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Gentechnik

Ohne Gentechnik: Absatzwachstum verlangsamt sich

Josef koch
Josef Koch
am Mittwoch, 08.06.2022 - 13:37

Verbandschef Hissting wirft Branchenvertretern vor, Ukrainekrieg „unredlich auszunutzen.“ Umsatzprognose für 2022 steht auf wackligen Füßen.

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Nach vielen Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten kommt das Siegel „Ohne Gentechnik“ jetzt in die Konsolidierungsphase. Die Zuwächse sind nur noch moderat. Nach den Prognosen der bisherigen Lizenznehmer würde sich der „Ohne Gentechnik“-Umsatz 2022 aber noch um 4,2 Prozent auf 13,7 Mrd. € erhöhen. Die Prognosen wurden im Januar und Februar 2022 abgegeben, vor dem Ausbruch des Ukrainekriegs.

So konnten ohnehin kaum kalkulierbare mögliche Auswirkungen des Ukraine-Krieges, damit begründete Falschinformationen und unnötig geschürte Verunsicherungen nicht berücksichtigt werden, erläutert Alexander Hissting, Geschäftsführer des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG).

Hissting: Unredlich, Siegel in Frage zu stellen

Ohne Gentechnik-Käse

Er bezieht sich damit vor allem auf die Warnungen des Deutschen Raiffeisenverbands, dass ab Herbst nicht mehr ausreichend gentechnikfreie Futtermittel zur Verfügung stünden. Als Folge müssten unter anderem Molkereien frühzeitig ihre Produkte ohne das Siegel „Ohne Gentechnik“ auszeichnen.

Die Umsatzprognose für 2022 erschweren laut Hissting hohe Futtermittelpreise und Marktunsicherheiten durch den Ukraine-Krieg. Einige nutzen diese Situation leider auf unredliche Weise, um die ‚Ohne Gentechnik‘-Kennzeichnung in Frage zu stellen – wie auch andere Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards, spielt Hissting auf die DRV-Aussagen an.

„Wir halten dagegen, in engem Austausch mit unseren Partnern und mit sachlicher Information. Die Verfügbarkeit von gentechnikfreiem Eiweißfutter ist gegeben, soviel ist inzwischen klar. Niemand muss aus dem System aussteigen,“ versichert der VLOG-Geschäftsführer.

 Bei Milchprodukten, Eiern und Geflügelfleisch haben Produkte mit der grünen Raute inzwischen hohe Anteile erreicht. Großes Potenzial gibt es laut VLOG dagegen noch bei Rind- und Schweinefleisch. Den größten Anteil an den 13,2 Mrd. € Verbraucherausgaben für „Ohne Gentechnik“-Produkte machten 2021 Milch und Milchprodukte mit 9,3 Mrd. € (70 Prozent) aus. Mit Geflügelfleischprodukten wurden 2,3 9,3 Mrd. € (17 Prozent), mit Eiern 1,1 9,3 Mrd. €  (8 Prozent) und mit sonstigen Produkten 0,5 9,3 Mrd. € (4 Prozent) erzielt.

„Die Zahlen belegen, dass ,Ohne Gentechnik‘-Produkte bei Verbraucherinnen und Verbrauchern nach wie vor hoch im Kurs stehen“, so Hissting. Er sieht es als Auftrag, das „bewährte Siegel weiter auf Erfolgskurs“ zu halten. Dazu dürfen die Gentechnik-Regeln der EU nicht aufgeweicht werden. Das müssen Agrarminister Cem Özdemir und Umweltministerin Steffi Lemke in Brüssel einfordern., verlangt der VLOG-Geschäftsführer.

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