Pflanzliche Eiweißschrote

Raps, Soja oder Palmöl?

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Rainer Königer Portrait 2019
Rainer Königer
am Freitag, 19.03.2021 - 06:15

Ölsaaten: Diese Kulturen bestimmen die Preise.

Die Börsenkurse für Ölsaaten sind durch die Decke gegangen. Bei einem digitalen Marktgespräch des BBV erfuhren die Teilnehmer viel über den Status quo der Erzeugung und die weltweiten Handelsströme. Wie Marktreferent Anton Huber erklärte, spielen in der EU in Sachen Ölsaaten zwei Kulturen eine Rolle: Raps und Sonnenblumen.
Für 2020/21 erwartet man in der EU eine Raps-Produktion von 17,1 Mio. t. Der Verbrauch wird mit rund 23,4 Mio. t deutlich darüber liegen. Die Lagerbestände in der EU sind äußerst knapp. Sie liegen bei nicht einmal 1 Mio. t. Die Anbaufläche in Deutschland (2020: 957 000 ha, 2021: 1,05 Mio. ha) ist zwar wieder gestiegen. Probleme machen aber fehlende Beizen, der Rapsglanzkäfer und die Trockenheit.
Deutschland und die EU sind also auf Importe angewiesen. Und die kamen 2019/20 vor allem aus der Ukraine (3 Mio.t), Kanada (2 Mio.t) und Australien (1 Mio.t). Bei den Importländern gibt es Konkurrenz. Wenn beispielsweise China viel kauft, wird es für die EU teuer. Teurer wird es auch, wenn der Euro im Vergleich zum US-Dollar stark ist.

Global unterversorgt

Auch weltweit wird der Verbrauch die Produktion übersteigen. Wie Huber erklärte, rechnet man für 2020/21 mit einem Verbrauch von 71 Mio. t, während die Produktion auf 69 Mio. t geschätzt wird. Auch weltweit sind die Lagerbestände knapp (5. Mio. t). Die Bestände an Raps „würden nur 26 Tage reichen“, machte der Marktexperte deutlich.

Im Vergleich zum Soja ist der Raps ein eher kleines Licht. Soja macht am weltweiten Proteinmarkt rund 71 % aus, Raps nur 11 %. Huber dazu: „Der Preis für Sojaschrot entscheidet über den Preis für Rapsschrot.“ Die Hauptproduzenten von Soja sind Brasilien (37 %), die USA (31 %) und Argentinien (13 %). Einfluss auf die Aussaat und Ernte in diesen Regionen hat derzeit das Wetterphänomen El Niná. Es sorgt für Kaltwasserzonen im Atlantik. Die Folgen sind unter anderem Kälte in Nordamerika und Wetterextreme in Südamerika.
Der Sojaanbau spielt in Europa eine eher untergeordnete Rolle. Zuwächse gibt es vor allem in Italien und Rumänien. Auf niedrigem Niveau steigend sind auch die Bestände in Bayern. 2020 wuchs diese Pflanze auf rund 18 000 ha. Ein Blick zurück auf den Weltmarkt: Auch beim Soja sinken die Endbestände. Seit zwei bis drei Jahren übersteigt der Verbrauch die Produktion. Größter Nachfrager ist auch hier China. In China finden sich in der Saison 2020/21 rund 34 % der weltweiten Endbestände. Die USA ist mit rund 5 % so gut wie ausverkauft.
Diese Entwicklungen haben die Preise nach oben getrieben. „Der Kursverlauf ist dementsprechend“, machte Huber klar. Getrieben wurde und wird der Trend auch durch die Trockenheit in Argentinien und starke Regenfälle in Brasilien, die die Ernte behindern. Auch die Coronapandemie hinterlässt ihre Spuren. In Brasilien „drohen die Häfen schon mit Schließungen, wenn es zu gefährlich wird“, erklärte der Marktreferent.

Markt für Pflanzenöle

Beim Blick auf die Pflanzenölmärkte ergibt sich wieder ein anderes Bild. Hier dominiert das Palmöl. Wie Huber darstellte, hat Palmöl bei den Exportzahlen einen Anteil von 59 %. Die Preise beim Pflanzenöl hängen folgerichtig vom Palmöl ab. „Schrot spielt bei der Palme keine Rolle“, so Huber. Im Vergleich zur Palme ist der Raps ein Alleskönner: Er liefert rund 40 % Öl, 60 % Futtermittel und – nicht zu vergessen – rund 100 kg Rapshonig pro ha. Das wären eigentlich gute Argumente für den Rapsanbau in der Teller-Tank-Diskussion. Heimisches Öl, heimische Futtermittel und Nahrung für Bienen und Insekten.