Warenterminbörsen

Preiskorrekturen bei Mais und Getreide

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aiz
am Dienstag, 18.05.2021 - 10:19

Mais gab an den internationalen Terminbörsen seine Rolle als Zugpferd der jüngsten Rallye der Getreide- und Ölsaatennotierungen ab.

Wien - Der von den Märkten als Orientierung für die kommenden Monate erwartete WASDE-Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums USDA für Mai mit den ersten globalen Bilanzprognosen für 2021/22 brachte vergangenen Mittwochabend folgendes Bild: Der Lagerabbau von Weizen und Mais in der auslaufenden Saison 2020/21 fällt eine Spur höher aus als bisher angenommen, und kommende Saison 2021/22 sagt der Report eine nahezu neutrale Weizenbilanz voraus, die Maisendlager sollen nach Jahren des Abbaus allerdings wieder einmal anwachsen.

Damit gab Mais an den internationalen Terminbörsen seine Rolle als Zugpferd der jüngsten Rallye der Getreide- und Ölsaatennotierungen ab, vor allem spekulative Anleger stiegen massiv aus dem Mais aus. Auch Weizen und Sojabohnen korrigierten teils deutlich nach unten. Danach folgte ein Auf und Ab. Auch Regenfälle in Europa und Teilen der USA trugen zur Abkühlung der Preise bei.

Am Montagmittag notierte an der Euronext in Paris der Mahlweizen zur Lieferung im September mit Tagesverlusten von 3,50 Euro bei 214,50 Euro/t und der Dezember-Termin bei einem Minus von 3,75 Euro mit 214 Euro/t. Das sind Verluste von 12,25 respektive 10,50 Euro/t zum Schlusskurs vom 11. Mai, des Tages vor Veröffentlichung des WASDE-Berichts. Der Pariser Maisfuture zum Liefertermin Juni verlor in diesem Zeitraum 10 Euro auf 248,50 Euro/t und der neuer Ernte zur Lieferung im November um 12,50 Euro auf 209,50 Euro/t. Raps aus neuer Ernte zur Lieferung im August kam mit einem Minus von 4 Euro auf 539,25 Euro/t am glimpflichsten davon.

An der Chicago Board of Trade bauten vor allem branchenfremde institutionelle Anleger schon in der Woche vor dem WASDE ihren starken Überhang an Longpositionen massiv ab - auch, obwohl die USA erst dieser Tage neuerlich 1,36 Mio. t Mais an China verkauften. Der Maisfuture an der CBoT verlor am Montag im vorbörslichen Handel auf den tiefsten Stand seit 28. April.

Strategie Grains schätzt EU-Weichweizenernte 2021 unverändert auf 129,6 Mio.t

Die französische Analyse Strategie Grains schätzte am Donnerstag laut Agenturberichten die Weichweizenernte 2021 der EU unverändert zum Vormonat auf 129,6 Mio. t. Das sind 8,5% mehr als die 119,4 Mio. t aus dem Vorjahr. Einer Kürzung der Ernteprognose für Frankreich steht dabei eine Erhöhung in Südosteuropa wie in Rumänien gegenüber.

Für die laufende Saison 2020/21 hoben die Experten die Weichweizenexporte der EU-27 gegenüber dem Vormonat nochmals um 0,4 Mio. t auf 27,5 Mio. t an. Dieser Ausverkauf verknappe die Weizenbilanz der Union nur noch weiter. 2021/22 stehe dann eine gewisse Erholung bevor. Die Maisernte der EU im kommenden Herbst schätzt Strategie Grains auf 65,2 Mio. t (+3% zum Vorjahr) und liegt damit um 1,2 Mio. t niedriger als das USDA am Mittwoch im WASDE.

USDA: 2021/22 neutrale globale Weizenbilanz - Maislager wachsen erstmals seit Jahren

Das US-Landwirtschaftsministerium USDA veröffentlichte in der Mai-Ausgabe des monatlichen WASDE-Berichts (World Agricultural Supply and Demand Estimates) die erste Schätzung für die weltweiten Versorgungsbilanzen im kommenden Wirtschaftsjahr 2021/22. Die monatlichen Reports des USDA gelten vor allem den Terminmärkten als Orientierung für die Kursbildung.

2021/22 soll demnach die Weizenproduktion der Welt zwar zulegen, aber ebenso der Verbrauch einen neuen Rekordwert erreichen, sodass eine nahezu ausgeglichene Weizenbilanz resultiert. 48,3% der weltweiten Weizenreserven von 37,4% ihres Jahresverbrauchs sollen jedoch in China liegen.

Hingegen sieht der Report 2021/22 erstmalig seit Jahren des Abbaus einen Aufbau der weltweiten Maisendlager, wobei sich dieser schwerpunktmäßig auf die Exportnationen und hier wiederum auf die größte dieses Kreises, die USA, konzentriert. Die EU dementgegen wird kommendes Wirtschaftsjahr um ein Drittel mehr Mais - 16 Mio. t nach 12 Mio. t - import ieren müssen, um ihren Bedarf zu stillen. China solle 2021/22 mit 26 Mio. t unverändert viel Mais einführen und sogar einen weiteren leichten Bestandsabbau erfahren, wobei ihm aber immer noch 67,8% aller Maisreserven auf der Welt verbleiben.

