Ami-Milchpreisvergleich

Rekordanlieferung trotz Dürre- Rückblick 2018

Milchviehbetrieb
Andreas Gorn, ami
am Mittwoch, 24.07.2019 - 15:01

Der deutsche Milchmarkt konnte sich 2018, nach schwachem Start, in preislicher Hinsicht auf allen Marktstufen wieder erholen.

Hierzu hat insbesondere der erneute zwischenzeitliche Hype beim Milchfett beigetragen. Im Sommer führten Dürre und Trockenheit zu Ertragseinbußen. Fehlendes und qualitativ abfallendes Grundfutter dämpfte den Milchanfall im zweiten Halbjahr, jedoch weniger als zunächst befürchtet.

Die Zahl der Milchkühe in Deutschland hat 2018 weiter um 2,3 % auf 4,1 Mio. Tiere abgenommen. Damit erreichte der bundesdeutsche Bestand wieder annähernd das Niveau von 2007. Bei flächendeckendem Bestandsabbau war die Reduktion der Tierzahlen in Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Hessen am stärksten ausgeprägt. Auch der Rückgang der Milchkuh-Haltungen setzte sich fort. Ende 2018 gab es bundesweit noch rund 62.800 Haltungen, 4,5 % weniger als ein Jahr zuvor. Die durchschnittliche Tierzahl je Haltung stieg auf 65. Die Spreizung war dabei nach wie vor sehr stark und reichte von Betrieben mit rund 40 Tieren in Bayern bis zu über 200 Tieren in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Hitze dämpft das Wachstum

Trotz der geringeren Zahl der Milchkühe und der deutlich rückläufigen Milchpreise, erfassten die deutschen Molkereien im ersten Halbjahr von 2018 gut 3 % mehr Milch als im Jahr zuvor. Zur Jahresmitte drehte sich das Bild jedoch. Im Juli und August sank die Milchanlieferung durch den Hitzestress bei den Kühen kurzfristig unter die Vorjahreslinie - vor allem im Norden und Osten. Mit der Normalisierung der Wetterlage stabilisierten sich die Mengen zunächst wieder, im vierten Quartal rutschte das Rohstoffaufkommen jedoch zunehmend unter das Vorjahresniveau.

Trotz des gedämpften Verlaufes im zweiten Halbjahr erreichte die Kuhmilchanlieferung 2018 mit bundesweit 32,5 Mio. t ein neues Rekordniveau. Davon wurde bereits mehr als die Hälfte gentechnikfrei produziert, mit weiter steigender Tendenz.

Futterknappheit führt zu vermehrten Schlachtungen

Neben dem punktuellen Rückgang der Milchmengen führte die sommerliche Dürre zu einem Futtermangel in den Milchviehbetrieben. Vor allem Grundfutter war vielerorts knapp. Auch die Getreideernte ging deutlich zurück. Dies ließ die Preise für Zukauffutter in die Höhe schnellen. Um den Futterbedarf zu senken, wurden Bestände reduziert. Im Juli und August kam es dadurch zu einem starken Anstieg der Kuhschlachtungen. Dennoch wurden 2018 in Deutschland insgesamt 1,2 % weniger Kühe geschlachtet als im Vorjahr.

Fett nur im Zwischenhoch, Eiweiß nachhaltig erholt

An den Produktmärkten haben sich die Preise, nach dem deutlichen Einbruch Ende 2017, in der ersten Jahreshälfte von 2018 zunächst wieder befestigt. Butterfett erlebte dabei einen erneuten Höhenflug, erreichte die Spitzenpreise des Vorjahres aber nicht wieder. Auch Schnittkäse legte im Zuge der Aufwertung von Milchfett spürbar zu. In Richtung Herbst war das Angebot an Butter jedoch größer als der Bedarf, vom Höchststand bis zum Jahresende wurde Blockbutter um mehr als ein Viertel abgewertet. Auch Schnittkäse schwächelte preislich im vierten Quartal leicht.

Magermilchpulver setzte hingegen die Erholung auch in der zweiten Jahreshälfte fort, allerdings auf niedrigem Niveau. Dies zeigte vor dem Hintergrund der umfangreichen Verkäufe von Interventionsware die hohe Aufnahmefähigkeit des Marktes für Milcheiweiß.

Milchfett war, wie bereits im Vorjahr, durch sein anhaltend überdurchschnittliches Preisniveau der ausschlaggebende Faktor, der die Höhe der Auszahlungsleistungen der Molkereien bestimmte. Eiweiß konnte dazu nur wenig beitragen.

Rücknahmen beim Milchgeld

In Folge des starken Preisverfalls bei Butter und Käse im Herbst 2017 startete das vergangene Jahr mit deutlichen Abschlägen für die Erzeuger. Der erneute Preisanstieg beim Milchfett stabilisierte das Milchgeld im zweiten Quartal. Ab Juni ging es sogar wieder aufwärts, aber weniger dynamisch als im Vorjahr. Im vierten Quartal führte die Preisschwäche bei Butter und Käse erneut zu Rücknahmen. Alles in allem verfehlten die Erzeugerpreise für konventionelle Milch 2018 das Vorjahresniveau um rund 5 %.

Auch die Auszahlungsleistung für Bio-Milch gab im Vorjahresvergleich leicht um 1,5 % nach. Vor dem Hintergrund des im zweiten Jahr in Folge stark gestiegenen Milchaufkommens zeigte sich der Bio-Markt damit im vergangenen Jahr aber erstaunlich aufnahmefähig.

Liquidität in den Milchviehbetrieben gemindert

Die Kennzahlen der Milchproduktion haben sich überwiegend zu Ungunsten der Milcherzeuger entwickelt. Neben dem geringeren Milchgeld sind auch die Erlöse für Altkühe und Kälber zurückgegangen. Auf der Kostenseite waren es in erster Linie die Futterkomponenten, die sich verteuerten. Im Zuge der dürrebedingten Ernteverluste stiegen die Preise für Futtergetreide, Milchleistungsfutter und siliertes Grundfutter ab der Jahresmitte rasant. Dadurch hat sich die wirtschaftliche Situation der deutschen Milcherzeuger 2018 erneut eingetrübt.