Versprechen

Preiskrise: Aldi setzt auf heimische Frischmilch

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 30.12.2020 - 17:01

Aldi will künftig nur Frischmilch aus Deutschland anbieten. Ein gemeinsamer, schneller Hilfsfonds für Landwirte bleibt wohl Utopie.

Aldi-Schild

Aldi Nord und Aldi Süd wollen ihre konventionelle und Bio-Frischmilch künftig nur noch aus heimischer deutscher Landwirtschaft beziehen und sich zugleich für langfristige Verträge einsetzen, um deutschen Landwirten eine bessere Planungssicherheit zu geben. Das haben die beiden Unternehmen nach den jüngsten Bauernprotesten zugesagt. Gleichzeitig haben sie nach Gesprächen mit Landwirtschaftsvertretern weitere Maßnahmen beschlossen, um die Situation der deutschen Landwirtschaft zu verbessern. 

Angesichts dieser Bemühungen zeigte Aldi kein Verständnis für radikale Bauernproteste gegen den Einzelhandel. So haben man Verständnis, wenn Landwirte ihren Unmut kundtun und protestieren - "das istAusübung von Grundrechten", teilen die Unternehmen mit.

"Kein Verständnis haben wir hingegen für Blockade-Aktionen, wie wir sie derzeit vor einigen unserer Logistikzentren gesehen haben", so Aldi.  Insbesondere zu dieser Jahreszeit und in einem Corona-Lockdown halten es die beiden Unternehmen für unverantwortlich, die Versorgung der Bevölkerung zu gefährden. "Wir setzen uns intensiv für einen konstruktiven Dialog ein, rufen alle Beteiligten zur Besonnenheit auf und laden ein, den erfolgreich begonnenen Dialogprozess weiter fortzuführen,“ appelliert der Discounter an die Landwirte.

Aldi: Butterabschlüsse wohl zum Teil nur mit maximal 15 Cent/kg Minus

Zugleich stellte Aldi klar, dass die derzeitige Situation der Butterpreise saisonal bedingten Marktschwankungen entspricht, wie sie jedes Jahr auftreten. Die Unternehmen betonten, dass es sich bei den aktuellen Ausschreibungen um eine turnusgemäße Vorgehensweise handelt.

„Es ist völlig normal und wiederholt sich jedes Jahr aufs Neue, dass die Einkaufspreise für Butter aufgrund der hohen Nachfrage zur Weihnachtszeit ansteigen und danach zu Jahresbeginn wieder zurückgehen - dieses Prinzip spiegelt sich in den Angeboten der Molkereien wider, wie sie allen Händlern um diese Jahreszeit unterbreitet werden. Wir reden hier also über saisonale Angebotspreise,“ so die Ansicht des Discounters.

Im Gespräch ist ein Rückgang um 60 Cent/kg Butter. Inzwischen deutet sich aber an, dass Aldi den Butterpreis weniger stark senken könnte. So sollen nach Wochenblattrecherchen einige Molkereien Kontrakte für 10 bis 15 Cent/kg weniger abgeschlossen haben. Allerdings wird auch von einer Molkerei berichtet, die deutlich darunter geblieben sein soll.

Wenig Hoffnung für einen Hilfsfonds

Aldi und seine Kunden schätzten die hohe Qualität deutscher landwirtschaftlicher Produkte. Sie möchten sich aktiv und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln für einen nachhaltigen strukturellen Wandel und langfristige Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette stark machen, betonten beide Unternehmen. Aus Sicht des der Handelsunternehmen ist es insbesondere Aufgabe der Politik sicherzustellen, dass externe Markteinflüsse nicht zu einer sofortigen existenzbedrohenden Situation für eine wichtige Branche wie die deutsche Landwirtschaft werden.

Allerdings sieht das Bundesagrarministerium den von Handel und LsV anvisierten Hilfsfonds kritisch. Auch Wochenblattnachfrage teilt das BMEL mit, die "Beteiligung des Bundes am Hilfsprogramm eines Dritten (wie hier des Lebensmittelhandels) wäre zudem rechtlich problematisch, da nicht nur die Notwendigkeit einer finanziellen Beteiligung des Bundes fraglich wäre, sondern auch, weil der Bund die Konditionen für die Gewährung der Hilfen nicht den haushaltsrechtlichen Anforderungen entsprechend festlegen könnte. Hinzu kommen rechtliche Fragestellungen, die sich mit Blick auf das EU-Beihilfenrecht ergeben". Zudem heißt es weiter, dass "grundsätzlich die Verwaltungs- und Finanzierungszuständigkeit für einen solchen Fonds bei den Ländern läge".

CDU/CSU: Handel nutzt Lage gnadenlos aus

Connemann Gitta

Indes haben die Stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gitta Connemann, und der agrarpolitische Sprecher Albert Stegemann großes Verständnis für die Bauernproteste. „Wir verstehen jeden Landwirt, der derzeit gegen den Lebensmitteleinzelhandel protestiert. Die Lage auf den Höfen ist verzweifelt. Sie haben kaum mehr Luft zum Atmen. Denn die Erzeugerpreise sind historisch niedrig. Die Kosten sind dagegen gestiegen. Die Rücklagen sind nach Krisen- und Dürrejahren aufgebraucht."

Nach deren Meinung beutet der Lebensmitteleinzelhandel diese Situation erbarmungslos ausgebeutet. Damit meinen die CDU-Politiker nicht den Händler vor Ort. Die selbständigen Kaufleute versuchten, ihre Landwirte vor Ort häufig durch regionalen Einkauf zu stützen. Es geht ihnen um die vier großen Konzerne. Mit 85 Prozent Marktanteil sind Edeka, Rewe, Lidl und Aldi so mächtig, dass sie Bedingungen und Preise diktieren könnten. "Und sie tun es gnadenlos", so Connemann und Stegemann. 

Sie nehmen die vier Großen in die Pflicht. Es reiche nicht, aktuell in ganzseitigen Anzeigen eine faire Partnerschaft mit den Erzeugern zu propagieren. Bauern und Erzeuger bräuchten keine schönen Werbebotschaften, sondern faire Preise. "Wir erwarten von den großen Vier: Nicht nur über Fairness reden, sondern Fairness leben", fordern die beiden CDU-Politiker. So sollte der Handel schnellstens einen Verhaltenskodex vorschlagen, wie vor Weihnachten angekündigt.