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Erntebilanz

Özdemir: Danke an die Landwirte

Bundesminister fuer Ernaehrung und Landwirtschaft Cem Oezdemir sitzt in einem Traktor
Rainer Königer Portrait 2019
Rainer Königer
am Donnerstag, 01.09.2022 - 15:15

Agrarminister Özdemir dankt den deutschen Landwirten und spricht angesichts der Dürre von „apokalyptischen Zuständen".

Das Bundesagrarministerium kommt in seinem „ersten vorläufig amtlich festgestellten Ernteergebnis“ fast deckungsgleich zu den Ergebnissen wie der DBV und der DRV. „Wir sehen Licht und Schatten bei der Ernte“, erklärte Agrarminister Cem Özdemir bei der Vorstellung des Berichts. Angesichts der Auswirkungen des Klimawandels, „können wir dankbar und zufrieden sein mit unserer Ernte“, so der Minister.

Das sei der Verdienst der Landwirte: „Da kann man ruhig mal Danke sagen.“ Die unabhängige Produktion und die Selbstversorgung müsse angesichts des Klimawandels gestärkt werden. Laut Özdemir müsse jetzt gehandelt werden, der klimafreundliche Umbau der Landwirtschaft dürfe nicht ausgebremst werden.

Mitteleuropa und viele andere Teile der Welt hatten heuer mit extremer Trockenheit zu kämpfen. Auch in Deutschland gibt es Böden, in denen eine menschliche Hand im Riss komplett verschwindet. Özdemir befürchtet: „Für nächstes Jahr wird es nicht einfacher.“ Denn ohne Niederschläge landet das Saatgut im Staub und nicht in der Erde.

Korn verdorrt am Halm

dürre

Dürre, Überschwemmungen und Stürme vernichteten Ernten auf allen Kontinenten. „Die Menschen hungern, nicht nur seit gestern. Der Hunger ist dort am größten, wo die Klimakrise am Unmittelbarsten zuschlägt.“

Özdemir sprach mit Blick auf die Weltkarte von „apokalyptischen Zuständen.“ Beispiel Indien und Pakistan, mit Lufttemperaturen von 50 Grad und Bodentemperaturen von 60 Grad und höher: „Da verdorrt das Korn sprichwörtlich am Halm.“ Dazu kommt der Ukrainekrieg, der die „ohnehin schwierige Ernährungssituation verschärft“.

Zurück zur deutschen Ernte: „Dieser Erntebericht ist auch ein Zeugnis der Klimakrise“, sagte der 56-Jährige. Die Getreideernte (ohne Körnermais) beläuft sich auf 39,7 Mio. t und liegt damit leicht über dem langjährigen Mittel. Die Ergebnisse sind regional sehr unterschiedlich. Den stärksten Rückgang musste im Bundesländervergleich Bayern mit einem Minus von 6,7 % hinnehmen.

Geringe Körnermais-Ernte

Besonders zu leiden hat heuer der spät ausgesäte Körnermais. Das Ministerium geht von einer Ernte von nur 3,3 Mio. t aus. Das wären 21,5 % weniger als im Vorjahr und 12,7 % weniger als im sechsjährigen Mittel. „Das drückt die Gesamtbilanz deutlich nach unten“, so Özdemir. „Unerwartet gut“ ist das Ernteergebnis beim Raps. Mit 4,3 Mio. t fallen die Zuwachsraten zweistellig aus, der Ertrag liegt bei guten 3,9 t/ha.

„Auch beim Futterbau schlägt die Klimakrise zu“, sagte Özdemir. Das stelle „manche Tierhalter vor erhebliche Probleme“. Teilweise müssten Betriebe schon auf die Wintervorräte zurückgreifen.