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Ukrainekrieg

Özdemir: Putin benutzt Hunger als Waffe

Verladung von Getreide
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 12.04.2022 - 08:38

Der Ukrainekrieg wird zu einem Anstieg der Zahl der Hungernden um 8 bis 13 Millionen Menschen führen. Özdemir sieht darin eine gezielte Strategie von Putin.

Nach einer ersten Prognose der FAO zur Auswirkung auf die globale Ernährungssicherung könnte der Krieg zu einem Anstieg der Zahl der Hungernden um 8 bis 13 Millionen Menschen führen - zusätzlich zu den von der FAO im Welternährungsbericht für 2020 geschätzten 720 bis 811 Millionen Menschen, die weltweit Hunger leiden. Die Region Asien/Pazifik (vor allem Bangladesch) und Afrika wären in etwa gleich betroffen. Die FAO ist sich einig, dass diese Länder Unterstützung benötigen. Daher soll sichergestellt werden, dass das World Food Programme (WFP) finanziell gestärkt wird.

Das WFP bezieht 50 Prozent seines Weizens aus der Ukraine und erwartet für die Sicherstellung ihrer diesbezüglichen Hilfslieferungen durch die Preissteigerungen Mehrkosten von 71 Millionen US-Dollar pro Monat. Dies ist ein Anstieg um 44 Prozent und könnte bei fehlender internationaler Unterstützung dazu führen, dass das WFP die Rationen für Nahrungsmittellieferungen kürzen muss. Preissteigerungen könnten diesen negativen Effekt weiter verstärken.

Hunger als geostrategisches Manöver

Bundeslandwirtschaftsminister

Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir wirft Putin vor, die Verknappung von Getreide als Waffe einzusetzen: "Er will, dass bei uns die Preise steigen und anderswo, in den ärmsten Ländern der Welt, der Hunger zunimmt. Mit dieser perfiden Strategie nimmt er weltweit Menschen als Geiseln", sagte Özdemir auf der FAO-Sondersitzung am 8. April in Rom.

Außerdem gebe es Meldungen, wonach Russland Exporte von Lebensmitteln zurückhält. Dies wertete Özdemir als weiteren Beleg dafür, dass Putin gezielt Hunger als geostrategisches Manöver nutzt. Dieses Vorgehen sei unverantwortlich. Umso mehr gelte es für die internationale Staatengemeinschaft, die Märkte offenzuhalten. Alles andere erhöhe die Preisvolatilität und Marktunsicherheiten.

 

FAO-Nahrungsmittelpreisindex macht Riesensprung auf ein neues Allzeithoch

Preise für Nahrungsmittel

Der FAO-Lebensmittelpreisindex (FFPI) lag im März 2022 bei durchschnittlich 159,3 Punkten, 17,9 Punkte (12,6 Prozent) höher als im Februar, und machte damit einen Riesensprung auf einen neuen Höchststand seit seiner Einführung im Jahr 1990. Der jüngste Anstieg spiegelt neue Höchststände bei den Teilindizes für pflanzliche Öle, Getreide und Fleisch wider, während die Preise für Zucker und Molkereiprodukte ebenfalls deutlich anstiegen.

Als Ursache des Preissprungs gilt der Ukrainekrieg. Er hat zu einer Verknappung an Lebensmittel auf den Weltmärkten geführt. So entfallen auf Russland und die Ukraine zusammen rund 28 % des Weltweizenexports. In der Ukraine sind aufgrund des Krieges die Bestellung und Pflege der Pflanzenbestände nur eingeschränkt möglich. Es mangelt vor allem an Treibstoff und die Bauern können wegen des Belagerungszustandes nicht auf die Felder. Das lässt für dieses JAhr deutliche Ernteeinbußen erwarten. Außerdem ist der Handel über das Schwarzmeer nicht mehr möglich.