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Qualitätsstandards

QM-Milch: Was gilt jetzt eigentlich?

Ludwig Börger (l.) von QM Milch und der DBV-Milchpräsident Karsten Schmal (r.) stellten sich in Abenberg (Landkreis Roth) den Fragen der Milchviehhalter.
Rainer Königer
am Freitag, 11.11.2022 - 07:21

Für QM-Milch gelten ab 1. Januar 2023 strengere Regeln. Hauptknackpunkt: Das Tier-Liegeplatz-Verhältnis von 1:1.

Bei der jüngsten Sitzung des Vorstands und des Aufsichtsrats der Bayern MeG stellten sich diesmal DBV-Milchpräsident Karsten Schmal und Ludwig Börger, Geschäftsführer bei QM-Milch, den Fragen der Milchviehhalter. Für QM-Milch gelten ab 1. Januar 2023 strengere Regeln. Hauptknackpunkt: Das Tier-Liegeplatz-Verhältnis von 1:1.

Unter den K.o.-Kriterien für den neuen QM-Standard finden sich dann 20 statt 17 Punkte. Dazu gehört auch das Tier-Liegeplatz-Verhältnis von 1:1. Mit dieser Formulierung wäre eine Überbelegung im Stall verboten. Doch wie Börger darstellte, ist eine zeitweise Überbelegung erlaubt. Wie er zudem erklärte, sei bei den Erstaudits zur Teilnahme an QM+ und QM++ eine Überbelegung von 10 % in den Gruppen kurzzeitig erlaubt. Bei QM Standard gelte die entsprechende Regelung kurzfristig für die ganze Herde. Laut Börger sollten die Zertifizierer über die Prüfkriterien aus dem QM-Handbuch Bescheid wissen, dass eine Überbelegung in diesem Rahmen erlaubt ist.

Probleme mit Auditoren

Wie auf der Sitzung klar wurde, gab es aber bereits Probleme mit Auditoren, die von dieser Regelung entweder nichts wussten oder diese nicht anwenden wollten. Ergebnis: Der Betrieb ist durchgefallen. Börger dazu: „Das ist nicht das, was wir definiert haben.“ Das Thema ist heikel und dass die Milchviehalter darüber ihren Unmut äußerten, weil sie sich abermals in einer Grauzone befinden, ist mehr als nachvollziehbar. Die Vertreter der Bayern MeG betonten vor diesem Hintergrund letztendlich, sich weiter dafür einzusetzen, dass QM-Milch praxistauglich gestaltet werde.

Wie verrückt und gegensätzlich Tierwohl und Klimaschutz derzeit aufeinanderprallen, prangerte Milchpräsident Schmal an. Er befürchtet, dass die Industrieemissionsrichtlinie (IED) der EU auch für Ställe in einer Größenordnung von über 100 Kühen angewendet wird. Für einen tierwohlfreundlichen Offenfrontstall wäre dies dann wohl das aus, weil die Emissionsgrenzen nicht eingehalten werden können.

Jetzt sind die Zeiten noch unsicherer

Im Hinblick auf die Krisen der letzten Jahre meinte Schmal, dass man während der Pandemie „eigentlich noch ganz gut weiterarbeiten konnte“. Doch: „Jetzt sind die Zeiten noch unsicherer.“ Futtermittel, Düngemittel, Energie – alles ist, auch und vor allem bedingt durch den Angriffskrieg Russlands, sehr teuer geworden. Der Dieselzusatz AdBlue hat sich beispielsweise im Preis versiebenfacht. Zu den Milchauszahlungspreisen meinte er: „Ich hoffe, dass die Preise noch lange oben bleiben. Aber das Leben ist keine Einbahnstraße.“

Dass derzeit kaum Voraussagen möglich sind, machte auch der Marktexperte des VMB, Jürgen Geyer, klar. Der Milchmarkt sei inzwischen wie ein Adventskalender, bei dem sich jeden Tag ein neues Türchen öffnet, das Einfluss auf die Preise nimmt. Die Kurven am Weltmarkt bewegen sich inzwischen aber nach unten und es bleibe abzuwarten, wie sich das Verbraucherverhalten angesichts der Inflation weiter entwickelt.

Preisverhandlungen mit den Abnehmern

Die Bayern MeG hat bereits vor einem Jahr, als die Preise zu steigen begannen, auf kurzfristige Preisverhandlungen gesetzt. Das war laut Vorsitzenden Herbert Mayer eine weitsichtige Entscheidung. In der jetzigen Phase will die Bayern MeG mit längerfristigen Preisfestsetzungen auf die Unsicherheiten reagieren.

Vom Aufsichtsrat einstimmig zum geschäftsführenden Vorstand berufen wurde vergangene Woche der Geschäftsführer der Bayern MeG, Markus Seemüller. Die Berufung tritt zur Mitgliederversammlung 2023 in Kraft. Dann steht auch die Wahl der restlichen Vorstände an.