Rapsmarkt

Schallmauer von 400 Euro erreicht

Prof. Dr. Reimer Mohr
am Montag, 30.12.2019 - 10:39

Aufwärtstrend beim Raps lässt die Börsenpreise steigen.

Am Rapsmarkt ist in den vergangenen Wochen ein Höhenflug zu beobachten. Seit Ende Oktober ist der Kurs für den Februarraps an der Matif in Paris bis Mitte Dezember um 20 €/t auf die magische Hürde von 400 €/t gestiegen. Die Ölmühlen zahlen Lieferung Dezember aktuell Preisaufschläge von 5 €/t gegenüber Paris. Für Lieferung Februar werden sogar Preise von 410 €/t genannt. Landwirte erhalten einschließlich Bonifikation bereits um die 400 €/t ab Station. Der Mairaps wird mit 394 €/t mehr als 5 €/t unterhalb des Frontmonats gehandelt. Diese inverse Preiskonstellation ist stärker ausgeprägt als in Normaljahren.

Die EU-28 ist im laufenden Vermarktungsjahr 2019/20 stark unterversorgt. Die dritte schwache Raps­ernte in Folge zeigt ihre Wirkung. Nach dem Novemberbericht des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums fehlen der EU-28 bei einer Rapsproduktion in Höhe von 17 Mio. t und einem Verbrauch in Höhe von 22,8 Mio. t insgesamt 5,8 Mio. t Ware. Neben einem Abbau der Vorräte um 0,8 Mio. t auf 900 000 t soll diese Lücke durch Importe in Höhe von 5 Mio. t gedeckt werden. Dies sind 800 000 t mehr als im Vorjahr.

Starker Rückgang

Die EU-Kommission sieht die Rapsproduktion der EU mit lediglich 16,65 Mio. t niedriger als das USDA. Dies sind fast 22 % weniger als im Mittel der vergangenen fünf Jahre. In den beiden wichtigsten Anbauländern Frankreich und Deutschland ist der Rückgang im Vergleich zum 5-jährigen Durchschnitt mit 34 % auf 3,44 Mio. t und 39 % auf 2,85 Mio. t am stärksten. Bis Ende der ersten Dezemberwoche hat die EU bereits 3,37 Mio. t Raps importiert. Davon stammten knapp 2,5 Mio. t aus der Ukraine. Damit ist die Ukraine wie erwartet, so gut wie ausverkauft. Dabei suchen die Ölmühlen in Europa suchen nach Ware.

Australischer Raps hat in den vergangenen Jahren die Versorgung der europäischen Ölmühlen ab dem Frühjahr sichergestellt. In diesem Jahr steht über der Höhe der australischen Rapslieferungen erneut ein großes Fragezeichen. Bereits in der Ernte 2018 wurde mit knapp 2,2 Mio. t bereits eine niedrige Rapsernte eingefahren. Für dieses Jahr soll die Produktion noch einmal 100 000 t niedriger liegen. In den Jahren 2017/18 und 2016/17 lag die australische Rapsproduktion zwischen 3,7 Mio. t und 4,4 Mio. t. Seit Monaten ist es in Australien zu heiß und zu trocken.

Diskussion um Canola

Kanada ist im zweiten Jahr in Folge der weltweit größte Rapsproduzent. Das USDA erwartet für dieses Jahr eine Ernte in Höhe von 19 Mio. t (Vj. 20,3 Mio. t). Davon sollen 9,5 Mio. t in den Export fließen. Statistics Canada sieht die eigene Rapsproduktion nach dem frühen Wintereinbruch sogar nur noch bei 18,6 Mio. t. Allerdings wird in Kanada genmodifizierter Raps angebaut. Dies schränkt die Verarbeitung in Europa ein.

Zwar lässt sich aus Canola gewonnenes Rapsöl problemlos in der Biodieselindustrie einsetzen, allerdings finden sich für das genmodifizierte Rapsschrot kaum Abnehmer. Entscheidet sich eine Ölmühle für den Einsatz kanadischer Ware, ist ein Umstieg auf europäische Ware so schnell nicht möglich, da die Reinigung der Anlage, um sämtliche Rückstände von GVO-Ware zu vermeiden, aufwendig ist.

