Bauernproteste

Preiskrise: Glatte 6 für Antworten der Verarbeiter

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 25.11.2020 - 09:43

Als insgesamt unzureichend empfindet das Verbändebündnis Milchdialog die Antworten der Verarbeiter. Hier die Begründung.

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Das Verbändebündnis Milchdialog hat nun die zahlreichen Antworten der Verarbeiter auf die Aktion „Schluss mit lustig“ bewertet. Positiv betrachtet, ist laut Milchdialog den Antworten der Verarbeitungsunternehmen, zu entnehmen, dass diese ganz überwiegend die Notwendigkeit von Preiserhöhungen bei den Erzeugern anerkennen. Doch gerade vor diesem Hintergrund müsse das Fazit der Auswertung aller Antworten der Verarbeitungsunternehmen dann leider lauten: „Insgesamt unzureichend“, so die beteiligten Verbände.

„Keine der Fragen, die wir an unsere Verarbeitungsunternehmen gestellt haben, wurde letztlich – bis auf ganz wenige Ausnahmen – so beantwortet, dass sich daraus eine Lösung für die existenziellen Probleme der tierhaltenden Betriebe ergeben könnte“, kritisieren die Teilnehmer des Milchdialogs.

 

Motivation und Fantasie fehlen vielen Verarbeitern

Die Erwartungen der Teilnehmer an die Antworten der Verarbeiter waren ohnehin durchaus begrenzt, weil der hohe Wettbewerbsdruck, unter dem auch die Verarbeitungsunternehmen stehen, bekannt ist. "Auch angesichts der seit langen Jahren bekannten Positionen hatten wir keine Wunder erwartet“, so die Milchdialog-Teilnehmer.

„Was wir aber im Minimum erwartet hatten, war, dass man die Lage der tierhaltenden Betriebe ernster nimmt. Den positiveren Antwortschreiben der Molkereien könne man eine gewisse Hilflosigkeit gegenüber der aktuellen Marktsituation entnehmen und eine grundsätzliche Bereitschaft auch über europäische Lösungsansätze für den Milchmarkt nachzudenken.

Die Vielzahl an stereotypen, häufig nur kopierten Antworten der Molkereien lässt hingegen laut Milchdialog erkennen, dass es hier ganz wesentlich an Motivation und Fantasie fehlt, sich für den Erhalt tausender landwirtschaftlicher Betriebe, die existenziell bedroht sind, ins Zeug zu legen. Die Antwort der Verarbeiter im Fleischbereich fiel insgesamt weniger einheitlich aus, aber auch hier gab es fast ausnahmslos eher den Verweis auf die Probleme des eigenen Unternehmens statt sich intensiver mit möglichen Lösungen für die Erzeuger zu befassen, bemängeln die Akteure.
 

Aktiv nach euopäischen Lösungen suchen

Als zu wenig sieht das Verbändebündnis die Argumente der Verarbeitungsunternehmen, dass rein nationale Preiserhöhungen nicht machbar und nicht zielführend seien, gleichzeitig wurde betont, dass es für europäische Lösungen Mehrheiten brauche, die aktuell nicht in Sicht seien.

Die Teilnehmer des Milchdialogs erwarten, dass die Unternehmen europäische Mehrheiten aktiv suchen, wenn sie benötigt werden. Speziell die Milchbranche habe auf politischer Ebene sehr daran gearbeitet, in Eigenverantwortung und im Zuge einer nur national angelegten Sektorstrategie die Probleme des Milchmarkts regeln zu wollen. "Wenn sie dieser Verantwortung gerecht werden will, muss sie in dieser akuten Situation der Milchviehhalter jetzt mehr als Standardantworten liefern, die schon bisher keine Verbesserung der Situation der Erzeuger bewirkt haben", so die Forderung des Verbändebündnisses.