Trotz größerer Weizenernte nehmen Lager 2021/22 kaum zu

Zuwächse der Weizenproduktion aus den Ernten für die Vermarktung 2021/22 ortet das Washingtoner Ressort in der EU, dem Vereinigten Königreich, in der Ukraine und den USA sowie in Argentinien. Diese überwiegen Minderernten in Australien und Kanada. Russland soll ähnlich viel Weizen wie 2020 einbringen. Weltweit steigt die Weizenerzeugung im Jahresabstand um 12,88 Mio. t auf 788,98 Mio. t. Wie der Verbrauch soll aber auch der Welthandel mit Weizen kommende Saison einen Rekord erreichen. Vor allem Algerien, der Mittlere Osten, Indonesien und auch die EU stehen vor höherem Importbedarf, wohingegen Chinas Weizeneinfuhren mit 10 Mio. t um 0,5 Mio. t unter denen des laufenden Wirtschaftsjahres bleiben und sich auch die Endbestände verringern sollen. Einem deutlichen Bestandsabbau beim Weizen um 11% auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren steuern dem Report zufolge die USA zu.

Bei den Weizenexporten bleibt Russland mit 40 Mio. t 2021/22 führend, und die Ausfuhren der EU können dank des größeren Angebots gegenüber heuer um 3 Mio. t auf 33 Mio. t zulegen. Trotz einer um gut 8 Mio. t zum Vorjahr größeren Weizenernte von 134 Mio. t und etwas mehr Importen sieht das USDA 2021/22 in der Union nur eine leichte Erholung der dramatisch niedrigen Weizenreserven um 0,5 Mio. t auf 9,67 Mio. t oder 9,1% des Eigenbedarfs beziehungsweise gerechnet als Anteil am Gesamtverbrauch aus Eigenbedarf und Export von 6,9%. Zum Vergleich: Weltweit betragen die Weizenreserven kommende Saison 37,4% des Verbrauchs, die in den USA - trotz des niedrigsten Standes in sieben Jahren - gemessen am Binnenverbrauch 89,2% und am Gesamtbedarf inklusive Export 36,9% oder die Chinas gar 96,2% seines Binnenmarktkonsums.

Maisendlager wachsen vor allem in USA

Die weltweite Maisernte 2021/22 prophezeit der Report mit einem Jahreszuwachs von 61,39 Mio. t auf 1.189,85 Mio. t auf einem neuen Rekordwert. Demnach wird der weltweit größte Maisproduzent, die USA, mit 380,76 Mio. t 2021/22 um 20,51 Mio. t mehr Mais ernten als im laufenden Wirtschaftsjahr. Der Eigenverbrauch soll zwar im Jahresabstand um 5,6 Mio. t auf 312,82 Mio. t anwachsen, doch die Ausfuhr sich gegenüber dem Boomjahr 2020/21 (+25,32 Mio. t zu 2019/20) wieder um 8,26 Mio. t auf 62,23 Mio. t beruhigen.

Damit bleibt den USA ein Bestandsaufbau von 6,35 Mio. t, was den Löwenanteil des globalen Lageraufbaus um 8,77 Mio. t ausmacht. Laut WASDE werde damit der Anteil der Lager am Verbrauch (stock to use, gerechnet an der Summe aus Eigenverbrauch und Export) um rund 1,7% auf 10,2% anwachsen. Dies liegt aber immer noch deutlich in dem von den Märkten üblicherweise als bis zu 20% als bullish aufgefassten Bereich. China werde am Ende von 2021/22 etwa trotz eines marginalen Lagerabbaus 67,4% seines Inlandsverbrauchs an Mais in den Silos liegen haben.

Die EU soll im Herbst 2021 mit 66,70 Mio. t um 3,72 Mio. t mehr Mais ernten als 2020, aber gleichzeitig mit 77,90 Mio. t um 4,6 Mio. t mehr als in der laufenden Saison benötigen. Daraus resultiert ein 4 Mio. t höherer Maisimport von 16 Mio. t. Damit wachsen 2021/22 zwar auch die Endbestände der Union um 0,5 Mio. t auf 7,45 Mio. t, doch nur auf 9,6% des Eigenbedarfs respektive 9,1% des Gesamtverbrauchs einschließlich Ausfuhren.

2021/22 Bestandszuwächse bei Ölsaaten und Sojabohnen

Die Prognose des USDA für die globalen Bilanzen von Ölsaaten und dabei Sojabohnen lautet auf Bestandszuwachs. Die USA als zweitgrößter Sojabohnenproduzent (2021/22: 119,88 Mio. t) nach Brasilien (2021/22: 144,00 Mio. t) sollen demnach zwar eine größere Ernte einfahren können, aber nach dem Ausverkauf im laufenden Wirtschaftsjahr über ein kleineres Gesamtangebot verfügen. Dennoch komme es zu einem jedoch überschaubaren Bestandsaufbau, weil die Vereinigten Staaten kommende Saison mit einem Exportrückgang um 5,6 Mio. t auf 56,47 Mio. t zu rechnen hätten. Sie verlören damit 3% Anteil am Sojabohnenwelthandel auf nunmehr 33%. Brasilien soll sich dementgegen ein um 4% größeres Stück vom Sojaweltmarktkuchen von 54% abschneiden können. China werde seine Sojaeinfuhren 2021/22 neuerlich um 3 Mio. t auf 103 Mio. t steigern.

Die Rekord-Sojaernte Brasiliens von 144 Mio. t (+ 8 Mio. t zu 2020/21) mündet trotz des Exportplus 2021/22 in einen Bestandsaufbau von 1,3 Mio. t. Zum globalen Anwachsen der Sojaendlager um 4,55 Mio. tragen des Weiteren die USA mit 2,35 Mio. t und China mit 2,2 Mio. t bei. Das heißt, das Mehr an den Sojaimporten Chinas 2021/22 fließt fast zur Gänze in einen Aufbau der Reserven, die kommende Saison mit 34 Mio. t 28% des Jahresverbrauchs ausmachen werden.