Preisanstieg beim Palmöl

Die Analysten schauen aktuell mit Sorgenfalten auf die Palmölproduktion in Malaysia und Indonesien. Die Produktion steigt langsamer an als in den Vorjahren. Dies führt zu einem starken Abbau der Vorräte in den beiden Hauptanbauländern.

Die Folge ist eine Preisrallye am Palm­ölmarkt. So steigt der Palm­ölpreis in Rotterdam seit August 2019 von 450 €/t auf 685 €/t. Die Prämie gegenüber Rohöl ist damit von 40 €/t auf 260 €/t angestiegen. Damit ist der Einsatz in der Biodieselindustrie über die Beimischungspflichten hinaus nicht mehr attraktiv. Während der Einsatz von Palmöl vor allem im asiatischen Raum weiter zunimmt, geht er in Europa zurück. Auch das Preisverhältnis zu den anderen Pflanzen­ölen hat sich damit deutlich reduziert. So beträgt die Prämie für Sojaöl nach 220 €/t im August aktuell nur noch 45 €/t und für Rapsöl nach 320 €/t im August derzeit noch 145 €/t. Damit ist vor allem die Wettbewerbsfähigkeit von Sojaöl deutlich gestiegen. Insgesamt bleiben Pflanzenöle in den kommenden Monaten am Weltmarkt gefragt und teuer.

Ruhe im Handelsstreit?

Rechtzeitig vor Ablauf des US-Ultimatums am 15. Dezember haben die USA und China eine erste Einigung im anderthalb Jahre andauernden Handelsstreit erzielen können. Während die USA zustimmten, einen Teil der Strafzölle auf chinesische Waren zu halbieren, versprach China US-­Agrarprodukte in Höhe von 50 Mrd. US-$ zu kaufen. Dies könnte besonders die Sojabohne und Schweinefleisch betreffen.

Der Kurs für die Januarbohne in Chicago stieg daraufhin um 5 $/t auf 272 US-$/t. Die US-Bohne erreicht damit gegenüber der südamerikanischen Ware einen Wettbewerbsvorteil. Damit dreht sich das Karussell im Außenhandel zurück. Während US-Ware in China punktet, wird südamerikanische Ware US-Ware in Europa verdrängen. Einfluss auf die Höhe des Welthandels hat die Entscheidung nicht. In China wird weiter darüber spekuliert, wie stark die chinesische Nachfrage nach Soja tatsächlich ist, da aufgrund der Schweinepest der Viehbestand deutlich reduziert wurde.

Auch über der südamerikanischen Ernte stehen erste Fragezeichen, obwohl das USDA seine Prognosen für die Sojaproduktion in Brasilien (123 Mio. t) und Argentinien (53 Mio. t) gegenüber dem Vormonat nicht angepasst hat. Allerdings ist es in einigen Teilen Argentiniens derzeit zu trocken, sodass mögliche Korrekturen der argentinischen Produktion nicht auszuschließen sind. In Brasilien wird in der Mehrzahl der Provinzen nach der Aussaat von einer guten Vegetationsentwicklung berichtet. Darüber hinaus wird in beiden Ländern über eine Anhebung von Exportzöllen spekuliert, um die heimische Verarbeitungsindustrie zu unterstützen.

Rapsaussaat 2020

Die knappe Marktversorgung mit Raps wird sich auch zur Ernte des Jahres 2020 fortsetzen. Das Agrarministerium in Paris veröffentlichte einen Rückgang der Aussaatfläche auf knapp 1 Mio. ha. Für Deutschland wird von der UFOP mit knapp 900 000 ha wie im Vorjahr eine niedrige Aussaatfläche prognostiziert. Beide Länder haben in der Vergangenheit zusammen ca. 40 – 50 % der EU-Produktion ausgemacht. Die Lücke der beiden Länder kann nicht durch die übrigen EU-Nationen geschlossen werden. Daher stieg der Augustraps 2020 in Paris auf 380 €/t. Ab Station berichten Landwirte von Preisen zwischen 365 und 370 €/t.