Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Milchmarkt

Nicht reagieren, sondern agieren

Melken
Rainer Königer Portrait 2019
Rainer Königer
am Montag, 30.12.2019 - 10:05

Verband der Milcherzeuger Bayern sucht nach Wegen, die Gesellschaft wieder hinter sich zu bringen.

Die Lage ist frustrierend. Wenn die Landwirte nicht mehr über Preise reden, dann stimmt etwas nicht. Grund dafür sind die Anfeindungen aus gewissen Kreisen, die die Arbeit der Landwirte anprangern. „Wir müssen es schaffen, mehr in den proaktiven Dialog zu kommen“, sagte Wolfgang Scholz, Vorsitzender des Verbands der Milcherzeuger Bayern (VMB), auf der Abschlusssitzung Mitte Dezember in Wolnzach.

Durch die Hetzjagd auf die Bauern sei man in einer defensiven Rolle und könne nur reagieren: „Diesen Spieß umzudrehen, ist verdammt schwer“, so Scholz. Die völlig unerwarteten Anfeindungen und Angriffe dürften nicht in einem Gegenangriff enden, meinte dazu Herbert Maier, Vorsitzender der Bayern MeG. Man müsse die Landwirte mit positiven Argumenten ausstatten, die die Gegenseite nicht angreifen. Das hält auch Scholz „für einen sehr guten Ansatz“. Allerdings: Genau das mache der Bauernverband, so der VMB-Vorsitzende: „Die Argumente gibt es, aber sie dringen nicht durch.“

„Um den Dialog mit den NGOs kommen wir nicht herum“, erklärte dazu der BBV-Milchpräsident Günther Felßner. Die Demonstrationen von Land schafft Verbindung sieht Felßner als Chance. Denn so öffne sich die Tür zur Kommunikation und zum Dialog.

Wir brauchen irgendeine geniale Idee

Den Landwirten Unterstützung zugesagt hat Susanne Glasmann. Sie ist Geschäftsführerin des Verbands der Bayerischen Privaten Milchwirtschaft (VBPM) und Vorstand im Molkereiverein milch.bayern. „Wir brauchen irgendeine geniale Idee“, meinte sie auf der VMB-Sitzung. Als Beispiel für eine gelungene Kam­pagne nannte sie das Volksbegehren „Rettet die Bienen“. „Wer hätte gedacht, dass man mit einer Biene so viel Unsinn anrichten kann“, erklärte Glasmann. Man müsse versuchen, die richtigen Bilder zu erzeugen, und dafür müsse man Profis engagieren, so der Vorsitzende des VMB.

Um der Milchwirtschaft ein positives Gesicht zu geben, war der VMB euch im abgelaufenen Jahr aktiv. Seit April 2019 hat der Verband eine neue Homepage.  „Die Zugriffe sind in einer guten Entwicklung“, so Scholz. Als Botschafterinnen der bayerischen Milch wurden 2019 wieder eine bayerische Milchkönigin und -prinzessin gewählt. Ein gemeinsames Projekt von VMB und milch.bayern

Um mit den Verbrauchern in Dialog treten zu können, war der VMB mit der Milchbar auf den Bauernmarktmeilen in Nürnberg und München vertreten. Einen gemeinsamen Auftritt mit milch.bayern gab es auf dem großem Landtagssommerfest in Schleißheim. Eines der wichtigsten Ereignisse 2019 nannte Scholz die Vorstellung der Definition der Kombihaltung am 8. Juli. Das Ergebnis bezeichnete er als bestmöglichen Kompromiss.“

Bemerkenswert sei auch, dass die gesamte Milchbranche hinter der neuen Regelung stehe. Scholz hoffte, dass die Kombihaltung gut angenommen wird: „Das nimmt Druck vom Kessel.“ Ebenso zufrieden ist der VMB-Vorsitzende mit den Veranstaltungen „Infotreff Milch“, die in verschiedenen Regionen Bayerns durchgeführt wurden: Das ist ein Format, das wir fortführen müssen und wollen.“

Digitalisierung und Hemmstofftest

Neben Themen der Öffentlichkeitsarbeit stehen bei VMB auch Produktionsthemen auf der Tagesordnung. Eines dieser Themenfelder betrifft die Einführung des neuen Hemmstofftests, der schneller anschlägt als der alte. In diesem Jahr soll eine Übergangsphase zeigen, welche Ergebnisse der neue Test bringt. Ab 1. Juli 2020 soll der neue Test dann gelten. „Wer positiv ist, muss intensiv betreut werden“, so Scholz‘ Forderung. Die Umstellung des Tests wird notwendig, um den Forderungen der EU nachzukommen.

Auch das Thema Digitalisierung steht auf der Agenda. Welche Daten werden auf den Höfen erhoben, wo landen sie? „Wir müssen uns erst sondieren und wollen das Thema im Bauernverband anstoßen“, so Scholz. Der Südtiroler Bauernverband habe dafür vier IT-Spezialisten eingestellt.