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Initiative Tierwohl+++aktualisiert+++

Sauerei: Tönnies kündigt Tierwohl-Verträge

Josef koch
Josef Koch
am Sonntag, 14.08.2022 - 11:29

Schlachtunternehmen haben Absatzprobleme für ITW-Schweinefleisch. Tierhalter bleiben auf höheren Kosten sitzen.

Schweinemast-Stroh-Tierwohl

Erst kürzlich hatte sich der Bund skeptisch geäußert, ob sich durch ein staatliches Tierwohl-Label der Absatz von einheimischem Schweinefleisch verbessern wird. Aktuell zeigt sich am Markt, wie schwer sich Verbraucher beim Einkauf tun, wenn sie dafür mehr Geld auf den Tisch legen sollen.

Die Nachfrage nach Fleisch von Schweinen aus der Initiative Tierwohl (ITW) ist zu gering. Einigen Schweinehaltern wurden deshalb in den vergangenen Tagen ihre Lieferverträge gekündigt, berichtet die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). Folge: Die Schweinehalter bleiben auf ihren höheren Kosten sitzen.

Wie zu hören ist, können die gekündigten Landwirte aktuell ihre ITW-Schweine auch ohne Vertrag vermarkten. Doch wenn das Schweineangebot in wenigen Wochen wieder zunimmt, müssten die betroffenen Landwirte dann auf die ITW-Zuschläge verzichten.

Absatz für ITW-Fleisch stockt

In den vergangenen Tagen hat die ISN nach eigenen Angaben vermehrt Rückmeldungen von Betrieben bekommen, die an der ITW teilnehmen und deren Lieferverträge gekündigt wurden. Meist handelte es sich dabei um Lieferverträge mit dem Schlachtunternehmen Tönnies. Begründet wird dies seitens des Schlachtunternehmens mit der zu geringen Nachfrage nach Tierwohlfleisch und die dadurch fehlende Bezahlung seitens der Fleischabnehmer. Nach ISN-Angaben haben auch andere Schlachtunternehmen Absatzproblem mit ITW-Schweinefleisch. Der schwächelnde Verkauf von Schweinefleisch im Lebensmitteleinzelhandel wirke sich verstärkt aus, weil der Hauptteil des Fleisches von ITW-Tieren in den Frischfleischbereich des deutschen Lebensmitteleinzelhandel vermarktet wird, so die ISN.

Staatliche Unterstützung dringend gefordert

ISN-Vorsitzende Heinrich Dierkes redet nun Tacheles. „Wir diskutieren inzwischen seit einer Dekade über Tierwohl. Die Wirtschaft ist mit der Initiative Tierwohl vorangegangen und wir müssen nüchtern feststellen, dass sich mehr Tierwohl nur dann finanzieren lässt, wenn zum einen die gesamte Wirtschaft mitziehen würde.“ Das ist aber nicht der Fall. Unter anderem entziehen sich in weiten Teilen Fleischverarbeitung, Großhandel und Gastronomie der Initiative Tierwohl. „Und es geht angesichts ungleicher Voraussetzungen im globalen Markt zum anderen auch nur mit finanzieller Unterstützung des Staates“, so der ISN-Vorsitzende. Doch wie der Bund den Umbau der Tierhaltung finanzieren wird, gibt es immer noch keine Einigung innerhalb der Ampelregierung.

Seiner Meinung nach dürfen die ohnehin zu knappen Tierwohlzuschläge erst recht nicht die Legitimation dafür sein, dass auf der anderen Seite die Basispreise für Fleisch zur Inflationsbremse derart auf Weltmarktniveau gedrückt werden, dass Schweinehalter hierzulande dauerhaft hohe Verluste einfahren.

Tönnies nimmt Stellung

Tönnies-Schlachthof-Rheda-Wiedenbrück

Auf Nachfrage des Wochenblatts bestätigt das Schlachtunternehmen Tönnies, der Rückgang des Schweinefleischabsatzes am deutschen Markt gleichermaßen für QS- wie für ITW-Ware. Diese Entwicklung habe Tönnies dazu gezwungen, den Anteil an ITW-Schweinen vorübergehend der Nachfrage anzupassen. 

Wie ein Unternehmenssprecher betont, sei man gemeinsam mit dem LEH von bestimmten Volumina ausgegangen, die bei der Umsetzung der Programme als realistisch eingeschätzt wurden. "Wir müssen jedoch feststellen, dass die Volumen nicht den damaligen Planungen entsprechen", so der Unternehmenssprecher. 

Er versichert, Tönnes habe "selbstverständlich weiterhin Interesse an einer kontinuierlichen Zusammenarbeit und werde entsprechende Vereinbarung vorbereiten."

 

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