorden brillieren. Wie kann das sein?

Der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR), Georg Schirmbeck, hat die Waldbesitzer jüngst aufgerufen, auf die miserablen Preise marktwirtschaftlich zu reagieren. Bei den schlechten Preisen sollten sie keine Bäume mehr einschlagen, um damit am Markt ein Zeichen für höhere Preisforderungen zu setzen. Der Vorschlag hat unter dem Schlagwort "Sägestreik" die Runde gemacht. Laut der gängigen Marktlehre resultieren aus einem sinkenden Angebot steigenden Preise.

Als Grund für die katastrophalen Preise für Rundholz mussten bislang die Käferkalamitäten herhalten. Sie führten zum einen durch die hohen Einschlagmengen zu einem großen Anfall an Stammholz. Zum anderen wurde das Käferholz als minderwertige Ware mit Abschlägen belegt. Dadurch musste die Produktionsstufe "vor der Säge" sich mit Preisen abspeisen lassen, die teils die Kosten nicht mehr deckten. Zeitweise waren für den Festmeter Fichte nur noch 18 € zu bekommen und das bei 20 € Einschlagkosten. Ausgaben für den Transport oder die Beseitigung von befallenem Restholz kamen noch obendrauf.

Sägewerke als Flaschenhals

Wenn man nun aber anhand von Daten des Deutschen Statistikamtes nachlesen kann, dass Säge-, Hobel- und Holzimprägnierwerke einen Umsatzrekord von 6,5 Milliarden Euro im Jahr 2020 erzielt haben, kommt man ins Grübeln. Gegenüber dem Jahr 2015 ist das immerhin eine komplette Milliarde mehr. "Nach der Säge" ließ sich das von den Waldbauern gelieferte Holz also bestens vermarkten. Das legt nahe, dass die Lastenverteilung einfach nicht stimmt.

Wie kann es zu so einem zweigeteilten Markt kommen? Etwas Licht ins Dunkel bringt hier Hans Ludwig Körner, Geschäftsführer beim Bayerischen Waldbesitzerverband. "Wir haben in den bayerischen Wäldern die größten Holzvorräte Europas, die gehen uns nicht aus. Der Flaschenhals sind die Sägewerke", sagte er gegenüber dem Münchner Merkur (Ausgabe vom 11. Mai). Und er vergleicht die Situation mit einer Sanduhr. Die engste Stelle bestimmt den Durchfluss. So lässt sich erklären, dass auf der einen Seite der Sand respektive das Holz sich staut und auf der anderen Seite nur ein gleichbleibender, relativ schmaler Strom ankommt.

Steigt dann aufgrund erhöhter Bautätigkeit oder eines steigenden Exports die Nachfrage, kann es zu Verknappungen kommen, ohne dass der Rohstoff knapp geworden ist.

Zweigeteilter Markt

Ein Stau vor der Säge und ein leergefegter Markt nach der Säge würde die Zweiteilung des Marktes erklären. Insofern wäre der Aufruf von Schirmbeck eigentlich ein richtig. Wenn die Säger aus dem Vollen schöpfen können und dies ihren Lieferanten spüren lassen, muss man mit einem reduzierten Angebot darauf reagieren. Den Schnittholzabnehmern dürfte das nicht groß Kopfzerbrechen bereiten, denn für sie ist der Flaschenhals Sägewerk maßgeblich und weniger der Einschlag. Ein Marktgleichgewicht, und damit ein auskömmlicher Preis für alle, wäre dann erreicht, wenn auf der einen Seite der Engstelle in etwa das anströmt, was auf der anderen Seite abfließt.

Mittlerweile hat sich aber die Situation weiterentwickelt. Die großen Nasslager sind erheblich geschrumpft und die Sägewerke schwimmen nicht mehr im Überfluss. Dennoch ist an der Preisfront immer noch zu wenig Bewegung. Damit kommt ein weiterer Marktmechanismus zum Greifen: Die Marktmacht der Marktpartner. Rund zwei Millionen Waldbesitzern steht eine immer kleinere Schar von Abnehmern gegenüber. "Groß verhandeln", so sagen Insider, "kann man da nicht mehr, wenn man es mit einem Großsägewerk zu tun hat. Da meldet man die Menge an, liefert ab und den Preis bekommt man dann mit der Abrechnung"

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Politik reagiert mit dirigistischen Ansätzen

Und mit welchen Gedanken trägt sich jetzt die Politik. Die ersten dirigistischen Vorschläge sind bereits unterwegs. Von der SPD kommt der Vorschlag zu einem Exportstopp. Anscheinend ist hier das Vertrauen, der Markt könnte das regeln, relativ schwach. An den Flaschenhals der begrenzten Sägekapazitäten soll also nun ein zweiter Flaschenhals angeflanscht werden, dass weniger von dem raren Gut ins Ausland abfließt.

Den Waldbauern würde ein Exportstopp nichts bringen, eher noch der Bauwirtschaft. Aber es ist nicht nur Holz knapp, sondern auch Dämmmaterial oder Stahl - und die kommen wieder zu einem erheblichen Teil aus dem Ausland. Was ist, wenn dieses nun mit Gegenmaßnahmen droht? Das hört sich dann schon wieder nach jahrelangen Verhandlungen an. Damit beschäftigte sich unter anderem auch ein Runder Tisch zum Holzmarkt.

Und der Kompromiss dürfte dann kommen, wenn die Sache eigentlich zum Großteil ausgestanden ist. Sollte die Baukonjunktur drehen, dann wäre ein wichtiger Absatzweg versperrt. Probleme, die aus staatlichen Vorgaben resultieren können, sind gerade bei den Einschlagsbeschränkungen zu beobachten. Wenn die vor zwei Jahren gekommen wären, hätte das was gebracht, aber jetzt, wo der Markt sich langsam wieder bereinigt, sind sie ihrer wichtigsten Aufgabe enthoben. Zumindest bleibt aber noch der steuerliche Vorteil für diejenigen, die sich an die Beschränkung halten.

Wie wäre es, wenn versucht wird, den mittelständischen Sägewerksbereich wieder zu beleben und damit für eine dynamischere Verarbeitung und mehr Wettbewerb in diesem Bereich zu sorgen. Die Bauern stehen eigentlich immer vor dem gleichen Problem, egal ob es um Milch, Fleisch, Getreide oder Holz geht. Sie sehen sich übermächtigen Marktpartnern gegenüber, die die Preise zu wesentlichen Teilen einseitig bestimmen können.