Schweinemarkt

Preiskrise: Handelsaktionen kommen bei Bauern nicht an

Josef Koch
Josef Koch
am Dienstag, 22.12.2020 - 14:41

Nichts als ein schöner Marketinggag sind bisher die Preisaufschläge von Lidl und Rewe. Bei den Bauern kommt nichts an.

Schweinestall

Die Schweinehalter warten noch immer darauf, dass die Ankündigungen von Lidl oder Rewe auch auf den Höfen ankommt. So hat Discounter Lidl zugesagt, für 10 Schweinefleischprodukte in den Verkaufsstellen den Preis um 1 €/kg anzuheben und den Mehrerlös an die Landwirtschaft auszuschütten. Auch Rewe will einen Aufpreis beim Schweinefleischeinkauf gewähren.

Bis zum heutigen Tag ist das Geld noch nicht auf den Höfen angekommen, bemängelt die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG). Kalkulationen der Schlachthöfe haben ergeben, dass die Zusatzeinnahmen durch diese insoliert durchgeführte Lidl-Aktion so gering sind, dass man dies nicht über einen höheren Erzeugerpreis oder Notierung abbilden könne. Die Rede ist von 0,5 Cent/kg.

Mindestens 30 Prozent höhere Preise sind nötig

Damit ist für Matthias Frieß, VEZG-Vorsitzender klar, dass die punktuell auf wenige Produkte bezogene Preiserhöhung des Handels so nicht funktionieren kann. Die mit hohen Margen vom Lebensmittelhandel (LEH) erzielte Wertschöpfung muss in der Breite endlich gerecht an die Landwirtschaft verteilt werden, fordert Frieß. Aufgrund steigender Produktionsauflagen benötigt die deutsche Landwirtschaft eine grundsätzliche Anhebung des Erzeugerpreisniveaus von mindestens 30 Prozent.

Dazu ist vom gesamten LEH sehr kurzfristig das Signal erforderlich, höhere Einstandspreise zu akzeptieren. Nur so kann in der Breite der Landwirtschaft die dringend benötigte Wertschöpfung kurzfristig und unbürokratisch ankommen.

Gelingt es nach Frieß Meinung in den Kernbereichen Vieh und Fleisch und Milcherzeugung nicht eine gerechtere Verteilung der Wertschöpfung zu erzielen, könne die Ernährungssicherheit mit deutschen Produkten nicht mehr gewährleistet werden. Das zeigten die Aktionen der landwirtschaftlichen Basis in den vergangenen Wochen sehr deutlich.